GRAVEYARD - Peace

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VÖ: 25.05.2018
Bandinfo: GRAVEYARD
Genre: Rock
Label: Nuclear Blast Records
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Lineup  |  Trackliste

Der Songtitel des Openers "It Ain't Over Yet", der auch mit seiner straight rockenden Art Aufbruchstimmung vermittelt, beantwortet eigentlich jedwede Frage, die einen zur Causa GRAVEYARD noch bedrückt haben könnte: es ist noch nicht vorbei. Das sah im September 2016, als man bekannt gab, man hätte sich aufgelöst, noch anders aus, aber da man sich bereits im Januar 2017 wiedervereinigte, war das ohnehin von nicht allzu langer Dauer. Manchmal merkt man eben erst, wie wichtig einem etwas ist, wenn man nicht mehr tagtäglich davon umgeben ist. So machte man ohne Gründungsmitglied Axel Sjöberg, der mittlerweile durch Oskar Bergenheim ersetzt wird, weiter und arbeitete ungefähr seit Dezember 2017 an dem, was uns heute unter dem klangvollen Namen "Peace" vorliegt.

Ich will zu Beginn ganz ehrlich sein: Alle Fakten dieser Chronologie wurden angelesen, denn vor "Peace" habe ich noch nicht eine Note von GRAVEYARD gehört. Die Erstlauschung, die durch kleinere Vorbehalte der Retro-Welle gegenüber immer wieder aufgeschoben wurde, stand eigentlich schon länger an und dann hat eben das grandiose Coverartwork - na klar, was sonst? - den letzten Push gegeben, den Schweden doch mal eine Chance einzuräumen. Als Fehler würde ich das nicht bezeichnen - ganz im Gegenteil: Ich bin von der Strahlkraft der positiven Vibes, die ich, so sagt man mir gerne mal fälschlicherweise nach, tendenziell eher selten an mich herantreten lassen soll, manchmal überrascht und oftmals sogar überwältigt.

Derbei ist es nicht nur die rauchige, in Whiskey getauchte Stimme Joakim Nilssons, die auf Anhieb Wohlgefallen auslöst, sondern auch die authentisch Leichtfüßigkeit der zehn Stücke, die trotz ihrer Unbeschwertheit verschiedenste Stimmungslagen widerzuspiegeln im Stande sind und sich daher auch, ohne im Treibsand des faden Easy-Listenings zu versinken, bestens für die kommenden Sommer- und Festivaltage eignen. GRAVEYARD entführen einen direkt in die Wüste ("Cold Love"), schüren nächtens mit den melancholischen "See The Day" das Lagerfeuer an, reichen zur in Melancholie schwelgenden Runde noch einen edlen Tropfen ("Del Manic") und haben für den Tag darauf schwungvolle Rocksongs ("Please Don't", "A Sign Of Peace" und "Low (I Wouldn't Mind)") sowie mit "The Fox" und "Bird Of Paradise" zwei lässig-luftige Hits, die die Zeit verlangsamen. Garniert wird das mit einer staubtrockenen, dynamischen Produktion, die dem Stil der Scheibe gerecht wird, zahlreichen fantastischen Soli und, wie bereits oben angedeutet, einem Sänger, der sich fast schon tranceartig in eine absolute Galavorstellung dirigiert.

Heißt für mich: in nicht allzu ferner Zukunft wird der gesamte Backkatalog der Schweden aufgearbeitet. Heißt für alle anderen, die GRAVEYARD womöglich schon kennen: unbedingt zugreifen. Natürlich kann ich das nicht hunderprozentig bestätigen, aber meine durchaus blumige Fantasie hält den Gedanken, dass es in der Band-Diskografie schon um Welten bessere Alben gegeben haben könnte, einfach für einigermaßen abwegig. Selbst wenn man bisher noch keinen Berührungspunkt mit dem Quartett hatte - "Peace" ist so entspannt, wie der Titel es vermuten lässt, birgt trotzdem künstlerisches Niveau, kommt dabei komplett ohne einen wohlwollenden Retro-Hype-Bonus aus und eignet sich damit besonders für all jene, die sich gerne auch mal unmetallischen, aber eben nicht gänzlich genre-fremden Klängen öffnen und in der heimischen Schrankwand noch ein warmes Plätzchen für vier leidenschaftliche Rocker mit Wiedererkennungswert haben. Und für das leiwande Frontmotiv, das umgehend den „Das brauchst du unbedingt als Shirt“-Gedanken in mir weckte, packe ich noch ein halbes Pünktchen oben drauf.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (23.05.2018)

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