EUPHOREON - Ends Of The Earth

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VÖ: 20.04.2018
Bandinfo: EUPHOREON
Genre: Melodic Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Stellt euch mal Folgendes vor: Die Welt, wie wir sie kennen, sie steht am Abgrund. Der Mensch hat seine Heimat ausgesaugt wie ein blutdurstiger Vampir sein Opfer aussaugt - ohne Gnade oder Rücksicht auf Verluste. Die einst saftigen Ebenen, sie sind verdorrt und nur ein Funken reicht, um einen Flächenbrand auszulösen, der auch den letzten Rest des Lebens auf Erden auslöscht. Der Zorn des Planeten entfaltet sich in einem großen, die kargen Bergketten umfassenden Gewittersturm, der Jagd macht auf die verbleibenden Geschöpfe unter ihm. Das Leben steht vor dem Untergang, nicht mehr lange, dann wird unsere Welt nicht mehr sein als eine Ruine, aus deren Trümmern man nur erahnen kann, welche Schönheit dieser Ort einst beherbergte. Doch halt, da ist noch etwas. Während alles im Chaos zu versinken droht, vernimmt man etwas. Weit weg, über den Gewitterstürmen ertönen Gitarren und eine grollende Stimme. Hoch oben, am Hals der Welt, erweisen wenige einsame Gestalten Mutter Erde mit ihrer Musik die letzte Ehre, bevor auch sie letztendlich vom Chaos verschlungen werden. Wer diese Gestalten sind? Schwer ist er auszumachen, doch leise und undeutlich hört man einen Namen: EUPHOREON.

Hat sich das Bild eingeprägt? Gut, denn genau diese oder zumindest eine ähnliche Stimmung, wie die, die diese Metapher überträgt, soll das neue Album des Zwei-Mann Projektes, um das es heute gehen soll, durchziehen. "Ends of the Earth" gleicht zumindest musikalisch dem Untergangs einer Welt: Furchterregend, aber ehrfurchterbietend. Brutal und doch episch. Da liegt eindeutig eine gewaltige Portion Melodramatik in der Luft und die kommt nicht von ungefähr! Auffallendstes Merkmal der heutigen Scheibe ist nämlich zweifellos der Genre-Mix, der geboten wird: Die Musiker hinter dem Projekt EUPHOREON vermischen hier Elemente des so gern gehörten Melodic Death Metal mit orchestralen Untermalungen und Anleihen aus der Klassik, wie man sie eher aus der Ecke á la NIGHTWISH oder EPICA kennt. Das noch kombiniert mit einer Prise Endzeitstimmung und heraus kommt ein "cineatisch-melodisches Symphonic Death Metal of Doom...Dingens", was weiß ich. Es ist halt was ganz Eigenes und das zeugt von der Fantasie und dem Schaffensdrang der Musiker, der anscheinend schon am Überquellen war. Kein Wunder, das selbstbetitelte Debüt liegt nur ja auch schon etwa 7 Jahre zurück, es war also höchste Zeit, mal wieder etwas von sich hören zu lassen.

Dieser Erwartung entsprechend wirft das neue Album von EUPHOREON den euphorisierten Schreiberling mit dem euphorischen Opener "Euphoria" höchst euphorisch mitten ins Geschehen. Gitarrenklänge, als kämen sie aus weiter Ferne, ein kirchengleicher Chor, der hintergründig vor sich her trällert, plötzlich der Einsatz der Melodie, die einen durch den Song führen soll. Alles scheint so, wie es sein soll, aber umso länger man den Klängen lauscht, desto mehr verschwindet die anfängliche Euphorie (ja, ich mag das Wort) und muss der immer stärker werdenden Ernüchterung weichen. Irgendetwas stimmt nicht, auch wenn man es anfangs nicht festmachen kann. Dann, nach einer viertel Stunde Spielzeit aber, da beginnt es einem zu dämmern. Die Lieder auf "Ends of the Earth", die mit einer durchschnittlichen Spielzeit von sieben Minuten jetzt nicht gerade Easy-Listening sind, sie sind zwar alle klar durchdacht und folgen einem roten Faden, jedoch verpasst vor Allem die Erste Hälfte des Albums, wirkliche Abwechslung zu bieten. Irgendwann, und das geschieht hier erschreckend schnell, kann man sich zwischen den Songs nicht mehr wirklich zurecht finden, alles beginnt gleich oder zumindest sehr ähnlich zu klingen. Ein starker Mangel an Höhepunkten macht die Sache nicht besser. Eine Ausnahme stellt hier zumindest das grandiose Solo von "Zero Below the Sun" da, mehr davon bitte und weniger nie enden wollende, immer gleich dahinplätschernde Strophen in Dauerschleife! Man ehesten hervorzuheben wäre wohl noch der Song "Oblivion", zumal dieser zumindest eine wirklich einprägsame Melodie bietet, aus der zum Ende des Songs hin auch Einiges herausgeholt wird, Orchester sei Dank!

Um es kurz anzuschneiden ist der gesangliche Part mit dem instrumentalen Part eins zu eins zu vergleichen, technisch wohl durchaus gelungen gelöst, jedoch gibt es auch hier nichts, was einen wirklich aufhorchen lässt, alles verkommt nach einer Weile zu einer sich immer ähnelnden Aneinanderreihung ähnlicher Elemente. Auf Dauer ist da Langeweile vorprogrammiert! Das alles soll jetzt nicht zu negativ klingen, rein technisch gesehen ist EUPHOREON mit "Ends of the World" sicher ein gutes Album gelungen, es ist allerdings auch nicht zu leugnen, dass die ewigen Arrangements und die immer gleichenden Strukturen spätestens beim vierten Song zu langweilen, manche vielleicht regelrecht zu nerven beginnen, sowas ist ein Killer für ein Werk dieser Art.An der Länge der Songs kann das auch nicht liegen, ich verweise da mal ganz dezent auf das letzte Album von MOONSORROW, deren Songs sind noch um ein Vielfaches länger und sie sind durchgehend ein Hörgenuss, trotz einer grundgenommen simplerer Aufmachung, als es hier der Fall ist.

Schade eigentlich, denn die grundgenommene Stimmung, wie sie beschrieben wurde, wäre ja durchaus vorhanden, doch das allein reicht (zumindest mir) leider nicht.

 



Bewertung: 2.5 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (06.07.2018)

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