MEMORIAM - The Silent Vigil

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VÖ: 23.03.2018
Bandinfo: MEMORIAM
Genre: Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Da muss wohl jemandem langweilig sein: gezählte 364 Tage nach dem Debütalbum „For The Fallen“ hauen MEMORIAM gleich das nächste Album heraus. Macht man in good old Britain keinen Winterschlaf? Oder haben das Ableben der Vorgängerbands BOLT THROWER (Fronter Karl Willetts, Drummer Andy Whale) bzw. BENEDICTION (Gitarrist Scott Fairfax, Basser Frank Healy) wieder ungeahnte Energien freigesetzt? Aber nachdem die Jungs ja schon alle lange im Geschäft sind (und auch keine zeitraubenden Stilwechsel nötig waren…), scheint das Songschreiben schnell von der Hand zu gehen.  


„The Silent Vigil“ fängt mit „Soulless Parasite“ dann auch genau dort an, wo „For The Fallen“ aufgehört hat: sich ins Hirn fräsende BOLT THROWER-Leads gepaart mit dem räudigen Charme von BENEDICTION und einem Sound der ganz alten Schule.


Ein starker Anfang, der aber nicht so fortgesetzt werden kann: „Nothing Remains“ und das schnellere „From The Flames“ können stückweise überzeugen, allein teilweise fehlt die Tightness, teilweise kommen Willetts‘ Vocals auch etwas unmotiviert rüber. Arg wird es beim Titeltrack: schräge Leads gepaart mit einem Riff Marke „my first death metal riff“ – da hat man eher den Eindruck, es handle sich um eine Schülerband und nicht um gestandene Todesmetaller.


Glücklicherweise wird es dann wieder besser – mit „Bleed The Same“ folgt der Kracher der Platte. Den Anfang machen wieder diese hypnotischen Riffs der BOLT THROWER-Schule, die gleichzeitig tonnenschwer und dennoch so melancholisch wie ein Regenwetter beim Fünf-Uhr-Tee sind, und dann trauen sich MEMORIAM einiges, wechseln Riffs, verharren nicht beim Gewohnten, lassen auch mal gesprochene Samples einfliessen. Und auch die folgenden Tracks („As Bridges Burn”, „The New Dark Ages” und „No Known Grave”) überzeugen wieder mit lässigen Leads, geilem Groove und variablen Vocals. Nur der letzte Song „Weaponised Fear” scheint etwas halbgar geraten.


Man wird also das Gefühl nicht los, dass MEMORIAM hier doch den Nachfolger vom starken „For The Fallen“ etwas zu überhastet auf den Markt geworfen haben, so manches wirkt nicht so ganz durchdacht. Sound und Tightness sind wohl gewollt eher in Richtung Proberaum-Atmosphäre, denn auf Hochglanzpolitur getrimmt, allerdings fehlt dann dadurch auch oft der letzte Druck.


Andererseits haben Willetts und Co. wohl mehr Death Metal Riffs wieder vergessen, als viele Bands jemals geschrieben haben, und diese Erfahrung führt dann wohl auch zu den vielen gelungenen Momenten auf „The Silent Vigil“, die den Hörer wieder versöhnen. Und für das geile Artwork gibt’s sowieso Pluspunkte.

 



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Luka (19.03.2018)

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