BETWEEN THE BURIED AND ME - Automata II

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VÖ: 13.07.2018
Bandinfo: BETWEEN THE BURIED AND ME
Genre: Mathcore
Label: Sumerian Records
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Lineup  |  Trackliste

Knappe vier Monate nach dem Erscheinen des vielschichtigen „Automata I“ (Review hier) beehren BETWEEN THE BURIED AND ME ihre Hörer mit einer bereits zum Release des ersten Teils angekündigten Fortsetzung: „Automata II“. Doch auch, wenn die Songs des Sequels sich von ihrem Grundtonus sowie von ihrer verspielten Vertracktheit nahtlos in die Kategorien von „Automata I“ einreihen, bleiben einige unbeantwortete Fragen, die dem Release einen unbefriedigenden Beigeschmack geben.

Der erste Punkt, der zur Verwunderung anregt, ist die geringe Anzahl neuer Songs. So finden sich gerade einmal vier neue Tracks auf „Automata II“, sodass das Gesamtkunstwerk um „Automata I & II“ gerade einmal zehn Titel umfasst. Man darf sich also fragen: Wozu die Zweiteilung? „The Proverbial Bellow“, „Glide“, „Voice Of Trespass“ und „The Grid“ hätten ohne weiteres auch auf der ursprünglichen Platte Platz finden können, ohne befremdlich zu wirken oder den Gesamteindruck zu stören. Denn, und das ist der zweite wunderliche Punkt, einen inhaltlichen oder musikalischen Bruch gibt es zwischen beiden Releases keineswegs. Gut, dank der genretypischen langen Laufzeit der einzelnen Songs kommen BETWEEN THE BURIED AND ME mit „Automata II“ zwar insgesamt auf eine stattliche Laufzeit von rund 33 Minuten, ob das aber als Grund für eine losgelöste Veröffentlichung ausreicht, lassen wir hier einmal im Raum stehen.

Stilistisch und inhaltlich schließt der zweite Teil vollständig an seinen Vorgänger an. Das bedeutet, „Automata II“ präsentiert sich (wie es zu erwarten war) als atmosphärisch dichtes, stellenweise immer wieder überraschendes und künstlerisch hoch anspruchsvolles Stück Progressive, das mit größter Leichtigkeit zwischen tragenden Riffs mit hypnotisierenden, tranceartigen Vocals und halsbrecherischem Death Metal wechselt, ohne je den roten Faden zu verlieren. Schon die Eröffnung „The Proverbial Bellow“ nimmt den Hörer mit auf eine wilde Fahrt durch nahezu alle Aspekte von „Automata I“, frischt den vergangen Höreindruck wieder auf und legt den Grundstein für weitere experimentelle Ausflüge in klassischer Prog-Manier. Nach diesem Ausflug in verschiedene Tempos und Tonarten geben sich BETWEEN THE BURIED AND ME mit der Songkombination aus „Glide“ und „Voice Of Trespass“ einer Genrevariation hin, die nicht ohne selbstironisches Lächeln gehört werden kann. Statt die komplexen Muster des Jazz nur als Schablone für das eigene Schaffen zu verwenden, lässt das Quintett ihn mehr als deutlich einfach direkt einfließen. Dazu experimentieren sie mit unterschiedlichen, eher genreuntypischen Instrumenten (wie dem Akkordeon) und generieren eine befremdliche aber eingängige Mischung aus Genickbrecherriffs und Feel-Good-Jazz. „Voice Of Trespass“ gehört somit meiner Meinung nach zu den mutigsten und wichtigsten Songs des Genres in letzter Zeit.

Mit „The Grid“ findet das Projekt „Automata“ einen würdigen Abschluss, auch wenn die fast zehnminütige Reprise an die vergangenen neun Songs („Automata I“ mit einbezogen) gefühlt etwas hinter den Highlights beider Alben zurückbleibt. Trotzdem finden BETWEEN THE BURIED AND ME hier einen gefühlvollen und detailverliebten Abschluss, der auch wirklich das Gefühl von Abgeschlossenheit vermittelt.

Ein Fazit für „Automata II“ zu ziehen, fällt an dieser Stelle schwer, da es dafür ohne den großartigen ersten Teil gedacht werden müsste. Dass dies allein aufgrund des Fortsetzungscharakters nicht ohne weiteres möglich ist, muss hier nicht genauer erläutert werden. Als plausibler Maßstab erscheint tatsächlich allein „Automata I“, und im direkten Vergleich würde ich persönlich mich schweren Gewissens für den Vorgänger entscheiden, da er für sich gesehen vielseitiger und im Ganzen runder daherkam. „Automata II“ wirkt weniger wie eine gleichberechtigte Fortsetzung, mehr wie ein Nachtrag zur ursprünglichen Platte, ein „Automata I.I“, wenn man so will.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lucas Prieske (20.07.2018)

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