GRAILKNIGHTS - Knightfall

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VÖ: 04.05.2018
Bandinfo: GRAILKNIGHTS
Genre: Power Metal
Label: Rough Trade
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Als Freund kostümierter und etwas schräger Bands, die ihren Metal gerne mit einer großen Dosis Humor servieren, kommt man an einer Gruppe aus Deutschland kaum vorbei: den GRAILKNIGHTS. Wer jetzt Ernsthaftigkeit im Schwermetall über alles stellt und seinen Alltag mit Bleigewichten in den Mundwinkeln bestreitet, der sollte an dieser Stelle am Besten gar nicht weiterlesen. Denn nach vier Jahren Wartezeit kommen die zwischenzeitlich zum Fünfer angewachsenen Superhelden aus Hannover, pardon, Grailham-City, mit ihrem fünften Studioalbum um die Ecke. Die Langrille wurde auf den Namen „Knightfall“ getauft und liefert zehn, mit Intro elf, heroische Hymnen aus dem Superheldenuniversum der Gralskrieger.

Nach einem epischen Intro wird man gleich vom ersten Ohrwurm mitten in die glorreichen Schlachtenszeniarien gezogen: „Pumping Iron Power“! Mit 90er-Gedächtniskeyboard und Guest Vocals von Joakim Brodén (SABATON) klebt sich der Song vom Fleck weg so derbe in den Gehörgängen fest, dass er einen über Tage hinweg nicht mehr loslässt. Und spätestens, wenn man das Musikvideo zu dem Song gesehen hat, dann hält einen garantiert nichts mehr auf den Sitzen. Ernsthaft, die GRAILKNIGHTS als Actionfiguren (gibt es wirklich zu erwerben!) und ein animierter Joakim im Terminator-Look und mit kessem Hüftschwung sind mehr als der Denkapparat gefahrlos verkraftet – das Video ist einfach so großartig dämlich, dass man gar nicht anders kann, als japsend vor Lachen unter dem Tisch zu verschwinden. Man kann diese qietschbunte Ausgeburt bester Trashfilm-Manier einfach nur lieben! Jeder, der etwas Anderes sagt: Geh sterben!

In der Tonart dieser wunderbar klebrigen Songs geht es dann auch weiter: „Cthulhu“, „Black Spider's Web“ - ein Ohrwurmrefrain jagt den anderen! Dabei wird schnell klar, falls jemand die GRAILKNIGHTS in den letzten Jahren aus dem persönlichen Radar verloren hat, dass sie inzwischen vollständig ins melodisch-powermetallische Universum eingetaucht sind und mit Titeln wie „Shadow Of The Mountain“ (PRIESTige Screams in bester Heavy-Metal-Tradition) und „Ghost Town“ (der gesanglich wahrscheinlich kitschigste Song des Albums!) die Frohsinns-Schiene nach Kräften bedienen. Dabei kann man sogar mitunter einen leichten, treibenden Humppa-Einschlag bemerken („March Of The Skeletons“), aber mal ehrlich: Wenn dabei Hymnen wie „Laser Raptor 3D“ mit ultrakitschigem Refrain und wunderbar beknackten Texten herauskommen, dann passt der Lack, hinten wie vorne!

Im längsten Titel des Albums, „Grailskull Asylum“, gibt es dann aber doch eine gute Portion Growls auf die Rübe – ganz ohne können die GRAILKNIGHTS eben trotz allem in den Power Metal gehenden Sound dann doch nicht. Nach den ganzen großartigen Kitschkleb-Klischee-Hymnen funktioniert die Ballade „Book Of A Hero“, trotz starker Umsetzung, nicht mehr so ganz und bremst das Album auf den letzten Metern ein wenig aus. So kann der abschließende Titeltrack „Knightfall“ seine epischen Stärken nicht mehr wirklich ausspielen und hängt ein wenig in der Luft - dabei wäre der Refrain ein echter Plombenzieher vor dem Herrn.

Jetzt aber mal ehrlich: Was die GRAILKNIGHTS da abliefern, speziell wenn man einmal eine ihrer Live-Shows erleben durfte, das läuft schon unter großes Kino. Klar, bei in quietschbunten Superhelden-Gummikostümen herumhopsenden Männern mag so manchem Trve-Fanatiker das Mittagessen gleich wieder einen reversiblen Abgang machen, doch wer auch nur einen kleinen Funken Humor in seiner Existenz bewahrt hat, der wird das was die GRAILKNIGHTS auf „Knightfall“ zelebrieren einfach nur lieben. Exzellent produziert und das Songwriting richtig schön auf den Punkt – so macht kitschiger (Melodic-)Powermetal einfach richtig Spaß! Leichte Abzüge gibt es lediglich in der B-Note, da dem Album hinten raus ein wenig die Luft ausgeht, aber daran kann man sich im Endeffekt kaum stören. In diesem Sinne:

GRAILKNIGHTS BATTLECHOIR?

YES, SIRE!

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (05.05.2018)

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