IN FLAMES - Down, Wicked & No Good

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VÖ: 17.11.2017
Bandinfo: IN FLAMES
Genre: Melodic Death Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

In der Popmusik gang und gäbe. Oftmals wegen Ideenarmut. Im Hard Rock- und Metal-Sektor kommen sie auch oft vor, doch eher als ehrenwerte Anerkennung gemeint. Manchmal entwickeln sie sich zu riesengroßen Hits, manchmal sorgen sie für peinlich berührte Momente. Die Rede ist natürlich von Coverversionen. Kaum eine Band umgeht sie komplett, manche covern sogar viel zu viel, wiederum andere wurden bislang weniger hiermit in Verbindung gebracht. So zum Beispiel IN FLAMES, die ehemaligen Melodic Death- und heutigen Alternative Rock-Heroen aus Schweden. Natürlich gab es da immer mal wieder ein verstecktes Cover. Zum Beispiel mussten etwa "Murders In The Rue Morgue" von IRON MAIDEN, "Blinded By Fear" von AT THE GATES oder, passt auf, "Rock You Like A Hurricane" von den SCORPIONS dran glauben. Das bislang aber nur live, mehr oder weniger spontan und äußerst selten. Umso gelungener ist die Überraschung, dass IN FLAMES klammheimlich und ohne große vorherige Ankündigung eine kleine Cover-EP mit dem Namen "Down, Wicked & No Good" veröffentlicht hat. Wenn man das Endprodukt schließlich gehört hat, dann kann man IN FLAMES zur Wahl des Titels eigentlich nur gratulieren, denn dieser beschreibt mit passendem Wortspiel nicht nur den Inhalt, sondern auch (bewusst selbstreflexiv?) die Qualität des Outputs.

Zunächst muss generell gefragt werden: Warum covern Bands aus dem Metalgenre eigentlich? Entweder (und das wird man bei Interviews am häufigsten hören) um dem geliebten Original Tribut zu zollen. Auch sorgen Covers bei Live-Gigs immer für Auflockerung und Abwechslung. Beide Intentionen sind IN FLAMES abzunehmen. Dann gibt es aber auch Fälle, in denen sich Covers zu eigenen Hits etablieren, siehe NIGHTWISH mit "Over The Hills And Far Away", die DONOTS mit "We're Not Gonna Take It", MEALLICA mit "Whiskey In The Jar" oder jüngst FIVE FINGER DEATH PUNCH mit "Bad Company". Dann schließlich gibt es die seltenen Fälle, in der die Band einen bekannten Song dermaßen neu arrangiert, dass er weder zum Original noch zum eigentlichen Bandsound passt und damit einen Riesenerfolg landet. So jedem wahrscheinlich noch in Erinnerung mit LIMP BIZKIT und "Behind Blue Eyes" oder dem Äquivalent dieses Jahrzehnts, "Sound Of Silence" von DISTURBED. Und ja, auch hier setzen IN FLAMES an. Weswegen sie sich jetzt auch anhören lassen müssen, ein wenig Kalkül in das "spontane" Konzept zu bringen.

Die Umsetzung der Covers ist qualitativ sehr schwankend gelungen. Fangen wir mal mit dem geglücktem Moment an: Das DEPECHE MODE Cover "It's No Good" kann was. IN FLAMES versuchen, das ursprünglich von Synthies getriebene Stück hauptsächlich auf verzerrtere Gitarren umzuarrangieren. Das macht Sinn, wenn die Herren Gelotte und Engelin ihre Klampfenkünste präsentieren und munter vor sich hin riffen. Gepaart mit Fridéns charakteristischer, dramatischer Stimme passt das Arrangement überraschend gut in den stilistischen Kontext der Band. Das ganze braucht dennoch kein Mensch, nicht im entferntesten. Gar nicht gelungen ist das Cover von CHRIS ISAACS "Wicked Game". HIM und Ville Valo haben es bereits vorgemacht, das Stück ist gar nicht mal so schwer in der Umgestaltung. Aber das Endergebnis ist eine Synthie-schwangere und zugleich glattgebügelte Tortur. Fridén hat es ja eigentlich, wie eben angesprochen, drauf mit dem Dramatischen. Das Stück lebt von ISAACS' oder respektive auch Valos schlurzendem Gesang, den Fríden komplett auspoliert. Jap, so würde man das in der Schule lernen, wenn man sich von Note zu Note hangelt. Wir bilden einen Chor!

Auch die zwei anderen Stücke, "Down In A Hole" von ALICE IN CHAINS und "Hurt" von NINE INCH NAILS sind, sagen wir's ehrlich, komplett unhörbar. Es jetzt komplett zu umreißen ist sinnlos, man hört von der ersten Minute an die pure Langeweile heraus. Auch hält sich die Band an sich hier eher zurück und überlässt den Synths den Vortritt. Fridén ... nun ja, lassen wir das. Er kann singen, deswegen möchte ich seine Leistung nicht in Frage stellen, aber dieses Gejaule und Gejammere klingt, wie wenn sich meine Katze den Schwanz in der Tür eingeklemmt hat.

Fazit: Sorry Leute, da bin ich raus...



Bewertung: 0.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (13.03.2018)

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