HALF PAST EIGHT - Of Loss And Belief

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VÖ: 31.03.2018
Bandinfo: HALF PAST EIGHT
Genre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Musikalischen Arschtritt gefällig? Here we go! HALF PAST EIGHT hat mich überrumpelt. Anders kann man das wohl kaum benennen. Aus der akustischen Flut von der Bandbreite zwischen lauem Plätschern und musikalischen Gewitterstürmen – derer man sich als schreibender Musikliebhaber  täglich ausgesetzt sieht -  herauszustechen, ist schon einmal eine Kunst an sich. Doch der Track „Saligia“, mit welchem die Mannheimer für sich Werbung gemacht haben, hat mich dann doch zwei Mal hinhören lassen. Und da hatte meinereiner noch keine Ahnung vom Rest des Albums!

Zugegeben: Die Furcht eines brachialen Melodic Metal-Front-Tracks, der alles vernichtet, während der Rest des Albums dann in schon allzeit dagewesenen Riffs und abgekupferten Linien vor sich hinvegetiert, war vor der ersten Umrundung der Scheibe „Of Loss and Belief“ schon vorhanden. Nicht zuletzt ist dieses Genre dann doch eines, in welchem sämtliche Facetten bis zur Unkenntlichkeit abgegriffen wurden. Doch die interessante und herausstechende Rhythmik und die zielführend, aber nicht überladen eingesetzten Melodielinien haben mir dann doch Mut gemacht. Und es war nicht umsonst!

HALF PAST EIGHT durchmischen trampelndes Tempo mit bleischwerer Rhythmik, bedienen sich so viel Melodie wie nötig, verzichten aber auf überladene Schlachten und ordnen sich somit perfekt zwischen Brachial-Death und Melodic ein. Das Riffing voller teils grooviger, teils knallharter Passagen, und gewaltig Druck in den Death-Vocals, zeugt von durchdachter Qualität und Können. Herausstechend sind auch die Drum-Linien. Hier wird alles andere als irgendein Blast-Beat durchgeprügelt und nicht selten wird der Hörer mit einer überraschenden Kehrtwendung belohnt. „Of Loss and Belief“ setzt auf Eingängigkeit, Druck und Abwechslungsreichtum und von all dem hat die Scheibe reichlich. Die Herrschaften verstehen ihr Handwerk! 

Um konkreter zu werden begebe man sich nun auf eine kurze Erkundungstour durch die zwölf, vor Jenseits-Thematik strotzender Songs und starte mit dem Namensgeber „Of Loss and Belief“, der als Opener direkt die Gangart bestimmt. Großartiges Riffing, vernichtende Rhythmik und strotzend vor Kraft. Läuft schon mal! „The Black Tides of Styx“ nimmt sich dann an Tempo zurück und präsentiert sich als machtvolle Abrissbirne. Unter dem Deckmantel von klassischem Melodic Death kriecht dann „Forsaken and Divided“ hervor und treibt ordentlich durch den Song. „Agitator“ klingt anfänglich fast schon frisch-fröhlich-tanzbar, überwältigt dann aber kurz durch klarere Shout-Vocals, die sich das Feld mit schon bekanntem Death-Stimmchen teilen, was dem Track noch mal etwas mehr „Moderne“ verpasst. Genug der Mid-Tempo-Segmente, möchte man meinen, da kommt das kleine Akustik-Gitarren-Intermezzo „Memoria“ etwas überraschend. Ohne aufhübschende Intros kommt „Samsara“ aus und präsentiert sich bis fast zum Schluss in für HALF PAST EIGHT recht ungewöhnlicher Geradlinigkeit. (und ist somit fast schon der „belangloseste“ Track auf der Scheibe, obwohl diese Wortwahl dem Track dann doch Unrecht tut.)
Über „Saligia“ muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Brachialer Melodic Death, ohne dabei an überbordenden Riff-Schlachten der alten Schule zu kratzen und dazu eine ganze Menge interessanter Breaks und Wechsel. Das mächtige und epische „A Valkyries Martyrdom“ vollbringt dann einen galanten Hofknicks vor Nordmann-lastigem Krawall a la AMON AMARTH (was meinereiner dezent großartig findet und das Stück somit auch zu einem der Lieblingstracks auf der Scheibe erkoren hat). „Totentanz“ forciert das Wechselspiel der beiden Vokalisten und wechselt somit zwischen in den Boden stampfendem Einschlag und weitaus leichterer Kost hin und her. Zumindest dem Namen nach wird es dann japanisch, wenn mit „Sekai no Yami“ erneut melodischere Töne angeschlagen werden, ehe dann allein der Intro-Aufbau von „Afterlife“ kaum göttlicher sein kann. Der würdige Abschluss der Scheibe zieht noch einmal alle Register, die den Mannheimern zur Verfügung stehen und das sind bei weitem nicht wenig! Zur Belohnung gibt’s schließlich noch den Bonus Track „Sustained“, der sich weniger Gedanken um hübsche Schnörkel macht und ordentlich durchmarschiert. 

Auch wenn es immer wieder Elemente und Passagen gibt, die so schon mal da waren, altbekannt wirken, kann sich HALF PAST EIGHT frei von aller Schuld sprechen, irgendetwas abgekupfert zu haben. Frisch und hart und mit aller Macht wird das Genre abgestaubt und in die Moderne gezogen, durch „Of Loss and Belief“ getrieben und durch die Bespielung aller Death-Register im ersten Teil des Albums und die Beigabe der zweiten Vocals im hinteren Teil, ein hörenswertes technisches Können und spielerische Freude wird hier ein hochwertig produziertes und richtig spaßiges Album auf die Meute losgelassen. 

Meinereiner hat jetzt nur noch die Hoffnung, dass HALF PAST EIGHT in nächster Zukunft irgendwo in der Nähe die ein oder andere Bühne persönlich zerstören. Diese Scheibe muss live und in Farbe zelebriert und genossen werden. Und das verdammt noch mal in der ersten Reihe!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (16.05.2018)

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