DRYAD - Panta Rhei

Artikel-Bild
VÖ: 05.08.2018
Bandinfo: DRYAD
Genre: Folk Metal
Label: Eigenproduktion
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

"Panta Rhei" – Alles fließt. Nichts bleibt je, wie es gerade ist, alles ist einem ewigen Wandel unterzogen. Das wussten schon die alten Griechen unter Heraklit und scheinbar zieht sich dieser Gedanke nach wie vor auch durch die Köpfe einiger Musiker. Wenn man diese Formel nun auf das Leben und den Tod umsetzt, dann wird auch die Bedeutung hinter der Namensgebung von "Panta Rhei", der neuen EP des deutschen Folk Metal-Nachwuchses DRYAD klar. Das Leben ist für sie wie ein Fluss, der nach und nach in den Tod fließt, in "die Stille, die uns sanft auffängt", um es mit den Worten der Band selbst zu sagen. Einerseits unangenehm, andererseits beruhigend dieser Gedanke, oder etwa nicht? Nun, auch das überträgt sich gut auf das nach diesem Gedanken benannte musikalische Machwerk. Beschrieben als "herzig/kauzig und undergroundig" war ich sofort daran interessiert, was da aus dem südlichen Deutschland zu dröhnen scheint. Eine Mischung, die sich irgendwo zwischen Folk und Black Metal befindet, heißt es da. Nun, das ist ja jetzt nicht wirklich etwas Neues, aber es hat seinen Charme, und verbunden mit der Melancholie der Thematik und Anleihen griechischer Überlieferungen und Erzählungen könnte das doch ein interessantes, wenn auch düsteres Erlebnis werden. Nun, zumindest hoffte ich das.

"Interessant" ist wohl wirklich das beste Wort, um zu beschreiben, was auf "Panta Rhei" vor sich geht. Die EP, bestehend aus vier Liedern (naja, eigentlich drei, aber dazu kommen wir noch), macht so ziemlich alles anders, als man es anfangs erwarten würde. Anstatt sich großartig mit einem stimmungsvollen Intro zu beschäftigen und Spannung aufzubauen, wie man das ja gerne mal macht, wirft die Band einen direkt mitten ins melancholische Geschehen. Der Opener "River at Night" wirkt nicht wie etwas, das man von einer Metal-Band erwarten würde, sondern eher wie ein mysteriös angehauchter Folk-Song mit einer leicht metallischen Note im Abgang. Erfrischend, andererseits aber auch nichts, was man noch nie vernommen hätte. Was dann mit "Todesreiter" und "Gaia und der Tod" folgt, ist dann wohl schon eher das, was man von einem Folk/Black Metal-Release erwartet. Fast schon doomig langsam und geheimnisvoll kommt man hier mit minimalistischen Saitenanschlägen gemächlich in Fahrt, alles fließt langsam vor sich hin und ineinander, ohne große Überraschungen zu offenbaren. Dann, nach einem langen Dahinplätschern, schlägt der musikalische Strom mit dem Einsetzen schüchterner, verzerrter Gitarrenriffs ganz unverhofft kurze Wellen, um dann wieder in die bekannte, von kleinlauten Violinenklängen umschlossene Gemächlichkeit und Ruhe zu fallen. Ja, es ist tatsächlich so unaufregend, wie es sich anhört.

Ganz ehrlich, auch wenn diese erdrückende Ruhe der Songs thematisch passend und (das denke ich mal) auch gewollt ist, so erstickt sie auch jeglichen Reiz, "Panta Rhei" nach dem zweiten Song weiterhören zu wollen. Es ist fast so wie beim Spannungsbogen gewisser halbgarer Zombieserien: Man wird in ein scheinbar verheißungsvolles Szenario geworfen, in dem aber nur ewig lang schlichtweg nichts passiert, das einen am Ball bleiben lässt. Dann passiert tatsächlich mal etwas, voller Freude denkt man sich: "Hui, jetzt geht's aber los hier!" und so schnell wie der Spaß angefangen hat, so schnell ist er auch wieder vorbei und es ist wieder langweilig. Das ist prinzipiell die Zusammenfassung des Mittelteils von "Panta Rhei", ohne Spaß, mehr ist es nicht. Es ist wirklich schade, dass aus den an sich interessanten erzählerischen Ideen – wie z.B. der Angst vor einer Wiederauferstehung dutzender Reiterkrieger, die ihrem König in der Tod folgten – instrumental und dramaturgisch so wenig gemacht wird und sich das über die gesamte Spielzeit nicht merklich verbessert. Was noch erschwerend dazukommt, ist, dass der mäßig motivierte Gesang, der zwischen Flüstern, klaren Passagen und Growls wechselt, einen oft aus dem Fluss des an sich ja schon wenig spannenden Geschehens wirft. Der Abschluss des Albums stellt letzten Endes noch eine Fortführung des Openers dar, der diesmal aber komplett instrumental gehalten ist. Hier kann man zumindest sagen, dass die Idee, dem Ausspruch "Panta Rhei" durch das Ineinanderfließen von Anfang und Ende der EP nochmals Gestalt zu geben, zeigt, dass man hier nicht einfallslos ans Werk gegangen ist.

Um das alles hier jetzt nicht zu negativ enden zu lassen, sei gesagt: Die Ideen und Geschichten, die hier von DRYAD erzählt werden, sind alle nicht schlecht, nein, wirklich nicht. Beim Lesen der Hintergründe, die den Songs zugrunde liegen, merkt man, dass hier – trotz allem vorher bemängelten – Passion für das eigene Schaffen im Spiel ist. Ja, "Panta Rhei" weist musikalisch einige, wenn nicht sogar viele Schwächen auf, das meiste von dem, was man wollte, funktioniert nicht wirklich gut oder kommt zumindest in vielen Fällen nicht gut an den Hörer. Aber nein, das heißt nicht, dass der zugrundeliegende Schaffensdrang, denn dieser ist zweifellos vorhanden, zum Scheitern verurteilt ist. Wer weiß, vielleicht erwartet uns beim nächsten Release ja eine mehr als positive Überraschung? Ich will es hoffen.

 



Bewertung: 1.5 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (02.08.2018)

WERBUNG: Uzziel
ANZEIGE
WERBUNG: Escape Metalcorner
ANZEIGE