ORDER TO RUIN - The Return To Ceyrior VII

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VÖ: 10.02.2018
Bandinfo: ORDER TO RUIN
Genre: Melodic Death Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Da musste ich doch noch mal kurz nachlesen. Aber, ja: die drei Herren aus Münster haben tatsächlich seit 2012 beinahe im Jahresrhythmus sieben Alben rausgehauen. Von den beiden EPs rede ich da gar nicht. Das ist aber scheinbar nur möglich, weil man sich immer noch nicht unter die Fittiche eines Labels begeben hat und die Sachen halt lieber auf der Independent-Schiene in die Welt schießt. Dahinter mag eine Taktik stecken, ORDER TO RUIN hätten es aber definitiv verdient, von einem geeigneten, kompetenten Vertriebspartner gesigned zu werden, so sie das möchten. Das Trio bewegt sich im Spannungsfeld irgendwo zwischen den Gegenpolen  AMORPHIS (alt), DARK TRANQUILITY, EDGE OF SANITY und GATES OF ISHTAR und der aus diesen Koordinaten zusammengerechnete melodische Death Metal schiebt ohne Ende.

Vor allem die hervorragende Gitarrenarbeit sei hier erwähnt, bei der man trotz aller Geschwindigkeit und Härte noch Tonnen an gewaltigen Melodien einbauen kann. Shouter Mike Seidel, seit 2015 dabei und daher einziges Nicht-Originalmitglied, passt seine derben Shouts und sein harsches Gekeife perfekt der Musik und den ausladenden Melodiebögen an, kommt immer schön brutal und fies ums Eck, trällert oft entlang der Saiten und hält sich in Spannungsmomenten zurück. Die Songs sind nicht allzu lange ausgewälzt, wie das manche Combos ja gerne tun, der Sound erinnert zeitweise ein wenig an die Dan Swanö-Produktionen aus den Neunzigern oder an ältere HYPOCRISY-Outputs, auch wenn ich persönlich die Gitarren noch etwas fetter gedreht hätte und noch ein wenig mehr Bass drüberbröseln würde. Aber sowas liegt bekanntlich im Ohr des Betrachters.

Dass ORDER TO RUIN keinen fixen Drummer haben, mag sich für die Studioarbeit bisher als eher dienlich erwiesen haben, hier wurde allerdings bereits das zweite Mal ein Session-Kesseldrescher aus Fleisch und Blut angeheuert. „The Return To Ceyrior VII“ ist mit knapp 40 Minuten Spielzeit und ohne auch nur im Geringsten von einem fast überirdisch hohen Qualitätslevel abzuweichen, ein fast schon gewaltiges Album geworden. Wer sich einmal von den famosen Riffs in „Mary Jane“, dem in wahnwitzigem Speed dahingaloppierenden „Alone With My Knife“ oder „Into The Devil’s Mansion“ (Alter! Diese Gitarren!) plätten lässt, wird sie unmittelbar spüren, diese Zeitlosigkeit und Nostalgie, die hier versteckt ist, und auch die Sehnsucht nach einer Zeit, als der Death Metal noch unkompliziert und einfach nur geil war.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (28.06.2018)

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