OVERKILL - Live In Overhausen

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VÖ: 18.05.2018
Bandinfo: OVERKILL
Genre: Thrash Metal
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Trivia

OVERKILL laden ein zum 30-jährigen "Feel The Fire"-  und gleichzeitig zum 25-jährigen "Horrorscope"-Jubiläum. Gefeiert wurde in Deutschland, dem Land, dem sie wohl zu einem Großteil ihre über nun schon, ähm, 30 Jahre währende Karriere verdanken dürfen. Die deutschen Fans waren auch in Zeiten da, in denen der traditionelle Metal, und damit auch der Thrash Metal, deftig zu kämpfen hatte. Ich entsinne mich eines OVERKILL-Konzerts im Grazer Theatro, dem heutigen ppc, bei dem handgestoppt maximal 200 Leute zugegen waren. Unvergessen wie der leidenschaftliche Republikaner Bobby "Blitz" Elsworth damals von sechs Einheimischen beim Stagediven gefangen und durch das Atrium des Venues getragen wurde. 

Die Zeiten haben sich glücklicherweise für OVERKILL wieder gebessert und es läuft vor allem an der Livefront bestens für den Fünfer aus dem Kärnten der USA, New Jersey. Gut, nicht alle stammen aus dem US-Bundesstaat der ungefähr soviel zu bieten hat wie das Marchfeld im November bei Bodennebel, an den Kesseln hilft hier, wie auch beim grandiosen Explo-Konzert in Graz 2016, der "Mexecutioner" Eddy Garcia aus. Warum, wird in einem der Einspieler erklärt, die das Konzert in der Oberhausener Turbinenhalle 2 immer wieder unterbrechen. Das funktioniert im gegebenen Fall aber ganz gut, das Ganze erinnert immer wieder an eine ganzheitliche Doku der Band. Ich selbst bin ja dereinst bei "Taking Over" eingestiegen, war also auch schon recht früh dabei und freue mich immer wieder, so kleine Nuggets aus dem "Damals" zu hören. Zeiht mich der Verklärung der Jugend, aber ich sehe ihn in euren Augen den Neid! Manche Dinge waren früher besser. (heute bleiben wir mal relativ unpolitisch)

Was sofort auffällt, ist welch grandiose Musiker sich bei OVERKILL in der gegenwärtigen Konstellation zusammengefunden haben. Der Musikerverschleiß über die Jahre, der Turnover, ist beim Zweimannunternehmen Elsworth-Verni kein unbedingt geringer. Inklusive der beiden Chefs sind es je nach Auflistung und inklusive diverser Liveeinspringer um die 25 Spielmänner, die schon in den Reihen der Ostküstenthrasher getobt haben. Der derzeitige Fünfer allerdings ist wirklich etwas ganz Besonderes. Eddy Garcia, hier hat Blitz keine Mauer zwischen ihm und dem Rest der Band gebaut, kann alles spielen, ob groovige Banger oder ruppige Thrasher, nichts bringt ihn aus der Ruhe. Dafür, dass er sehr überraschend bei dieser Tour für Ron Lipnicki einspringen musste, darf das Resultat durchaus als perfekt bezeichnet werden. Derek "The Skull" Tailer ist der geborene Poser (im positivsten Sinn des Wortes) am rechten Bühnenrand, der mit Grimassen den Mob unterhält. Ihn darauf zu beschränken wäre natürlich Humbug, sind Riffs gefragt ist er der erste Ansprechpartner. Dave Linsk auf der anderen Seite ist ein zu Unrecht völlig unterschätzter Sologitarrist, der lupenrein Sachen spielt, bei denen sich wohl viele andere Klampfer einige Finger und unter Umständen auch einen Knöchel brechen würden. D.D. Verni ist die coolste Sau im Thrash und nachwievor der Innehaber des geilsten Basssounds, seit Jo Bench ihr Tiefruder an die Wand geworfen hat. Und Blitz, was soll man sagen, der Mann kämpft seit Jahren mit seiner Gesundheit, kommt immer wieder zurück, nur um dann wieder an etwas anderem zu leiden/erkranken. 

Und? Kümmert es ihn? Natürlich nicht. Gesanglich ist der sehnige Ami stark wie in Anfangstagen. Diese unglaubliche Sirene ist unverkennbar und gibt auch nach über 30 Jahren nicht nach. Einer DER Sänger im Thrash, wenn nicht sogar im gesamten Metal. Diese Leistung ist mit 'gigantisch' nicht eimal annähernd beschrieben. Der Mann ist eine Naturgewalt, völlig eigenständig und einfach nicht umzubringen.

"Hammerhead"

"Live In Overhausen" nun also, in Kooperation mit dem Skullcrusher-Fanclub in der Turbinenhalle 2 am 16. April 2016 veranstaltet und aufgenommen. Hier spielt man zuerst das gesamte "Horrorscope"-Album, dann drauf das ganze "Feel The Fire" und dann noch "Fuck You", weil, geht net ohne.

Macht insgesamt 21 Songs. "Plenty of Bang for the Buck" wie der Ami so schön sagt, dazu eben noch die Zwischenspiele und man kommt auf eine wertige Spielzeit. "Horrorscope" ist das Album, mit dem OVERKILL bis heute in ihrer Karriere am meisten Einheiten verkaufen konnten. Ich konnte nirgends die gesamten Verkäufe finden, aber für die USA waren laut Nielsen 170.000 verkaufte Alben gemeldet. Das ist jetzt auch nicht wirklich viel, wenn man bedenkt, was andere, auch härtere Bands, zu diesem Zeitpunkt über die Theken geworfen haben. Das Album hat mit "Coma", "Thanx For Nothin´" (siehe weiter unten den Clip) und dem ungewöhnlichen "Soulitude" klare Höhepunkte, ist aber über die gesamte Distanz mit einigen, eher mittig einzuordnenden Songs eingebremst. Nicht schlecht, immer wieder ein gutes Riff hier, ein cooles Solo da, aber, wie erwähnt, meine Höhepunkte in der OVERKILL-Disco waren schon etwas früher erschienen.

"Thanx For Nothin´"

"Feel The Fire" haut dann ziemlich durchgehend auf die Fresse. Absolute Evergreens werden in einer Härte dargereicht, dass es Wunder nimmt, wenn man hier ein paar ältere Herren auf der Bühne sieht. Die Fünf zerstören mit einer Wucht, wie es das Gros der Plastik-Andy Sneap-Tupperware-Sound-Bands, die heutzutage meinen, sie seien heavy, es niemals schaffen wird. Nicht mal im Ansatz hat man gegen die Brachialität des New Jersey Thrash-Commandos eine Chance. Songs wie die hektischen "Rotten To The Core" und "Hammerhead", das beinahe schon epische, mit DEM Mittelteil versehen "Feel The Fire" und dem ersten Teil der "Overkill"-Saga sind Kanon im Thrash Metal und klingen auch heute nicht wie der gestrige Kornspitz, sondern entfalten noch immer eine Magie wie damals. Das war junges, zorniges Songwriting, das sich durch die Jahrzehnte nicht verloren hat. Die Songs zünden auch 2018, oder wie auf DVD/CD/LP 2016, noch immer sofort und direkt. Da zuckt der Nachwuchsthrasher im Publikum genauso aus wie die tobenden Silbertannen in der ersten Reihe. OVERKILL haben Fans quer durch alle Altersklassen.

Beim letzten Song schweift man etwas vom Narrativ des Abends ab und drischt mit "Fuck You!" noch einmal der Turbinenhalle 2 in Overhausen mitten in das verzückte Gesicht. Sieht man die Gesichter nach dem Konzert kann es nur "mission accomplished!" heißen. Klar, das Voice-Over im Abspann hätte ein wenig an Pathos sparen können, aber sei´s drum, OVERKILLs Werkschau "Live In Overhausen" ist ein großartiges Video-Dokument eines großartigen Abends. Erhältlich ist das Geschoß in DVD/CD und LP (mich deucht in verschiedenen Farben und Limitierungen). 

Thrasher, alte sowie neue Schule, können hier genau nichts falsch machen.

 

 

 



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Autor: Christian Wiederwald (11.05.2018)

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