CALVERHINE - Join The Lament

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VÖ: 03.02.2018
Bandinfo: CALVERHINE
Genre: Melodic Death Metal
Label: ZOUNDR
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Lineup  |  Trackliste

Es gibt so Bands, zu denen hat man dann doch mehr zu sagen, als man anfangs glaubte. So zum Beispiel bei den Kärtnern CALVERHINE, die wir euch mit ihrem Debütalbum „Join The Lament“ in der 25. Ausgabe von Underground von Unten vorgestellt haben. Ein weiser Mann sagte einmal: „Death Metal mit Bongos geht nicht!“ Das wussten die sechs Kärntner von CALVERHINE aber nicht, haben sich einen Trommler (in diesem Fall mit einem Djembé) geschnappt und es einfach gemacht – und siehe da: Es ging! Und wie! So sehr, dass nun, nach dem kurzen, launigen Anriss in unserem Underground-Feature, auch eine ausführliche Abhandlung über die seit 2011 lärmenden Kärntner und ihr im Dezember des Vorjahres veröffentlichtes Album folgen muss.

Das Intro führt zunächst mit wunderschön harmonischen Akustikgitarrenklängen in die Irre, ehe „Lost Without A Trace“ gleich einmal die elektrischen Gitarrenbrüder in den Keller holt und breitwandiges melodisches Todesblei mit anfangs durchaus etwas thrashigem Unterton serviert, das ordentlich Schub aus der Rhythmusfraktion bekommt und das Ganze zum Drüberstreuen noch mit einem echten Ohrwurmrefrain würzt. In „Dead End“ kommt dann die Percussion zum Einsatz, in Form von treibenden Trommelklängen, die dem Song einen enormen Drive verleihen – die Rhythmik bekommt man nur noch schwer wieder aus dem Kopf geschüttelt, während gesanglich von ober-derben Growls bis hin zu Klargesang die komplette Bandbreite durchgeackert wird, ohne dabei in einem Bereich qualitative Abstriche zu machen. Live knallt das bestimmt heftigst!

„Sickness“ serviert in sechs Minuten die volle Breitseite, Shouter Oliver grunzt wieder fast schon tiefer, als die Gitarren gestimmt sind, Bongos klopfen den Rhythmus des Todes und die Saitenfraktion zieht eine Wand hoch, die einem den Schädel zu Brei rifft. Zieht euch das am Ende dieses Reviews verlinkte Video rein, dann wisst ihr, was die Stunde geschlagen hat!

„Back Home“ erweist sich dann als mehr melodisch orientiert und packt erst hinten raus die richtige Keule aus, erfreut aber über die gesamte Länge mit starker Gitarrenarbeit. „The Last One“ und „Standing On The Roof“ grummeln und grooven ohne Ende, vor allem letzteres entpuppt sich durch seine Killer-Basslinie als richtiges Monster. „Hold the Course“ hat dafür wieder einen starken Ohrwurmrefrain am Start, lediglich das relativ unspektakulär dahinrumpelnde „Jacky D.“ und „Never Ride Alone“, in dem die Clean Vocals zu gepresst wirken, bleiben im Vergleich zu den Brechern des Albums ein Stück weit hinten – letzteres bietet aber durch den hier etwas zurückgefahrenen Härtegrad im Verein mit dem akustischen Outro einen guten Schlusspunkt des Albums.

Ernsthaft, das ist richtig geiler Scheiß, den CALVERHINE da abliefern. Exzellent produziertes, amtlich arschtretendes Todesblei aus dem eher melodisch orientierten Sektor, mit dem ein oder anderen Ohrwurmrefrain und gelegentlich auch mit thrashigem Pfeffer im Arsch – alleine das blitzsaubere Handwerk würde schon eine hohe Wertung rechtfertigen. Für den Extra-Boost sorgt dann aber die Rhythmus-Fraktion, die neben einem arschtighten Grundgerüst auch noch Akzente mit echtem Wiedererkennungswert raushaut. Was CALVERHINE dabei besonders hoch anzurechnen ist, ist die Tatsache, dass sie der Verlockung widerstehen, ihre Trademarks allzu inflationär auf den Hörer loszulassen, denn über weite Strecken bleibt die Percussion (im letzten Moment der Versuchung widerstanden, doch Bongo-Boy zu schreiben...) angenehm im Hintergrund und übernimmt klassische Rhythmusarbeit, um sich dann im passenden Moment, beziehungsweise Songteil, in den verdienten Vordergrund zu spielen. So und nicht anders soll der Wiedererkennungswert serviert werden: Mit der feinen Klinge und nicht mit dem Holzhammer. Macht eure Gehörgänge frei Leute, hier kommt was richtig Starkes aus dem Süden!

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Anthalerero (20.03.2018)

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