KONTINUUM - Kyrr

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VÖ: 20.04.2015
Bandinfo: KONTINUUM
Genre: Post-Metal
Label: Candlelight Records
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Lineup  |  Trackliste

2015 war für mich hinsichtlich musikalischer Neuentdeckungen ein gutes Jahr, denn damals erschienen recht plötzlich drei Bands auf dem Schirm, AMIENSUS, CALLISTO und eben KONTINUUM. Diese unterschieden sich stilistisch zumindest ein wenig von dem, was ich sonst so gehört hatte, und sie öffneten damit ein paar neue Horizonte. Drei neue Bands in einem Jahr, das ist ja nun nicht gerade viel. Aber für mich schon. Vor allem, wenn es darum geht, dass neu hinzukommende Bands mich in einer so aufnahmebereiten Stimmung vorfinden, dass die Musik derart in mir resoniert, dass sie in den Kanon der teilweise seit vielen Jahren zu meinen Favoriten zählenden Bands „aufgenommen“ werden – und dann Jahre später immer noch dazugehören.

Denn letztlich ist es bei mir mit Musik so, wie mit besten Freunden – es gibt einen festen Kern, zu dem manchmal recht plötzlich Leute hinzustoßen, bei denen man das Gefühl hat, dass man sie schon weitaus länger kennt. Es ist ein Gefühl der Vertrautheit, das unvermittelt da ist, ohne dass man selber genau sagen könnte, woher dies rührt. Und bei den restlichen 99 % fehlt einfach das Interessante, das Bereichernde und gleichsam Vertraute – zumindest zu jenem Zeitpunkt. So erging es mir mit dem 2015er Album „Kyrr“ der isländischen Rocker/Post-Metaller von KONTINUUM.

Auf diesem Album ist vom noch auf dem Vorgänger „Blood, Fire, Magic“ dargebotenen Progressive Black/Death Metal nicht mehr viel übrig geblieben. Vielmehr handelt es sich um düsteren, atmosphärischen Rock, der gelegentlich Anleihen aus härterem Metall sowie Einflüsse aus dem Post-Rock durchscheinen lässt. Letztere sind vor allem bei der Gitarrenarbeit hörbar, die mit vielen subtilen und auch weniger subtilen Melodien durch die Lieder führt, Spannung aufbaut und löst. Das Ganze wirkt dabei sehr filigran und gut strukturiert. Daneben schleichen sich ab und zu Samples oder elektronische Klänge ein, die dem Klangbild eine gewisse Eigenständigkeit verleihen, ebenso wie die gut hörbaren und akzentuierten Basslinien, die oftmals eine sehr wichtige Rolle für den Vibe spielen.

Ein großes Plus ist für mich der Gesang, der mich durch die meist tieferen Stimmlagen schon beim ersten Hören sehr stark und positiv an DEPECHE MODE erinnerte und gefühlvoll eingesetzt wird. Ein gewisser Wave-Pop-Einschlag ist auch allgemein nicht von der Hand zu weisen. Allerdings gibt es auch etliche härtere Passagen, in denen dann gelegentlich auch mal Schreie zu vernehmen sind, die allerdings stimmhaft gehalten sind und als Betonung einer bestimmten Passage, einer Steigerung fungieren.

Zusammenfassend betrachtet ist dieses Album eine sehr persönliche Reise, auf die man sich einlassen sollte, was sich auch in den Texten zeigt – sofern sie nicht grad im für mich unverständlichen Isländisch gehalten sind. Es lebt dabei von einer hohen Dynamik, die es fast durchgehend sehr kurzweilig macht. Dabei zeigen KONTINUUM ein sehr gutes Gefühl fürs Songwriting, denn es gibt etliche packende Steigerungen zu vernehmen und mich beschleicht eigentlich nie das Gefühl, dass eine Passage, ein Riff nur aus Verlegenheit eingebaut wurde. Spannungen werden aufgebaut, entladen sich, ziehen sich unterschwellig weiter, bis im finalen Song „Red Stream“ alles zur Verarbeitung, zum Ausbruch kommt.

KONTINUUM haben mit „Kyrr“ ein vielschichtiges, intensives und sehr persönliches Album abgeliefert, welches Liebhaber aufrichtiger und intelligenter Rockmusik zu einer spannenden Reise einlädt. Die Band zeigt überdies eindrucksvoll, wie sich mit wenigen Tonspuren und Instrumenten eindrucksvolle Klanglandschaften erschaffen lassen. Das macht Lust auf mehr, und dieser wird mit dem in Kürze erscheinenden Folgealbum "No Need To Reason" hoffentlich Genüge getan.

 

 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Felix Thalheim (02.07.2018)

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