RED SUN RISING - Thread

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VÖ: 30.03.2018
Bandinfo: RED SUN RISING
Genre: Alternative Rock
Label: Razor & Tie Records
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Lineup  |  Trackliste

Nach einem Debütalbum wie „Polyester Zeal“, das mit Krachern wie „The Otherside“, „Emotionless“ und „Bliss“ aufzuwarten wusste, sind die Erwartungen von neu gewonnenen Fans selbstverständlich groß. Verhältnismäßig lange war es nach dem Release still um neue Produktionen der US-amerikanischen Alternative-Rocker RED SUN RISING, vertröstet wurde man nur mit spärlich gestreuten Live-Terminen in Europa, hauptsächlich im Rahmen großer und kleiner Festivals. Umso überraschender, dass die Promophase für „Thread“ kurz, knackig und knapp auf nicht einmal ganze zwei Monate angelegt wurde. Meine überschwängliche Begeisterung für den frischen Sound der Band zügelnd, habe ich mir in der letzten Review die volle Punktzahl für den Feinschliff aufgehoben. Aber kann man bei „Thread“ wirklich von einem Feinschliff reden?

Genau wie der Vorgänger, kommt auch „Thread“ mit insgesamt elf Tracks daher und tobt sich dabei munter in der gesamten Breite von Alternative-Rock und Post-Grunge aus. Auch verzichtet man erneut auf ein gesondertes Intro. Gut so, das würde nur das runde Gesamtkonzept stören. RED SUN RISING starten aber bei weitem nicht so energiegeladen wie auf „Polyester Zeal“, sondern setzen mit „Fascination“ eine bereits vorab veröffentlichte Single an den Anfang, die besonders durch die Verbindung von nachdenklichen, fast schon melancholischen Melodien und harten Passagen auffällt. Nach diesem musikalischen Ausflug in für die Band etwas befremdlich wirkende Gefilde, wendet sich „Thread“ mit „Left For Dead“ wieder dem Fachgebiet von RED SUN RISING zu. Wie sich die Truppe im kooperativen Zombie-Schlachtfest aus dem Hause Valve schlägt, lässt sich hier zwar weniger beurteilen, aber der Song spielt dennoch einige Stärken des vorhergegangenen Albums aus. Starke Melodien und eine eingängige Dramaturgie sorgen nach dem eher ungewöhnlichen Start von „Thread“ für ein solides RED SUN RISING-feeling. Das erste wirkliche Highlight bietet aber „Deathwish“. Einmal ganz abgesehen von dem überwältigenden Bruch im letzten Drittel des Songs, der in einen mitreißenden Sing-along überleitet, stimmt hier einfach alles. Mehrere Hunderttausend Aufrufe auf YouTube vor Veröffentlichung des Albums dürfte angesichts der prinzipiellen Unbekanntheit der Band da wohl auch für sich sprechen.

Vor dem Hintergrund eines solchen Krachers wirkt „Stealing Life“ im Anschluss dann leider eher wie ein halbgarer Lückenfüller, von denen auch auf „Polyester Zeal“ der ein oder andere zu finden war. Für sich gesehen lässt sich hier keinesfalls von einem schlechten Song sprechen, die ständige Berg-und-Talfahrt zwischen oberer Mittelklasse und einigen herausragenden Tracks zeichnet sich aber bereits wieder ab. Zum Glück ist „El Lazo“ aber eindeutig den letzteren zuzuordnen. Ganz besonders die extreme Bandbreite und Kontrolle der Stimme durch Frontmann Mike Protich weiß immer wieder zu beeindrucken. In den simpelsten Passagen schneidet er sich mit solch chirurgischer Präzision durch verschiedene Tonarten und -höhen, dass „El Lazo“ bei jedem Albumdurchlauf wieder hervorsticht.

Ähnlich wie auch mit „Left For Dead“ schnüren uns RED SUN RISING mit „Lonely Girl“, „Veins“ und „Benny Two Dogs“ ein solides Paket aus dem unverkennbaren Sound der Band und einer kleinen Portion Sommerfeeling. Wirklich interessant sind hingegen aber beispielsweise „Clarity“ und „Evil Like You“, die sich allein durch ihre Riffs als härteste Songs der ganzen Platte aufdrängen. Beide lassen dazu aber auch nicht an Eingängigkeit vermissen; „Evil Like You“ wagt zudem mit einer zunächst schlampig wirkenden Klaviermelodie ein kleines Soundexperiment, das sich erst nach mehrmaligem Hören erschließt. Zwar finde ich Gefallen an solchen Kniffen, kann mir aber auch vorstellen, dass das für einige Hörer doch zu sehr am eigentlich so griffigen Sound der Band vorbei geht. Auf eine wirkliche Ballade verzichten RED SUND RISING auf „Thread“. Am ehesten könnte man hier „Rose“ zuordnen, aber auch hier bewegt sich die Band vollkommen abseits klebrig schnulziger Klischees, was durchaus zu gefallen weiß.

Insgesamt kann man bei „Thread“ nicht unbedingt von Progression sprechen, mehr von einem „Polyester Zeal 2“. Der Sound ist jedoch nach wie vor frisch und die Melodien fein geschrieben, sowie in weiten Teilen energiegeladen. Lange habe ich überlegt, ob meine Erwartungen vielleicht einfach zu hoch gesteckt waren, bin dann aber zu dem Schluss gekommen, dass eine Fortführung eines bewährten Sounds doch besser ist, als eine verhunzte Neuinterpretation. „Thread“ bleibt somit zwar unverwechselbar, im Ganzen aber zu wenig ambitioniert.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (30.03.2018)

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