STORMWITCH - Bound To The Witch

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VÖ: 29.06.2018
Bandinfo: Stormwitch
Genre: Heavy Metal
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste

Ich habe sie abgeschrieben, ernsthaft. "Dance With The Witches" war ein tolles Album mit einem unsterblichen Titeltrack. Auf "Witchcraft" war von der Comeback-Energie nur noch wenig zu hören. Und somit waren STORMWITCH danach auch wieder von der Bildfläche verschwunden. Ganze elf Jahre lang hat es gedauert, bis ein erneuter Versuch zur Reformation gestartet wurde. "Season Of The Witch" kam und enttäuschte. Nicht nur als generell schwaches Album mit unfassbar schlechten Songs, sondern auch als komplett lieblos produziertes, hingeschludertes Album ohne Sinn und Zweck. Auch wenn die Hexe live, so flüstern es die Raben, nach wie vor absolut überzeugen könne. Nach drei weiteren Jahren steht nun überraschenderweise ein weiteres Werk namens "Bound To The Witch" in den Startlöchern. Gar ängstlich buchsiere ich das Werk in meinen Player in Erwartung einer weiteren Nullnummer. Doch meine Erwartung wurde nicht erfüllt. Im Gegenteil. Ich darf heute, ganze 16 Jahre nach "Dance With The Witches" (dem letzten guten Album der Band) verlauten: The Witch Is Back!!

Als ich "Songs Of Steel" zum ersten Mal gehört habe, lag der Fokus zunächst ausschließlich auf der Produktion. Der Song war erstmal egal, Hauptsache bei Mück und Co. ist der ernsthafte Wille zu hören, relevante neue Musik in einer angemessenen Form zu präsentieren. Wir erinnern uns: Der Sound auf "Season Of The Witch" war den Namen "Sound" nicht wert. Doch hier kann direkt nach dem Intro Entwarnung gegeben werden. Die Produktion auf "Bound To The Witch" klingt so, wie ein authentisches 80er Metal- Album klingen muss. Nach wie vor nicht überladen und hörbar handgemacht, aber kraftvoll, dynamisch und - ganz wichtig - ausgearbeitet. Eine Post-Produktion wurde "Season Of The Witch" vor drei Jahren offenbar verwehrt, heute allerdings hört man liebevoll arrangierte Spuren, die Gitarren klingen satt, die Drums punchen, die Chöre wurden dezent, aber absolut passend ins Klangbild übernommen. Die Vocals hinken auf produktionstechnischer Ebene etwas hinterher, die "S"-Laute klingen oftmals etwas verrauscht. [Der Sänger hat vielleicht eine S-Störung? Anm.d.Korr.] Unterm Strich aber trotzdem 500 Prozent besser als auf dem Vorgänger. So, nachdem das nun vom Tisch ist, können wir uns nun den eigentlichen Songs widmen.

Und okay, da muss man gestehen, "Songs Of Steel" ist eher medioker als Einstieg. Typischer DIO/MANOWAR-Rhythmus, stampfender Refrain, aber nicht wirklich mitreißend. Bei "Odin's Ravens" aber gibt es direkt die volle Breitseite Riffs. Neu-Klampfer Tobi Kipp ergänzt Volker Schmietow wunderbar und beide treiben sich gegenseitig zu tollen Leistungen an, sei es in den Riffs oder den endlich wieder relevanten Soli. Auch das flotte Grundtempo und das generelle Schlagzeugspiel von Marc Oppold, der zur "Dance With The Witches"-Phase bereits an Bord war, können unbedingt überzeugen. Mück selbst singt wie man ihn kennt, mal sirenenartig hoch, mal angenehm tief, aber immer glasklar und hochmelodisch. Die Hooks sitzen im Refrain und hier haben wir unseren ersten Hit. Auch im Folgenden wird das Prinzip beibehalten: Die Riffs sind inspiriert von NWoBHM-Größen wie SAXON und JUDAS PRIEST, ab und an mal von teutonischen Weg- und Zeitgefährten wie ACCEPT und GRAVE DIGGER. Die Refrains sind hingegen ultra-melodisch, bedienen sich bei moderenen Größen wie HAMMERFALL und Klassikern wie HELLOWEEN. "Choir Of The Damned" ist zum Beispiel so ein urtypischer STORMWITCH-Song, wie ich ihn lange nicht in dieser Qualität gehört habe. Das macht einfach Spaß! Noch besser, weil noch dynamischer mit seinem Midtempo-Nackenbrecher-Riff und dem flotten Refrain, ist "Arya" gelungen. Der "Game Of Thrones"-Fan freut sich natürlich auch über die textlichen Bezüge. "King George" verzichtet auf eine lineare Songstruktur und erzielt zusätzlich durch den Einsatz von verdächtig bekannt klingenden Doppel-Leadgitarren ein leichtes IRON MAIDEN-Flair. Dann haben wir noch die epische und majestätische Bandhymne "Stormwitch" im Gepäck, bei denen die "Masters Of Black Romantic" ihrem Spitznamen alle Ehre machen dürfen. Herrlich!

Fazit: Ja verdammt!! Endlich liefern STORMWITCH wieder ab! "Bound To The Witch" ist mindestens das beste Album seit "Dance With The Witches" und kommt in Ansätzen sogar an die Zeit vorher dran. Auch wenn das letzte Fünkchen zum neuen Klassiker fehlt, darf man die neuen Stücke endlich wieder abfeiern. Jetzt geht es hoffentlich erst richtig los in den dritten Frühling!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (30.06.2018)

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