LIGHT THE TORCH - Revival

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VÖ: 30.03.2018
Bandinfo: LIGHT THE TORCH
Genre: Modern Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

DEVIL YOU KNOW sind Geschichte. Falls sich jemand gefragt haben sollte, wo die Herrschaften um Howard Jones (ex-KILLSWITCH ENGAGE) denn abgeblieben sind, bitteschön: Nach dem Ausstieg von Drummer John Sankey hatten die verbliebenen Mitglieder einige rechtliche Querelen bzgl. der Namensrechte mit ebendiesem ausfechten müssen und entschlossen sich kurzerhand dazu, als LIGHT THE TORCH zu firmieren. Dabei verspricht nicht nur die Symbolik hinter dem Bandnamen, sondern auch der Titel des am 30. März erscheinenden Quasi-Erstlings, "Revival", weit mehr kämpferischen Elan als die geistigen Vorgänger, die viel lieber der Schönheit der Zerstörung und der Faszination blutender Persönlichkeiten fröhnten. Ein Trugschluss?

Nun, die vier Amerikaner (Mike Sciulara sitzt nun hinter dem Drumkit) haben im gleichen Zug zumindest die Chance genutzt, den instrumentalen Unterbau noch melodischer zu arrangieren und Hojo sämtliche Freiheiten einzuräumen, die man ihm nur einräumen kann. Die Folge: der Mann klingt auf "Revival" wie entflammt und so leidenschaftlich, wie man ihn seit "As Daylight Dies"-Zeiten nicht mehr gehört hat. Einen größeren Anteil daran wird auch der Josh-Wechsel (anstelle von Josh Wilbur war dieses Mal Josh Gilbert als Produzent beteiligt) haben, aber das Ergebnis ist so oder so bemerkenswert: Nahezu jeder Refrain sitzt perfekt und auch die Strophen werden so temperamentvoll geschmettert, als kenne das Organ keinen Alterungsprozess. Und bis zur melodisch-modernen Powerballade "Virus" bleibt das Album unnachgiebig. Egal ob eine Kreuzung aus 2000er Metalcore und Stadion-tauglicher Hymnik ("Die Alone" und "Calm Before The Storm") oder groovendes Stakkato-Riffing ("The God I Deserve" und "Raise The Dead") - zum ausgedehnten Einstieg serviert man Mr. Jones eigentlich ohne Unterbrechung ein gewaltiges wie eingängiges Instrumentalfundament nach dem anderen, auf denen er, sich primär auf seine Clean Vocals verlassend (der harsche Gegenpart wird auf "Revival" akzentuierter bzw. als gesanglicher Fill interpretiert), vergoldete Tempel errichtet.

Der große Bruch bleibt auch mit und nach "The Great Divide" aus, den hohen Standards der ersten Albumhüfte müssen LIGHT THE TORCH hier aber dennoch kurzzeitig Tribut zollen. Dafür nimmt "The Bitter End" mit seinen aggressiven Nu-Metal-Gitarren wieder umgehend den Schwung auf, während man vor allem bei Howard Jones spätestens ab diesem Punkt zunehmend den Eindruck bekommt, als befinde sich seine Stimme in einem durch eine Art Trance erweiterten Autopilotmodus. Selbst die deftigen Shouts, die passenderweise "The Sound Of Violence" dominieren, spult er offenbar mühelos ab. Die menschliche und künstlerische Harmonie sowie das blinde musikalische Verständnis zwischen den einzelnen Bandteilen sind beachtlich und bilden das nicht ganz so heimliche Erfolgsrezept von "Revival", das sich in der zweiten Hälfte souverän zum emotionalen Abschlusshighlight "Judas Convention" hinarbeitet, ohne dabei größere Schwachstellen offenzulegen.

Dass "Revival" den Level der ersten Halbzeit nicht durchgehend halten kann, ist ohnehin kein allzu schwerwiegender Lapsus, da man hier ehrlicherweise ein Album vorliegen hat, dessen qualitative Schwankungen so geringfügig ausfallen, dass sie sich weitestgehend neutralisieren. So bin ich nach insgesamt zwölf Songs doch versucht, LIGHT THE TORCH zu einem starken Modern Metal-Werk zu gratulieren. Man kennt es nämlich nur zu gut, wenn man sich mehrere Alben dieser Sparte angehört hat: eines ist zu soft, das andere zu hart und unmelodisch, beim nächsten Projekt ist der Sänger unbrauchbar, wieder ein anderes Mal ist nur der Sänger brauchbar - and the story goes on. Klammert man den unbrauchbaren Sänger aus, vereinen Howard Jones, Frank Artusato, Ryan Wombacher und Mike Sciulara all diese Attribute zu einem Hybriden, der in Zukunft wahrscheinlich nur von wenigen anderen Bands und natürlich ihnen selbst überboten werden kann.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (29.03.2018)

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