THOBBE ENGLUND - The Draining Of Vergelmer

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VÖ: 16.02.2018
Bandinfo: THOBBE ENGLUND
Genre: Heavy Metal
Label: Metalville
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Erst war er bei SABATON beschäftigt, dann stieg er wohl aufgrund der gigantischen Tourbemühungen aus, verkaufte letztes Jahr seine Seele und nun ist der sympathische Schwede Thobbe Englund (das "Thobbe who?"-Spielchen sparen wir uns an der Stelle) schon wieder auf dem Radar und widmet sich auf "The Draining Of Vergelmer", seinem neuen Solo-Album, mythologischen Themen und der ein oder anderen Verschwörungstheorie. Fun Fact: das Promoblatterl kommt überraschenderweise - im Gegensatz zu meiner Einleitung übrigens -  gänzlich ohne den fast schon standardmäßigen Verweis zum skandinavischen Panzerbattalion aus und trägt damit auch einen nicht unerheblichen Teil zur endgültig erreichten Selbstständigkeit seiner Hauptbeschäftigung THOBBE ENGLUND bei.

Dennoch muss man natürlich klar sagen: Ohne SABATON hätte Mr. Englund womöglich nicht mal die Hälfte seines aktuellen Bekanntheitsgrades inne, was aber nicht nur an seinen ehemaligen Kollegen, sondern auch daran liegt, dass er sich und seinen positiv-bekloppten Charakter einer Heerschar an Fans, die ihn am Ende nicht ganz umsonst unter Tränen verabschiedet haben, vorstellen konnte. Wie aber das 2017 veröffentlichte "Sold My Soul" bereits bewiesen hat, ist der Blondschopf, dessen Haarpracht übrigens ebenfalls eine eigene Facebook-Fanpage spendiert bekam, auch auf Solopfaden ein höchst brauchbarer Protagonist - vor allem für Fans klassischen Stahls. Ganz so gut ist "The Draining Of Vergelmer" leider nicht geworden. Aber auch nicht wesentlich schlechter.

Was er und seine Band sehr gut machen: mit knapp 34 Minuten fällt sein fünftes Solowerk weder zu knapp noch zu lang aus, zumal die acht Songs (das schottisch angehauchte Intro "Thou Ancient, Thou Free" und "Heart Of Metal" kann man nicht unbedingt dazuzählen) doch vergleichsweise abwechslungsreich komponiert wurden. Man findet klassisch vorgetragenes Material à la "Illuminati" und "The Land Where You Belong", von markiger Epik unterstütze, frickeligere Stücke wie "Fingerspitzengefühl" und das fast schon neoklassische "Odin's Hall" und sogar powerballadeske Momente ("I Am A Viking"). Letzteres zeigt dann durch die Gastbeiträge von den BLOODBOUND- und SABATON-Sängern Patrik J. Selleby und Joakim Brodén, dass Thobbe Englund zumindest gesanglich nicht ganz von der Vergangenheit loskommt. Musikalisch hingegen kann er das schon, weswegen es etwas schade ist, dass "Viking" mit RAUBTIER-Sänger Hulkoff ein bisschen zu sehr in die Stilrichtung der Band des Gastierenden abdriftet und so nicht ganz zum Gesamtbild des Albums passen will.

Das und der leichte Spannungsabfall zum Ende der Platte sind aber eher geringfügige Kritikpunkte, wodurch man zum Abschluss eigentlich sogar das Fazit zum Vorgänger kopieren und hier einfügen könnte - wenn man denn wollte. "The Draining Of Vergelmer" ist jedenfalls ein weiteres durch und durch solides Werk mit Classic-Heavy-Charme. Neumodische Akzente sucht man sowohl bei der Musik als auch bei der Produktion vergebens, was den Wirkungskreis natürlich schon limitiert, aber man hat gleichzeitig auch irgendwie nicht das Gefühl, als wolle dieser Thobbe Englund möglichst vielen gefallen. Er und seine Jungs wollen schlichtweg Spaß haben und das hört man ihnen auch jederzeit an. Mehr muss es manchmal auch gar nicht sein.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (14.03.2018)

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