MAIDEN UNITED - Empire Of The Clouds

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VÖ: 08.06.2018
Bandinfo: MAIDEN UNITED
Genre: Heavy Metal
Label: Dutch Metal Records
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Lineup  |  Trackliste

Meine mir mehr oder weniger wohlgesonnene Leserschaft weiß, dass nach der Ostlondoner Trinität "Powerslave", "Somewhere In Time" und "Seventh Son Of A Seventh Son", abgesehen von ein paar frei umherschwirrenden guten Songs, von IRON MAIDEN nicht mehr viel gekommen ist. Entrüsteter Aufschrei eingedenk der massiv gesteigerten Verkäufe vor allem des letzen Albums "Book Of Souls", einem vertonten Frontalunfall, für dessen Beschreibung ich bereits des Öfteren den Versuch gewagt habe, Worte zu finden, allein, noch ist es mir nicht gelungen, diese mit breiter Brust vorgetragene Selbsdemontage adäquat in Worte zu hüllen.

Der Fan kauft dennoch Tonträger und moderat ausgepreistes Merchandise und füllt die Arenen, auch wenn man schon gerne in Gegenden der Welt ausweichen muss, die bis dato eher selten besucht wurden, um den lokalen Sportpalast einigermaßen dicht zu bevölkern. Soll heißen: ich kann mit MAIDEN und ihrem letzen Album nichts anfangen. Sehr viele andere aber schon.

Scheinbar auch MAIDEN UNITED, das Akustik-Tribute-Ensemble, das den "Book Of Souls"-18-Minüter "Empire Of The Clouds", vom ehemaligen Sangesgott Bruce Dickinson (der seine letzte stimmtlich brauchbare Phase auf der "Chemical Wedding"-Tour hatte) geschrieben, erst live in Angriff genommen hat, sich darob scheinbar begeistert fühlte und das Geschoß dann auch noch im Studio verewigte.

Ein gesprochenes Intro erzählt vom britischen Verkehrsluftschiff R101, das in der Nacht vom 4. auf den 5. Oktober 1930 über Paris abgestürzt ist und insgesamt 48 Passagieren das Leben kostete. Dieser erste Teil schlägt schon mit sechs Minuten zu Buche. Gut, kann man so lassen. 

Jetzt hat mir ein Psychologe einst gesagt, man soll nicht mit dem Adverb "aber" vorstehende Behauptungen abschwächen oder gar negieren, aber danach kommt leider eine Akkustikversion eines Songs, des titelgebenden eben, der eines der großen Probleme IRON MAIDENs, selbst in ihrer besten Phase, aufzeigt: ihre langen Songs sind des Öfteren viel zu lang. Das hat jetzt nichts mit einer ADHS im Erwachsenenalter zu tun, aber wer allen Ernstes behauptet, dass der Mittelteil von "The Rime Of The Ancient Mariner" stimmungsvoll ist, verwechselt das mit "langweilig", "öd" oder "quälend". Und das kann man gut und gerne auf beinahe die gesamten 18 Minuten von "Empire Of The Clouds" anwenden. Klar, es gibt immer wieder ein paar schöne Teile, die einen daran erinnern, wie mächtig diese Bands einst war, aber spätestens beim "proggigen" Teil absentiert sich jeder Musikliebhaber, der noch nicht ganz mit seinem Leben abgeschlossen hat.

MAIDEN UNITED bringen das Lied zwar recht rund rüber, nicht so holprig wie das Original, aber der aurale Quelltext ist und bleibt ein vernachlässigbares Stück zuckender Biomasse, die einst Teil eines großen Ganzen war.

Nostalgie hin oder her, MAIDEN UNITED können, wenn sie wollen, das hat man auf den Vorgängern gehört, aber mit diesem Lied wird das nichts. Auch wenn Damien Wilson entschieden hat, diesmal nicht sein zeitweise sehr leidendes Organ beizusteuern, wird das Lied nicht spannender, zwingender oder überhaupt relevant. Gesanglich ist das im normalen Register in Ordnung, wenn dann aber an die Grenzen gegangen wird, erinnert das schon an James LaBrie, und das ist gar nicht gut. Die im Original harten Teile haben etwas - für mich - unangenehm jazz-proggiges im Subtext, das man auch gerne als Hintergrundbeschallung für einen gewagten Porno verwenden könnte.

Was soll´s, ich könnt hier noch meterlang über die einstigen Helden IRON MAIDEN ablästern und mich fragen, warum man ein Lied aus der schlechtesten Phase der Band covern muss, aber ihr wisst was ich meine. 

Auf CD gibt es noch eine Live-Version des Songs und eine Lagerfeuerversion von "Killers". Von mir aus. Und weil wir grad alle MAIDEN sind, haben MAIDEN UNITED natürlich auch noch ein paar Sorten Bier auf den Markt geworfen. Akustik-Lager quasi. Möglicherweise eine Geschäftsidee für uns. Stormbringer-Zirberl mit 45% in der handlichen PET-Festival-Flasche.

 



Ohne Bewertung
Autor: Christian Wiederwald (09.07.2018)

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