SCHATTENMANN - Licht an

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VÖ: 02.03.2018
Bandinfo: SCHATTENMANN
Genre: NDH (Neue Deutsche Härte)
Label: Drakkar Entertainment
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Lineup  |  Trackliste

Böse Zungen könnten behaupten, SCHATTENMANN seien nur ein langweiliger Abklatsch von STAHLMANN. Ist dem so? Zeigt das schattige Quartett aufgrund der stählernen Vergangenheit von Sänger Frank wirklich, dass sie nur der Schatten des Stahls sind?

Die Neue Deutsche Härte 2.0, sie geht weiter als ihre Vorgängerversion, weist mehr Melodien und anders gestaltete Gitarrenriffs auf, wie in einem Interview mit Sänger Frank bestätigt wurde.

"Licht an, Licht aus“: synthetisches Intro. Energiegeladen, definitiv etwas Neues. Aus dem Schatten treten SCHATTENMANN hervor. Vorhang auf für das Debütalbum einer Band, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens (gegründet Ende 2016) bereits auf Auftritte mit namhaften Bands zurückblicken kann. Ein Opener für ein Album, das diverse Themen als Resultate der Innbetrachtung aufweisen kann. Eine stimmige Sache.

Weiter geht es mit "Brennendes Eis“: ein Brett von einem Gitarrenteil. Das geneigte Ohr wird überrollt von einer Lawine aus Feuer und Eis, aus Erinnerung, gemachten Erfahrungen und deren Resultaten. Das Synthetische des Vorgängers wird aufgegriffen und weiterentwickelt. Das dazu passende Msuikvideo enthält eine passende Bildsprache.

Was passiert, wenn Eis schmilzt? Es entsteht Wasser. Was kann einem Schiff im Wasser passieren? Es kann kentern. So geschehen in "Gekentert". Ein Schiffbrüchiger besingt das Überrollt-Sein von der Wucht der Liebe. An sich sauber gearbeitet, kommt aber wenig über den Status "gutes Mittelmaß" hinaus.

Der "Zahn der Zeit", er nagt an der zunächst kindlichen Hoffnung, alles vom Leben zu erhalten, ohne etwas dafür tun zu müssen. Die Zeit kann zwar Wunden heilen, bleibt aber dennoch das Messer, welches in das Herz gestoßen wird. Eine Erinnerung an die Vergänglichkeit für diejenigen, die einer solchen bedürfen. Insgesamt: ganz nett.

In Zeiten von Schießereien in Schulen und anderen Gewalttaten wird das Bedürfnis offenbar, jemanden zu haben, der bremst, bevor der innere Vulkan ausbricht. Es braucht nicht einmal externe Übefälle auf andere Menschen, um dieses Bedürfnis zu verspüren. Im Vergleich zu anderen NDH-Acts ist der Refrain hier umfangreicher.

Oversexed and underfucked scheint das Motto der "Generation Sex" zu sein. Eine Beschreibung einer Stellung folgt auf die nächste - ein Stellungswechsel (Sex ist Krieg, oder wie war das?). 

Die Abrechnung mit einem Gegner folgt sogleich in Gestalt von "9mm". Von geknallt zu abgeknallt. Die Wut, die dem Protagonisten dieses Songs innewohnt, sie wird durch musikalische Wucht deutlich.

Der "Krieger des Lichts" ist sehr groovig und gefällig. Die Titelähnlichkeit zu Silbermond beschränkt sich auf selbige, stilistisch und inhaltlich liegen zwischen beiden Songs Welten. Eine markante Nummer auf diesem Album. Mal was Neues.

"Trümmer und Staub" klingt eher weniger nach dem, was der Titel zunächst verspricht. Wieder eine retrospektive Betrachtung einer verflossenen Liebe. An dieser Stelle lässt das Potential der Band noch Luft nach oben, es wird das eine oder andere Klischee etwas zu oft diesen Song gebaut. Da geht mehr.

Weiter geht es mit einer schattigen Klangerzeugung names "Schattenmann". Der selbstbetitelte Song scheint so etwas wie eine Nacherzählung der Bandgeschichte zu sein. Ausgereifter und vielschichtiger als der Vorgänger: geht doch. Das Verborgene kommt an die Oberfläche und wird Klang. Es wird hinausgebracht, was rauszubringen war.

Ein "Böser Mann" kommt hervor und nimmt, was er kriegen kann. Was er nicht kriegen kann, ist bereits vorher verschwunden. Der bislang auffälligste Song auf diesem Album macht Spaß beim Zuhören. Die Frage ist, wie besonders die Anlehnung an Kinderreime ist. Eine Antwort möge jeder Mensch hierzu selbst finden. Nicht zu überhören ist, dass sich dieser Titel sehr vor den anderen abgrenzt, allein schon im Hinblick auf die Textstruktur und die Reimverwendung.

Auf einen Bonus-Track folgt ein zweiter, der etwas Farbe in den Schatten bringt. Die Rede ist von "Rot". Wieder ein Fall für die Generation Sex? Bestimmt wieder eine auffällige Nummer, die hier geschoben wird.

Den Abschluss dieses Albums macht eine Akustik-Version von "Gekenntert". M.E. eine passendere Ausdrucksform für diesen Text. Stimmungsvoll.

» Unser aktuelles Interview über "Licht an" mit Frank Herzig

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Trüter (12.03.2018)

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