BLOOD RED SANDMAN - Kim Jens Witzleitner

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VÖ: 00.00.2017
Bandinfo: BLOOD RED SANDMAN
Genre: (nicht klassifizierbar)
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Wer mich kennt, der weiß, dass ich nur allzu ungern etwas komplett verreiße, wenn es mir zuflattert. Insbesondere dann nicht, wenn sich das Projekt etwas traut oder in gewisser Weise aus der Reihe tanzt. Dementsprechend gespannt war ich auf das Horror-Hörspiel „Blood Red Sandman“, das in unserem Promocorner landete, und allein dadurch auffiel, eben ein Hörspiel zu sein. Die drei Fragezeichen mochte ich schon immer, Horror ist auch definitiv meine Schublade, daher schlug ich in der Hoffnung auf ein kleines Stormbringer-Special zu.

(Der) Horror ist diese Entscheidung definitiv geworden. Doch zunächst einmal die guten Aspekte von „Blood Red Sandman“. Die (teils sehr bekannten) Sprecher des Hörspiels sind durchgehend auf einem hohen Niveau, Stimmungen und Charaktere werden gut bis sehr gut dargestellt. Natürlich gibt es Ausreißer nach oben und nach unten, aber insgesamt kann sich die Qualität hier auf jeden Fall sehen lassen, auch die Effekte stimmen. Die Macher schaffen es darüber hinaus auch, dass der Zuhörer der Handlung allein durch den akustischen Faden in Großteilen folgen kann. Leider ist das aber auch schon alles, was ich an warmen Worten über „Blood Red Sandman“ verlieren kann.

Denn auch wenn ich Respekt davor habe, eine Handlung in Form eines Hörspiels zu strukturieren und darzustellen, bleibt auch nach dem Finale eine Frage: Hatte niemand der Beteiligten den Mut, um kurz anzumerken, dass der Plot, die Charaktere und vor allem die zum fremdschämenden Dialoge als Film nicht einmal zu einem ordentlichen Flop getaugt hätten? Die generische und uninspirierte Handlung irgendwo zwischen ‚A Nightmare On Elm Street‘ und ‚Der Exorzist‘ (teilweise sogar fast schon mit Plagiatscharakter) wird nur getoppt von vollkommen unglaubwürdigen bis sogar streckenweise nervtötenden Charakteren, die mit Dialogzeilen aus einem C-Klasse College-Porno um sich werfen. Das hohle Phrasengedresche dazwischen trägt seinen Teil dazu bei, jede Situation und jeden Dialog unweigerlich ins Lächerliche zu ziehen. Auf Glaubwürdigkeit wird dabei auch keinerlei Wert gelegt, sodass dramatische Situationen meist einfach ins Leere laufen oder an dem IQ der beteiligten Charaktere scheitern, der in der Summe wohl unter 90 sein dürfte. Auch so einige Wendungen im Plot sind so sehr an den Haaren herbeigezogen, dass teilweise nur dafür neue Charaktere eingeführt werden müssen.

Vielleicht ist mein Anspruch an Unterhaltung einfach zu groß, aber ich kenne Waffelrezepte mit einer überzeugenderen Dramaturgie als dieses Hörspiel sie aufweist. Da wir hier bei Stormbringer aber vornehmlich Musik rezensieren, möchte ich „Blood Red Sandman“ hier jedoch weder noch mehr Aufmerksamkeit noch eine schlechte Wertung widmen, sondern das Ganze einfach so stehen lassen und mir insgeheim wünschen, vor Langeweile gestorben zu sein. Wer jedoch so betrunken oder auf Drogen ist, wie die Protagonisten des Hörspiels es zu weiten Teilen der Handlung sind, der könnte in den knappen 90 Minuten vielleicht so etwas wie Spannung empfinden. Zumindest dürfte man mit durchschnittlichen drei Promille ins Koma fallen, bevor auffällt, dass das Skript höchstens dazu reicht, um den Kamin anzufeuern. So oder so, Glück gehabt.

Hier findet ihr jetzt den Trailer zu "A Nightmare On Elm Street - Mörderische Träume", um euch für die Zeit zu entschädigen, die ihr mit dem Lesen der Review zum billigen Abklatsch dieses Klassikers vertrödelt habt.
 



Ohne Bewertung
Autor: Lucas Prieske (05.03.2018)

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