MONO INC. - Welcome To Hell

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VÖ: 27.07.2018
Bandinfo: MONO INC.
Genre: Goth Rock
Label: No Cut
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Lineup  |  Trackliste

Knapp eineinhalb Jahre nach dem letzten eigentlichen Album und einer Compilation aus dem Jahr 2017 kommt nun ein Doppel-Album der vier Hamburger Menschen von MONO INC. aus der Düsternis einer pestinfizierten Umgebung heraus, das für Fans einiges bereithält.

Mit Spieluhr-Klängen und dezenten Streichern kommt "The Heart Of The Raven" daher. Klingt zunächst einmal nach der Vorgeschichte von Edgar Allan Poe's The Raven. Nach bandinternen Angaben geht es jedoch vielmehr um die Vorstellung des Album-Protagonisten, der den Namen The Raven trägt. Er befindet sich in einem Krankenlager für Pestinfizierte, einer Krankheit, durch die in ihrem unbehandelten Ergebnis alle, unabhängig vom sozialen Status, das gleiche Ende erwartet. Spieluhr und Streicher, sie erzeugen eine dystopische Atmosphäre.

Aus der Perspektive der flohtragenden Ratten spricht "Welcome to Hell" vom Auflehnen der Repressierten gegen ihre Repressoren. Es ist, als ob der mit Wunden übersähte Lazarus aus der neutestamentlichen Ezählung aus seiner jenseitigen Perspektive über das kommende Schicksal gegen jene Hartherzigen spricht, die sich in ihrem blinden Egoismus seiner nicht erbarmten. Ansagen wie "We are weak, but we are many" oder "you believe in immortality, but we believe in judgement day" sprechen eine deutliche Sprache, klare Hinweise auf nötige Änderungen und das Aufheben bzw. Umkehren mancher Verhältnisse.

Die Pest holte sie letztlich alle, auch die Pestdoktoren, die sich mit wohlriechenden Substanzen, Vogelmasken und weiten Gewändern zu schützen suchten. Aus heutiger Sicht stümperhafte Heilungsmethoden halfen auch ihnen nicht, genauso wenig wie den Patienten. Mit der Rattenfänger-Melodie werden die Hoffnungsvollen zum Scharlatan gelockt.

Alles riskieren, auch wenn es nur für einen Tag anhält. "Risk it All" spricht genau davon. In Liebe und für die Liebe ein letztes Mal auflehnen gegen die Umstände.

"Under A Coal Black Sun" spricht vom Abschied im Angesicht des Feuers, das als letzter Ausweg von der Krankheit gelegt wurde. Auf ein Wiedersehen am letzten Tage.

Niemand Geringeres als Eric Fish (SUBWAY TO SALLY, BANNKREIS) steuert Flötenspiel und Gesang bei "A Vagabond's Life" bei. Es handelt von einem Landstreicher, auf den Passanten hinabsahen und sich über ihn die Münder zerissen. Er wird von einem aufgebrachten Mob, wahrscheinlich mit Fackeln und Mistgabeln, getötet. Eine Tat, die nicht als Mord betrachtet wird, weil das Opfer eben ein Obdachloser war.

Zu der Bestattung des Obdachlosen könnte "Funeral Song" gespielt werden. Ein Mob, der eben noch einen Hilflosen tötete, marodiert durch eine von der Pest heimgesuchte Stadt. Dabei wird Gewalt, hier durch Brandstiftung, zum Selbstschutz eingesetzt. Die Frage bleibt: wie vertretbar ist Gewalt im Angesicht extremer Umstände?

Die Straßen der Stadt sind durch die Pest völlig leergefegt. Einzig die Ratten beherrschen das sich bietende Bild. "Reign Of Rats" spielt mit mehrstimmigem Gesang und tanzbaren Rhythmen, unterbrochen vom Gesang einer Frau, die von den bereits ewähnten leeren Straßen singt. Apropos tanzbar: klingt hier die mittelalterliche Vorstellung vom Totentanz, vom Tod als Musiker an?

Tod und neues Leben, sie können ganz nah beieinander sein. Dies klingt in "Unconditionally" an. Mitten im Tod wird ein Baby geboren. "It's now making sense", das eigene Leben bekommt einen neuen Sinn. Weitermachen, weitermachen können. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für das Neugeborene. Angesichts des Todes wird dem neuen Leben Geleit und Beistand zugesprochen. Unbedingte Liebe. Hier wird sie in einer Ballade ausgedrückt.

Den Abschluss von CD 1 bildet "When the Raven dies tonight". Der Protagonist des Albums hat alles verloren und wartet auf das eigene Ende. In Krankheitsillusionen ist er für sich in einem Raum und wünscht sich den Beistand eines anderen. Das oft auftretende Stilmittel von Katha Mias Hintergrundgesang wirkt hier nicht zu kitschig und übertrieben, sondern unterstreicht vielmehr die besungene Szenerie.

 

Fazit: Endlich etwas Neues von MONO INC. Ein Album, das sich deutlich von so manchem Vorgänger abgrenzt und mit einer starken Bildsprache spricht.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Thomas Trüter (27.07.2018)

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