BURDEN OF GRIEF - Eye Of The Storm

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VÖ: 04.05.2018
Bandinfo: BURDEN OF GRIEF
Genre: Melodic Death Metal
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste

Der Mai wirft große Schatten für den Melodic Death Metal voraus: Bereits Mitte des Monats wird AT THE GATES' zweites Werk seit der Rückkehr, "To Drink From The Night Itself", erscheinen und die Ohren sämtlicher Genrefans für sich beanspruchen (wollen). Ob sich die deutschen Urgesteine BURDEN OF GRIEF für ihre wiederum siebente Abhandlung Göteborger Machart, "Eye Of The Storm", da mal nicht den falschen Releasemonat ausgesucht haben? Zumindest hängt den Westfalen - ähnlich wie auch FRAGMENTS OF UNBECOMING - schon seit jeher der Ruf nach, aufgrund mangelnder Eigenständigkeit und dem Fehlen der ganz großen Melodien im Stile der Ikonen eher als Lokalgröße für Die-Hards bestimmt zu sein, weswegen sich die Zielgruppen wohl nicht unbedingt kreuzen sollten - oder etwa doch?

Man sollte BURDEN OF GRIEF jedenfalls nicht zu viel Unrecht tun, da sie diese Death Metal-Subkultur der alten Schule, ähnlich wie NIGHT IN GALES mit einem Großteil ihrer Diskografie (und ihrem neuen Album "The Last Sunsets" übrigens auch), eigentlich immer recht passabel als eine Art letzte Bastion vertreten und die Überdosierung moderner Ingredienzien verdängt haben - in guten wie in schlechten Zeiten. Dass sie für diese Prägung glühen und sie daher auch atmen, kann man ihnen jedenfalls kaum verübeln und auch wenn "Eye Of The Storm" mit seinem Intro und dem gleichnamigen Opener einen unspektakulären Auftakt findet, gibt es im Anschluss doch so einige Augenblicke, mit denen selbst der verwöhnte Göteborg-Verehrer liebäugeln können wird.  

Was man BURDEN OF GRIEF dabei lassen muss: in einem ihrer Kernmetiers, dem Spiel mit den Melodien, sind sie von Album zu Album immer besser geworden und vermögen es mittlerweile auch, wie man es im melancholischen "The Angel" oder auch den aggressiveren "A Dying Breed" und "Breathe One's Last" beispielsweise nachvollziehen kann, Emotionen im Hörer auszulösen, ja, Songs zu komponieren, die im Gedächtnis bleiben. Das liegt auch darin begründet, dass sich das Saitenressort um Philipp Hanfland und Johannes Rudolph technisch enorm verbessert hat, was gleichzeitig auch darin resultiert, dass Rhythmuswechsel, Songstrukturen, also das Songwriting als solches meilenweit von dem zum Teil abgehackten, konturlosen Songwriting aus früheren Tagen entfernt sind und mittlerweile ein gereiftes, kohärenteres Gesamtbild ergeben. Mit diesem erkennbaren Fortschritt kam offenbar auch ein größeres Selbstvertrauen, denn in den rasanten "Broken" und "Killing Spree" sowie in "Zero Gravity" wird es, ohne natürlich mit belanglosen Clean Vocals zu hantieren, gerne auch mal einen Hauch moderner, was dem Album in Kontrast zu lupenreinem Schwedenworshipping à la "Wolf Moon" durchaus gut tut.

Schlussendlich ist "Eye Of The Storm" also ein gutklassiges Melodic Death Metal-Album mit einem nicht ganz so gelungenen Einstieg, dafür aber mit einem umso besseren Abschluss (die Melodiebögen in "The Funeral Cortege" sind wirklich fulminant) und vielen handwerklich guten, leidenschaftlich referierten Songs, denen man sich definitiv widmen kann, wenn man auch bei NIGHTRAGE oder THE ABSENCE nicht in Heulkrämpfe ausbricht, weil es überhaupt nichts Neues ist, was einem vorgeführt wird. So überfüllt ist diese skandinavische Teilkultur ohnehin nicht (und mit Hochkarätern schon gar nicht), dass man sich hier als hauptberuflicher Haarspalter inszenieren muss. Stattdessen halte zumindest ich es für angebracht, BURDEN OF GRIEF an dieser Stelle auch mal dafür zu loben, dass sie einfach das spielen, was sie lieben und sich im Laufe ihrer Karriere schrittweise verbessert haben, sodass sie mittlerweile nicht mehr wie eine etwas holprige (Tribut-)Band mit guten Absichten und ganz ordentlichem Songmaterial daherkommen, sondern wie eine vollwertige Melodeath-Band mit klaren Einflüssen, einem Gespür/Geschick für die Charakteristiken, die dieses Genre ausmachen, und größtenteils ansprechenden wie einprägsamen Stücken, die nicht (mehr) auf den wohlwollenden Lokalmatadoren-Bonus angewiesen sind.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (03.05.2018)

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