SOL INVICTUS - Necropolis

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VÖ: 23.03.2018
Bandinfo: SOL INVICTUS
Genre: Neofolk
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste

Spätestens seitdem Tony Wakeford angekündigt hat, dass er nicht weiß, ob und wie es nach diesem Album mit SOL INVICTUS weitergehen wird, dürften so etliche Fans ganz besonders gespannt gewesen sein, was sie auf „Necropolis“ erwartet.

Wenngleich ich mich nicht gerade als Fan und Kenner der Truppe bezeichnen kann, so bin ich mir doch deren großer Bedeutung vor allem für das Neofolk-Genre bewusst und dachte mir, dass ich dem möglicherweise letzten Album mal eine Chance gebe. Vielleicht könnte es mir als besserer Einstieg in das Schaffen von SI dienen als die Lieder bzw. Platten, mit denen ich bislang so in Kontakt gekommen bin. Interessant zu hören habe ich es meist gefunden, sicherlich auch nicht schlecht gemacht – so wirklich zünden wollte es aber nie.

„Necropolis“ stellt eine Art Abgesang auf die "sterbende" Metropole London dar, was sich in der allgemeinen Thematik, dem Sound und auch dem Aufbau widerspiegelt. So ist das Album ausgesprochen konzeptionell angelegt, die einzelnen Songs sind durch verschiedenartige Interludes verbunden, es finden sich immer wieder Samples und gesprochene Passagen auch innerhalb der Songs, die z.B. Kinderreime oder Nachrichten-Auszüge wiedergeben. Das verleiht dem Album eine ausgesprochene Dichte und Kohärenz, die den geneigten Hörer wohl mitzunehmen vermag.

Musikalisch wird Tony Wakeford auch auf diesem Album von einer Vielzahl an Gastmusikern unterstützt, welche u. a. die folkloristischen Instrumente, gesprochene Passagen sowie den klaren Männer- und Frauengesang beisteuern. Insbesondere letzterer verleiht einigen Liedern, beispielsweise „See Them“, einen besonderen Charakter, da er einen willkommenen Gegensatz zu den gesprochenen Passagen und Tony Wakefords Gesang darstellt.

Letztendlich ist es eine Geschichte, die hier erzählt wird. Das ist mir durchaus bewusst und macht auch den experimentellen Charakter aus, den die Musik von SI meist hat, nur fehlen mir dennoch richtige Songs, die wirklich hängen bleiben und mit denen ich mich identifizieren kann. Wenn von 15 Tracks gerade mal fünf als wirkliche Songs hängen bleiben, dann ist das für mich zu wenig. Trotz der durchaus interessanten Thematik und Instrumentierung fehlt mir hier etwas, das ich nicht ganz zu beschreiben vermag. Und ganz abgesehen von der instrumentalen Darbietung kann ich mich mit Tony Wakefords Gesang einfach nicht anfreunden. Ich habe nichts gegen Dissonanzen, ganz im Gegenteil, aber in der hier dargebotenen Form kann ich mich damit nur wenig anfreunden. Einige der psychedelisch-experimentelleren Lieder vergangener Alben gefielen mir wohl auch deswegen besser, weil seine Stimme besser dazu passte. So fehlen mir auf diesem Album sowohl die musikalischen als auch die emotionalen Highlights. Interessant und auf gewisse Weise spannend ist es für mich dennoch, aber mehr eben auch nicht, denn auch nach mehrmaligem Hören bleibt nicht wirklich etwas dauerhaft im Ohr.

Meine persönlichen Favoriten auf diesem wohl letzten Album sind „See Them“ und „Set The Table“. Vielleicht werde ich mir „Necropolis“ nochmals anhören, wenn ich in geneigterer Stimmung bin. Aber wenn ich Apocalyptic Folk hören will, werde ich wohl z. B. eher auf die „Dawnbearer“ von HEXVESSEL zurückgreifen.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Felix Thalheim (28.05.2018)

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