A PLACE TO BURY STRANGERS - Pinned

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VÖ: 13.04.2018
Bandinfo: A PLACE TO BURY STRANGERS
Genre: Noise Rock
Label: Dead Oceans
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Lineup  |  Trackliste

A PLACE TO BURY STRANGERS gehören wohl zu diesen Bands, zu denen man ausschließlich eine besondere Beziehung haben kann. Auf ihren vorangegangenen Alben „A Place To Bury Strangers“, „Exploding Head“, „Worship“ und „Transfixiation“ sowie im Zuge etlicher Live-Shows stößt das Noise-Rock/ Shoegaze-Trio aus New York immer wieder vor allem auf eines – taube Ohren. Das liegt nicht nur an der wirklich extrem hohen Lautstärke ihrer Perfomances, die sogar Erwähnung im Wikipedia-Eintrag der Band findet (das muss man erst einmal schaffen), sondern vor allem an einem Sound, der keinerlei Rücksicht auf den Hörer nimmt. Nicht falsch verstehen: Ich selbst bin großer Bewunderer von A PLACE TO BURY STRANGERS (‚Fan‘ wäre hier wohl das falsche Wort), denn hinter der undurchdringlichen Wand aus schrillem Gekreische und den zugedröhnten, mal torkelnden, mal sich wie in Trance ekstatisch um sich selbst windenden Songstrukturen stehen vor allem Mut und Kreativität der besonderen Sorte. Auch das neueste Album „Pinned“, vorzugsweise in der vollkommen übertriebenen „Brainwashing Machine Edition“, das aus den ursprünglichen zwölf Songs mal ganz locker 20 macht (ohne Remixes, Live-Versionen, oder ähnliches!), ist hier keine Ausnahme. Und um an dieser Stelle mit offenen Karten zu spielen: Ich werde hier nicht alle 20 Songs besprechen, wahrscheinlich sogar nur einige wenige. So oft, wie ich „Pinned“ für ein Track-by-Track-Review hören müsste, könnte es langfristige Schäden bei mir verursachen, und das meine ich nicht einmal abwertend, sondern ganz ehrlich.

Im Großen und Ganzen ist „Pinned“ aber, was man von A PLACE TO BURY STRANGERS erwarten durfte. Ein ekstatisches, ungehaltenes, aber erschreckend pointiertes Album, das insbesondere in der „Brainwashing Machine Edition“ neue Maßstäbe für das Trio setzt. Allein die Eröffnung „Never Coming Back“ offenbart sich als wilder Strudel aus… ja, aus was eigentlich? In all seiner Wildheit und Rohheit strahlt „Never Coming Back“ eine hypnotische Ruhe aus, die durch die tranceartigen Gesänge und das plastische Klangbild noch verstärkt wird. Generell darf man sich auf „Pinned“ an so einigen Paradoxa die Zähne ausbeißen. „There’s Only One Of Us“, „Too Tough To Kill“, „Look Me In The Eye“ oder auch „When You’re Alone” (um nur einige exemplarisch zu nennen) fangen eine Stimmung und ein Gefühl ein, das mit musikalischem Vokabular einfach nicht mehr zu fassen ist. Am ehesten lässt sich hier ein cineastischer Vergleich ziehen: Würden A PLACE TO BURY STRANGERS Filme anstelle von Musik produzieren, wären sie auf jedem Indie-Filmfest kontrovers diskutiert und gefeiert. Diese einmalige Verbindung von Rohheit und Ästhetik, die sich unbehaglich nah am Rezipienten befindet und ihm, wenn er nicht ganz genau aufpasst, auf erschütternde und faszinierende Weise unter die Haut gehen kann, findet sich, um zumindest irgendeinen Vergleich ziehen zu können, in Filmen aus der Feder von Lars von Trier („Antichrist“, „Nymphomaniac“) oder auch Pascal Laugier („Martyrs“) und Alexandre Aja („High Tension", „Mirrors" „Alexandre Ajas Maniac"), die hier stellvertretend für das extreme französische Genrekino stehen.

Abschließend kann ich weder ein wirkliches Fazit noch eine Wertung zu „Pinned“ abgeben. Auch vor einem Vergleich zu früheren Werken von A PLACE TO BURY STRANGERS möchte ich mich an dieser Stelle hüten, da ich mich beispielsweise im Fall von „Worship“ daran erinnere, Monate intensiven Hörens gebraucht zu haben, um einen Zugang zu finden; bei „Transfixiation“ ist mir dies bis heute nicht vollständig gelungen. Die wenigen, für die Musik nicht immer nur Genuss, sondern auch gerne mal Arbeit sein darf (so wie für mich selbst auch), werden unter Umständen mit „Pinned“ eine interessante und vielleicht auch bereichernde Erfahrung machen. A PLACE TO BURY STRANGERS sprengen einmal mehr Genres, Konventionen und in meinen Augen sogar das Medium von Musik an sich.



Ohne Bewertung
Autor: Lucas Prieske (26.04.2018)

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