THE MECHANIX - Attacked By Ross PT. 2

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VÖ: 10.02.2018
Bandinfo: THE MECHANIX
Genre: Thrash Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

​Die Grazer Thrashgroßmacht THE MECHANIX legt nach ihrem schon ein paar Jährchen alten Erstling jetzt mit einer Art vollständigem Debüt nach. Fortlaufende Numerierungen sind auch für Nichtmathematiker praktisch, also "Attacked By Ross Pt. 2". So in der Art vollständig weil man mit 28 Minuten längentechnisch so zwischen EP und Album liegt. Aber diese 28 Minuten haben es dann doch tatsächlich in sich.

Sofort fällt der entspannte Sound auf. Nach all den sneap-esken, übermasterten, übergetriggerten Plastikproduktionen der Jetztzeit ist es richtig erholsam, einen Sound genießen zu dürfen, der in etwa dem entspricht, wie das Ganze ohne Digitaltransformation klingen könnte. Natürlich erleichtern uns all die Tools sehr viel im Umgang und bei der Produktion von Musik, aber man kann bei wirklich vielen Bands, die eigentlich heavy sein sollten diesertags von einer langhaarigen Tupperparty sprechen. Kann man. Ich halt. 

THE MECHANIX thrashen weiter in der Mur Area und sind dort Teil einer gar nicht so kleinen Thrash-, oder überhaupt Metalszene die sich von den einschlägig bekannten, am Boden blutenden Black Metal-"Horden" (ich stehe am Fenster, eine alte Axt über meiner Schulter und schaue mit "eh schon wissen welchem" Blick ernst in die Welt) deutlich unterscheiden. THE MECHANIX haben beim Eröffnungsgewitter "I.I.I." eine knackige OVERKILL-Schlagseite, die nicht zuletzt durch den fetzig pumpenden Bass miterzeugt wird. Der Song ist ein Fünf-Minuten-Banger des obersten Qualitätssegments mit treibenden Riffs, anschiebender Rhythmusgruppe und einem deutlich erstarkten Toxic Tom am Gesang. (Achtung:Wortneukreation) Mitshoutability ingebriffen. 

Der "Black Wizard" liebt Jazz, hasst Metal, verlustiert sich an eigenartigen Akkorden und ist eben ein schwarzer Hexer. Warum auch nicht. Der Song ist heavy, wie auch der Opener klug strukturiert und erfreut mich mit wirklich hartem Riffing. Ich halte diese Plastikriffs aus den Einheitsschmieden dieses Planeten nicht mehr aus. Ja, ich weiß, ich habe das bereits erwähnt, aber wenn man eine kleine blauhaarige Sängerin anstelle eines alternden Glazkopfs auf der neuen PRIEST schreien hörte ist musikalischerweise, auf die Gitarren bezogen nicht mehr die Welt Unterschied. Wir befinden uns im Glattbürsten der Hörgewohnheiten. Man nennt es Metal es ist aber eben nur etwas lautere Pop-, oder sogar Schlagermusik. (Moment, mich ruft grad die Freiheit an. Abgewürgt. Bin wieder da). Schönes Solo, ebensolche Bridge. Was will man mehr...

"Here Comes The Pain" schaltet ein paar Gänge höher (ob manuell oder automatisch... äh, das war jetzt gscheit sinnbefreit...). Hier gibt es in der Strophe auch wieder den schönen D.D. Verni-Gedächntnisbasssound (möge er noch lange unter uns weilen, der Didi), herrlich drückendes Riffing in der Bridge und der Refrain ist heavy, richtig heavy und löst sich in einen etwas unspektakulären Soloteil auf. Gut, Hawkeye Hank Hetfield kann es schon wenn er will und mit Dauer des Solos zeigt er es auch. Das war es dann allerdings auch schon mit dem Song.

Highlight Nummer Zwei: "Jack The Writer". Der Anfang akkustisch, der Übergang zum Metalteil ist mehr als gelungen. Kinder, die ihr da draußen mit dem Erschaffen eigener Musik liebäugelt. Hört Euch den Song an. Das ist gelungenes Songwriting! Der Song vereint den typischen Grazer Thrash der Jungs (Aflenzer Ex-Pats) mit einer Prise NWobHM in den melodischeren Teilen. Superb auch hier, und es muss noch mal erwähnt werden, das Zusammenspiel der Drums und des Bass. "Jack The Writer" ist ein richtig geiler Thrash Metal-Song. Hier wird nicht wie besessen auf retro gemacht, das ist einfach gut. Punkt.

Für die Hoppfenafficionados gibt es den Fun-Song "Zwick or Stift", nachzuhören hier:

 

 

Die Sirenen und Hubschrauber vom GrazPD eröffnen "Streets Of Rage". Ein flinker, wieder leicht OVERKILL-lastiger Kopfwachler, was den Jungs nicht zum Nachteil gereicht, ist OVERKILL doch nicht wirklich der schlechteste Referenzmusikerzusammenschluss. Der Texte nicht habhaft deucht mich, dass hier ein wenig Sozialkritik geübt wird. Ich kann mich aber auch täuschen. Der Song hat in kurzen Momenten eine Prise HOLY MOSES bei mir aufkommen lassen. Das ist so in etwa wenn man hinter all dem Rauch vom Ardbeg eine kurze Nase Leder des Tabakbeutels riecht. Ach ja, die goldenen Zeiten. Zwischenzeitlich prügelt man sich in Hochgeschwindigkeit durch die Mur Area musiziert aber im letzten Drittel des Songs mit einer schönen Gesangsmelodie und einem wirklich geilen Solo. Chapeau!

Zum Abschließ am Abschluß tobt die Mechanix Army, denn sie wird niemals sterben. Punkig, räudig und stimmig beendet man mit "Mechanix Army Never Dies" ein fast perfektes Stück Thrash Metal aus Graz.

Der Sound passt, der Gesang hat sich gesteigert, und zwar gewaltig, das Songwriting ist stark und im Gegensatz zu hageren Baumanschreiern ist man hier bunt und laut. Geht doch.

Die EP waren mir vier Punkte wert, das erste Album viereinhalb und wenn THE MECHANIX es schaffen, eine dreiviertelstunde lang diese Qualität auf die nächste Veröffentlichung zu konservieren dann sind wir bei der Höchstnote 

Support the Underground! - Höchstgeiler Thrash Metal aus der Steiermark!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (09.03.2018)

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