R.I.P. - Street Reaper

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VÖ: 13.10.2017
Bandinfo: R.I.P.
Genre: Doom Metal
Label: Easy Riding Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Dreckig, fetzig, kaputt, mit einer Prise Horror und Todessehnsucht. Das Album „Street Reaper“ von R.I.P lässt die alten Zeiten des Dooms im Gewande der Stoner Metal-Szene aus dem Totenreich wieder auferstehen. Fuzz lässt hallende Schreie aus der ewigen Verdammung zwischen den Lebenden und Toten erklingen. Der zerfetzte Sound von Gitarre und Drums bringt den passenden Rhythmus für diesen Horrorzirkus namens „Street Reaper“. 2015 fanden sich die vier Männer in Portland, USA, zusammen und schmissen ihre erste Platte „The Wind“ an die Köpfe der „doomigen“ Metaller. Mit „Street Reaper“ kündigt sich die Band R.I.P. wieder an und setzt auf mehr swingende Zwischenspiele, die ihrer Musik eine neue Dynamik verpasst. Ein Teil des musikalischen Umschwungs ist auch dem Wechsel der Band zum Label Riding Easy Records, das das Potenzial der vier Amerikaner erkannt hat, zu verdanken. Für die österreichischen Doom-Fans setzte ich meinen Verstand der neuen Scheibe von R.I.P. aus.

Der Einstieg der Drums und der zweiten Gitarre in der ersten Nummer „Unmarked Grave“ explodierte regelrecht in meinen Ohren. Das Vorspiel von Angel Martinez (Gitarre) springt verrückt zwischen den Noten herum. Die Effekte zum Gitarrensound sind noch dazu gut eingesetzt. Man bekommt das Gefühl, dass der Gitarrist weiß, wie er seinen Wahnsinn in Riffs umsetzen muss. Den Horror verbreitet die außergewöhnliche Stimme von Fuzz. Manche Doom-Liebhaber vergleichen seine Stimme mit dem Sänger von SAINT VITUS oder King Diamond zu Zeiten von MERCYFUL FATE.  

Der gleichnamige Songtitel „Street Reaper“ beschreibt den neuen dynamischen Einschlag, den die vier Amerikaner eingeschlagen haben, sehr gut. Ein einfacher und doch vorantreibender Rhythmus zieht sich durch das ganze Lied. Der Einsatz der Cowbell (Drum-Element) nach jedem Refrain ist eine selten eingesetzte Methode in der Heavy Metal-Szene. Trotzdem immer wieder eine witzige Einleitung in eine Strophe. Der Höhepunkt in R.I.P.s Wahnsinn offenbart sich in der Bridge. Als Stilelement nutzen sie die Rückkopplung der verzerrten Gitarre, während Fuzz versucht, darüber mit zitternder Stimme den Liedtext auszurufen.

In der drauffolgenden Nummer „Mother Road“ spiegelt sich der Sound einer klassischen Stoner Band aus den 90er Jahren namens FU MANCHU wider. Man erkennt durch den stärkeren Einsatz der Drums im Refrain und der Stimme, dass „Mother Road“ die aggressivste Nummer des ganzen Albums ist.

Die neue Platte von R.I.P. verabschiedet sich zum Schluss mit dem Song „Die In Vain“. Dieses ist stark von Doom-Elementen geprägt. Angel Martinez setzt auf dezenten cleanen Gitarrensound, kombiniert mit der hoffnungslos klingenden Stimme von Fuzz. Gegen Ende hin vernimmt man den Klang einer E-Orgel, die dem Lied eine okkulte Note verpasst.
 
„Clouds of madness“, „mental prison“, „unmarked graves“, „die in vain“, „street reaper“. Diese Wörter und noch viele schauerhafte Metaphern verwenden R.I.P. in ihren Liedern. Der Wahnsinn zwischen dem lebendig- und tot-sein ist eine typische Thematik in der Doom-Szene. Die vier Amerikaner erzählen, innerhalb dieser allseits beliebten Doom-Thematik, von einer Sichtweise, die von Paranoia, Surrealität und pessimistischer Ironie geprägt ist. Einerseits wird das lyrische „Ich“ oft von einem unheimlichen Wesen oder einer Erscheinung verfolgt und ungewollt in den Tod gerissen. Andererseits ist auch manchmal der Tod der einzige Ausweg des lyrischen „Ichs“, um Ruhe zu finden.

Summa summarum ist R.I.P. eine Band, die den schmalen Grat zwischen Leben und Tod auf witzige Art und Weise interpretiert. Es macht Spaß, den vier Amerikanern beim Hämmern der Instrumente und Fuzzs ängstlichen Schreien zuzuhören. Die Höhepunkte der Lieder sind jedoch die Momente, wo der Sänger den Verstand verliert und seine Stimme im hallenden Chaos verschwindet.

Fazit: Paranoider Wahnsinn vorprogrammiert!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Julian Dürnberger (24.02.2018)

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