HYVMINE - Earthquake

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VÖ: 19.01.2018
Bandinfo: HYVMINE
Genre: Progressive Metal
Label: Seek And Strike
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Lineup  |  Trackliste

Abteilung „früher war alles anders“: Früher wurden Gitarristen bekannt, indem sie in guten Bands spielten, und danach wurden Solo-Alben, Supergroups etc. gemacht. Heute ist der Weg anscheinend andersrum: hinter den Prog-Metallern HYVMINE steckt hauptsächlich (als Gitarrist und Sänger) Al Joseph, der bis jetzt gerade mal ein Album mit einer Band (THE GREAT GAMBLE) als Eigenproduktion herausgebracht, aber dafür schon zwei Solo-Alben, Gitarrenlehrbücher und Endorsements ohne Ende am Start hat.
Also reichlich Vorschusslorbeeren, die sich der gute Mann da verdient hat. Und wenn man in „Earthquake“ reinhört, kann man da nur vollstens zustimmen. Nicht nur die Gitarrenkünste, sondern auch die Vocals von Joseph sind allererste Güteklasse – der Mann kann sowohl massiv viele Noten ganz schnell hintereinander spielen, aber auch kraft- und gleichzeitig gefühlvoll singen.
Technisch also sind HYVMINE über alle Zweifel erhaben (auch die drei Mitstreiter von Joseph an Schlagzeug, Bass und der zweiten Gitarre haben einiges drauf), musikalisch hapert es allerdings noch. Die Grundlage von „Earthquake“ ist relativ uninspirierter Rock/Metal irgendwo zwischen Nu-Metal und Djent, Hauptsache es kracht. Das tut dem progressiven Anspruch und der Stimme von Joseph nicht gut, die beide unter der allzu fetten Produktion leiden.

Und auch die Songs sind zwar in den Einzelteilen immer wieder hervorragend, können aber auf Albumlänge nicht überzeugen. Mal blitzt die stimmliche Klasse von Joseph hervor („Mirror Master“), mal der ausufernde Solo-Wahnsinn („Shogun“), und einen feinen Groove findet man auch ab und zu („All Of Creation“, „Fire Escape“). Dann bleibt aber bis auf das zu wenig hängen, die Refrains bleiben blass (bis auf „Shogun“ oder „Fire Escape“) und der vergleichsweise entspannte Titeltrack kann zwar überzeugen, reißt das Ruder aber auch nicht herum.

Irgendwie hat man dann doch das Gefühl, dass bei HYVMINE die Sozialisation als Band noch fehlt – bei aller Genialität von Al Joseph als Gitarrist und als Sänger fühlen sich die Songs mehr wie Technik-Showcases als Band-Songs an (Detail am Rande: die Namen der restlichen Bandkollegen in HYVMINE herauszufinden, war auch nicht ganz so einfach – irgendwie bezeichnend). Was da noch fehlt, ist das (oft auch schmerzhafte) Wachstum einer Gruppe – wie schon der alte Freddie Mercury sagte (der hat übrigens auch lange in einer bekannten Band gespielt, bevor er ein Solo-Album gemacht hat): „I’ve paid my dues / time after time“. Und der gute Freddie hat es dann ja auch weit gebracht.
 



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Luka (21.02.2018)

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