MINISTRY - AmeriKKKant

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VÖ: 09.03.2018
Bandinfo: MINISTRY
Genre: Industrial Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Uncle Al Jourgensen hat seine stärksten Alben stets unter der Regierung republikanischer Präsidenten veröffentlicht. Angefangen beim Hitalbum „Psalm 69“ unter George Bush senior über das legendäre Triple „Houses of the Molé“, „Rio Grande Blood“ und „The Last Sucker“ zu Ehren von Bush junior ereiferten sich MINISTRY stets mit beißender Kritik an den Missständen der amerikanischen Regierung. Demnach war es keine große Überraschung, dass Al Jorgensen kurz nach der Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten ein neues MINISTRY-Album ankündigte.

Nachdem die beiden Spätwerke „Relapse“ und „From Beer To Eternity“ nicht zu den absoluten Highlights der Banddiskographie zählten, darf man gespannt sein, ob die Gruppe mit „Amerikkkant“ an alte Bestleistungen anschließen kann. Der Opener „I Know Words“ erinnert mit zahlreichen Samples von Zitaten des aktuellen US-Präsidenten an goldene MINISTRY-Zeiten. Das mit Streicherklängen angereicherte Stück entpuppt sich im weiteren Verlauf jedoch nur als etwas langatmiges 3 minütiges Intro. Es folgt „Twilight Zone“ dessen stampfendes Mixtempo auch noch etwas Tempo vermissen lässt, weshalb der Song erst langsam Fahrt aufnimmt. MINISTRY präsentieren mit dem konsequenten Einsatz von Scratching ein neues Klangelement, das sich im weiteren Verlauf des Albums als wiederkehrende Größe von „Amerikkkant“ manifestiert. „Victims Of A Clown“ nimmt durch das vorangestellte Intro schon wieder etwas Tempo heraus, bevor der Song mit groovigem Uptempo Fahrt aufnimmt, sich angetrieben von zahlreichen Samples fortlaufend steigert, ehe das Stück in den letzten 20 Sekunden in typischer MINISTRY-Raserei endet, was das Fanherz höher schlagen lässt. Darauf folgt wieder ein fast einminütiges Zwischenspiel, welches das soeben erzeugte Momentum ausbremst und den entstandenen Drive nimmt, obwohl „We´re Tired Of It“ mit thrashigem Stakkatobeat erstmals in den oberen Temporegionen wildert. Leider zeigt auch die zweite Hälfte, dass MINISTRY diesmal nur selten aufs Gaspedal steigen. Auf „Amerikkkant“ regiert das Midtempo und MINISTRY zeichnen mit zahlreichen Zwischenspielen ein höchst kritisches, sowie differenziertes Bild ihrer Sicht auf die derzeitige Politik des amerikanischen Präsidenten. Zwischenspiele und massiver Sampleeinsatz waren immer stilprägende Elemente im Sound der Gruppe. Allerdings passiert das diesmal in solch einem Umfang, dass beim Hören kein wirklicher Flow entsteht. „Amerikkkant“ wirkt irgendwie konstruiert und wenig leidenschaftlich. Die Qualität einzelner Stücke ist dabei weniger Problem als die Anordnung selbiger. Ständig unterbrechende und oft langatmige Zwischenspiele und Intros in Kombination mit dem eher gemächlichen Grundtempo der Platte zeigen zwar die Qualität der Band, reissen andererseits aber nicht zu Begeisterungsstürmen hin.

Leider verschenkt „Amerikkkant“ viel Potential. Gute Ideen wären vorhanden, doch wirkt das Album angesichts der großartigen Diskographie wie mit angezogener Handbremse aufgenommen. Vielleicht wollte sich Al Jourgensen aber auch nur etwas zu deutlich von den Rasereien seiner früheren Werke gegen die beiden Bush-Regimes abgrenzen oder hatte nach SURGICAL METH MACHINE schlicht und einfach keinen Bock auf schnelle Songs. Unterm Strich bleibt ein gutes Album, das musikalisch aber eindeutig im Schatten übermächtiger Vorgänger steht. Im Gegensatz dazu stehen die Message und die Inhalte von „Amerikkkant“, in puncto Provokation und Subversion zählt die Band zur absoluten Avantgarde und ist nach wie vor eine absolute Ausnahmeerscheinung innerhalb der sonst sehr angepassten, politisch korrekten Musikindustrie und haben somit ungebrochen große Relevanz..



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Michael Walzl (14.03.2018)

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