ASCENDANT - A Thousand Echoes

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VÖ: 20.04.2018
Bandinfo: ASCENDANT
Genre: Heavy Metal
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Metal aus Dubai! Dafür wurde es langsam auch mal Zeit. Die Emirate stehen ja seit den 90ern für die Öffnung für westliche Gewohnheiten im arabischen Raum. Doch liegt die Motivation hierfür meist in kommerziellen und touristischen Gründen. Die Einheimischen werden vom Staat mehr oder weniger genauso reguliert und kontrolliert, wie es in den Nachbarländern üblich ist. Das schränkt auch die Meinungsfreiheit ein, und gerade die ist im Heavy Metal ja von enormer Wichtigkeit. Wer schon einmal dort gewesen ist, wird festgestellt haben, dass kaum jemand öffentlich zu Metal steht, sei es durch Merch oder ähnliches. Auch in den großen Elektroläden findet man vergleichsweise recht wenig Material für die harte Front. ASCENDANT sind damit neben NERVECELL so etwas wie die ersten Lebenszeichen einer dort existierenden Szene. Aber Politik hin oder her, wie klingt denn nun das Songmaterial der fünf Jungs aus dem Golfstaat?

ASCENDANT spielen leicht modernen Heavy und Power Metal. Und anders als die Kollegen von ORPHANED LAND lassen sie ihre kulturellen Einflüsse weitestgehend außen vor. Das Material der Mannschaft vereint Härte aus den USA mit Melodik aus Europa und überzeugt mit Einschränkungen durchgängig. Der Opener "Doomsday Machine" zum Beispiel groovt wunderbar riffbetont à la SAVAGE MESSIAH los und zeichnet sich durch eine simple, aber eingängige Melodieführung aus. Gegen Ende wird es etwas überdramatisch samt "Oh Oh Oh"-Chören, aber das fällt nicht allzu schwer ins Gewicht. Richtig genial wird es mit dem heftigen "Fog Of War", eine zermalmend zähflüssige Heavy Metal Nummer mit mörderischen Riffs und einem Refrain zum niederknien. "Morning Light" präsentiert weibliche Gastvocals und zeigt die Band von ihrer allerbesten melodischen Seite, während sich das Titelstück erfolgreich an zeitintensiver Epik versucht. Überraschend, dass die Harmonik und der Gesang von Youmni Abou Al Zahab, welcher durchaus zur rauheren Fraktion seiner Genossen zählt, in diesem Song an STRATOVARIUS erinneren. "Tears Of His Majesty" gibt im Finale dann noch einmal Gas und ergänzt das Spektrum um Thrash Riffs Marke SLAYER und Hooks à la ICED EARTH, mit leichter NEVERMORE Progressivität. So weit so gut.

Nicht jeder Song trifft ins Schwarze. "Walls Between Us" ist ein eher generischer Power Metal Song ohne allzu große Widerhaken. "False Illusion" hat einen knackigen, an BRAINSTORM erinnernden Chorus, aber drumherum passiert trotz bemühtem Abwechslungsreichtum zu wenig. Generell ein Stichwort zur Dynamik des Albums: ASCENDANT machen keinen Speed Metal, im Gegenteil. Die Grundtempi der Stücke bewegen sich maximal im Midtempo. Doch hier und da deuten Aram Kalousidan und der Rest der Rhythmusfraktion Geschwindigkeitsausbrüche an, nur um sie dann direkt wieder im Keim zu ersticken. Schade eigentlich, weil der eine oder andere Speed Part den Songs gut zu Gesicht gestanden hätte. Mit "At The End Of The World" verheben sich die Jungs auch einmal gewaltig im Songwriting. Das Stück ist an sich ein ganz normaler vierminütiger, nicht gerade als Rausschmeißer geeigneter Metal Song. Doch nach dem letzten Refrain schließt sich ein rund achtminütiges instrumentales Outro an das Stück an, welches in der Umsetzung leider recht belanglos geraten ist. Kurz vor Schluss setzen dann noch einmal die Vocals ein und wollen (vermutlich) einen melodramatischen Schlussakkord setzen. Nur hat man den Hörer bis dahin leider schon verloren.

Fazit: Als Debüt geht "A Thousand Echoes" auf jeden Fall in Ordnung, als einer der wenigen metallischen Lebenszeichen aus dem persischen Golf sowieso. Exoktik findet man hier weniger als klassisch modernen Metal mit guter Gitarrenarbeit und sehr gutem Gesang. Das Songwriting ist ein bisschen "Hit-And-Miss", aber das wird sich zukünftig sicherlich noch einspielen.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (01.06.2018)

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