MISKATONIC UNION - Astral Quest

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VÖ: 26.01.2018
Bandinfo: MISKATONIC UNION
Genre: Progressive Metal
Label: Iron Shield Records
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Lineup  |  Trackliste

Ein kleiner Ausschnitt aus einem typischen Abend im Leben eines Musik-Rezensenten.
„Moment…!“
(kramt in seinem endlosen Zettelwerk herum)
„Ich hab den Fetzen doch irgendwo …das kann ja nicht …Mensch! Alles muss ich aufheben!“
(wurschtelt weiter A4-Zetteln beiseite)
„Ah! MISKATONIC UNION, endlich! Astral Quest … bla bla bla … aus Chile … dum di dum di dum … Veröffentlichung 2018 …. Moment!“
(starrt ungläubig auf das eben gefundene Waschzetterl).
„Das klingt doch wie…“
(googelt die Band auf Google)
„Tatsächlich. Dass sich mein altes Ohr auf meine noch älteren Tage so beirren lässt!“
(Bestellt sich ein Hörgerät bei Amazon und fragt El Cheffe Alex, ob er es eh von der Steuer absetzen kann)
„Aber … immerhin … klingt irgendwie trotzdem sehr fetzig!“

Ja, da hat er wohl recht, unser fiktiver Rezensent, nennen wir ihn mal "M". Und ihr werdet euch fragen, was genau hat M. denn so von den Socken gehaut? Nun, die Band MISKATONIC UNION aus Chile verwundert mit „Astral Quest“ wahrscheinlich nicht nur diesen, natürlich frei erfundenen, Musik-Journalisten, sondern auch Dutzende anderer Fachkräfte des auralen Gewerbes. Warum? Weil die Debut-Platte des Fünfers echt wie eine kleine Zeitreise in bereits erwähnte NWoBHM-Tage zu Beginn der Achtziger klingt, und das nicht nur vom Sound her. Der ist nämlich offen und warm, aber immer einen schönen Zacken retro. Aber nicht so bewusst in-your-face-retro, versteht ihr? Ob das Ganze nun absichtlich so produziert wurde oder einfach so passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis (und auch der von M.), und ist auch egal, weil das Resultat klingt schon mal fett sympathisch.

Und auch beim Songwriting halten sich MISKATONIC UNION – deren Name sich übrigens aus einem H.P.Lovecraft-Gespinst rekrutiert, wie auch einige der thematischen Ansätze der Scheiblette – an alte Idole wie die sträflich unterbewerteten HELSTAR oder – des Öfteren, und sehr offensichtlich – JAG PANZER, nur halt mit einem etwas progressiveren Touch.  Da ist dann auch für jeden traditionellen Metal-Geschmack was dabei: vom galoppierenden, mit IRON MAIDEN-Gedächtnisriffs versetzten „Bushido Ninja“ über die an HELLOWEEN zu „Walls Of Jericho“-Zeiten erinnernde Uptempo-Hymne „Miskatonic Union“ bis hin zum eröffnenden „Awakening“, das – vielversprechend – gleich mal mit geschmeidigem Tempo vorprescht und gehörig Spannung aufbauen kann.

Hervorgehoben seien auch noch das ziemlich starke „Nostradamus“, in dem Sänger Raúl Saa, der sich anfangs eher verhalten gab, endlich zur Höchstform aufläuft, und „Captain Sparrow“ mit seinen teils unglaublichen Bassläufen (ja, da muss man halt teilweise genau hinhören, sagt M.). Nach hinten raus wird das Teil ein wenig „balladig“, manche werden es auch „episch“ nennen wollen. Trotzdem hängen „Where Is Your Nation Now?“ und „I Always Do What I Want“ qualitativ ein wenig durch, verglichen mit dem Rest. MISKATONIC UNION kommen mit dieser Langrille dennoch mächtig sympathisch rüber, und nicht nur erwähnter, fiktiver Rezensent M. denkt sich am Ende, das Quintett würde sich doch wahrscheinlich schwerstens für eine ziemlich heftige Live-Präsenz eignen, wo man Riffs und Hooks mitkreischen kann während man gelassen und ekstatisch Luftgitarre spielt, und die Lyrics - schön mit spanischem Idiom akzentuiert - mit Inbrunst der Band zurück auf die Bühne schmettern darf. Liebe zur Musik und Herzblut für die Sache stehen hier vor Perfektion und Technik-Overkill. Gebt den Jungs eine Chance und schädelt mal wieder kräftig ab, so real arg old-school. (Sagt übrigens auch M.).



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (29.03.2018)

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