WOLFEN - Rise Of The Lycans

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VÖ: 22.06.2018
Bandinfo: WOLFEN
Genre: Power Metal
Label: Pure Steel Records
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Lineup  |  Trackliste

Wer an teutonische Bands mit Wolfsthema denkt, der denkt geographisch nach Saarbrücken und musikalisch an sich wiederholende Witzchen mit sakralen Texten. Zum Glück aber gibt es noch WOLFEN, die ihre Musik wesentlich ernster nehmen als angesprochene Komiker. Seit dem Jahr 2000 veröffentlicht die im Großraum Köln angesiedelte Band um Gitarrist Frank Noras und Sänger Andreas von Lipinski bereits ordentliche bis sehr gute Heavy und Power Metal-Alben. Anders als bei ähnlich gelagerten Bands, die von Release zu Release an Härte abnehmen, legen WOLFEN pro Release anscheinend immer noch eine Schippe drauf. So war auch der 2014er Output "Evilution" bereits ein regelrechter Kracher an der Grenze zum Thrash Metal. Vier Jahre und einige Besetzungswechsel später steht nun "Rise Of The Lycans" in den Regalen. Und es lässt sich festhalten: Während die anderen Wölfe Vampircapes tragen, haben WOLFEN tatsächlich Zähne und liefern ihr bislang bestes Album ab!

Zurück im Line-Up der Band ist der bereits zur "The Truth Behind"-Phase aktive Drummer Siggi Grütz, komplett neu dabei der auch als Solokünstler unter dem Namen ANDI THE WICKED erfolgreiche Saitenhexer Andreas Doetsch. Neue Mitstreiter bedeuten in vielen Fällen auch reaktivierte Spielfreude, und diese hört man bei WOLFEN. Im direkten Vergleich zu "Evilution" ist das Songwriting wesentlich knackiger und bissiger ausgefallen. Gleichsam wurde aber auch am Eingängigkeitsfaktor geschraubt. WOLFEN liefern auf "Rise Of The Lycans" neun satte Mattenschüttler mit ordentlich Dampf unterm Kessel, klingen aber stets abwechslungsreich und variabel.
Das Eröffnungstrippel aus "Rebirth Of The Regulators", "Genetic Sleepers" und "Forgotten Dreams" zeigt eindrucksvoll, welche Stärken die Band aufweist. Kraftvolles Drumming, rauher, aber stets melodischer Gesang und sägende Riffs. In den thrashigen Strophen dominieren hier vor allem die prägnanten Gitarrenriffs, die sich irgendwo zwischen ICED EARTH, alten und speedigen GRAVE DIGGER und MYSTIC PROPHECY einpendeln. In den Refrains übernimmt dann Lipinski mit seinen eingängigen Gesangshooks, die ebenfalls an MYSTIC PROPHECY erinnern, dabei aber etwas flexibler gestaltet sind als bei Liapakis & Co. Auch "Xenophobia" geht in dieselbe Ecke, etwas weniger zwingend als das sensationelle Trippel, dafür aber mit einer augenzwinkernden Geste gen KREATOR. Bei "Science & Religion" wird das Tempo gedrosselt, die Rhythmusfraktion zieht sich songdienlich zurück und überlässt Lipinski und den Melodien die Bühne. Sehr gut!

Bei "Timekeeper" gibt sich "Onkel Reaper" Chris Boltendahl von GRAVE DIGGER als Gastsänger die Ehre, wobei dieser eher in der eigentlichen Strophe überzeugt. In der Bridge wirkt sein Auftritt leider unfreiwillig komisch. Der Song an sich überzeugt allerdings mit einer an GAMMA RAY erinnernden Hook vollkommen und kristallisiert sich mit als Highlight des Albums heraus. Auch das spätere "Succubus" hält das starke Niveau. Die Gemüter spalten wird der Rausschmeißer "New World Order": Das Mainriff erinnert hauptsächlich an MANOWAR oder HAMMERFALL, was zu dem zackigen Rest nicht passen will. Gleichzeitig ist auch die Melodie des Songs entsprechend pathetisch geraten. Wobei man aber eben auch eine Nummer wie "Warriors Of The World" & Co. erstmal richtig schreiben muss, und das gelingt den Jungs sehr gut. Das Stück bleibt fast genauso schnell in den Gehörgängen kleben, wie von den Kings Of Metal gewohnt. Dennoch: Zum generellen Klangbild des Albums passt das Teil nicht.

Fazit: Wem die letzten Releases von MYSTIC PROPHECY zu handzahm waren und wer seine Wölfe lieber bissig als albern mag, der ist bei "Rise Of The Lycans" völlig richtig. Die Kölner liefern im Power Metallisch bislang eher mager besetzten Jahr 2018 ein Ausrufezeichen und liefern 55 Minuten lang starke Riffs und noch stärkere Melodien. Ganz makellos ist das Endergebnis zwar nicht, aber die Ecken und Kanten auf vorliegendem Werk sind auch irgendwo wieder charmant. Weiter so!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (22.06.2018)

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