HAKEN - L-1VE

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VÖ: 22.06.2018
Bandinfo: HAKEN
Genre: Progressive Rock
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

Es war allen Proggern ein Freudenfest, als sich HAKEN zum ersten und einzigen Mal nach Wien bequemten – unser aller Mike wünschte sich sogar, der Abend würde nie, nie zu Ende gehen. Da spielte leider das Universum nicht mit, allerdings gibt es jetzt mit ein bisschen Verspätung doch noch die Möglichkeit, sich in diese magischen 100 Minuten zurückzuversetzen. Im Rahmen dieser Tour – die ja das zehnjährige Bandjubiläum markierte – haben HAKEN die abschließende Show im legendären Melkweg in Amsterdam nämlich audiovisuell gebannt und bringen den Mitschnitt, hochmodern „L-1VE“ benannt, auf DVD und CD heraus. Die CD ist auf die Amsterdam-Show beschränkt, bei der DVD gibt es einen Mitschnitt vom Prog Power Festival in Atlanta 2016 als Draufgabe.

Die Setlist der CD hat dabei einen starken Fokus auf dem letzten Album „Affinity“ (sechs Songs), auch „The Mountain“ kommt noch auf drei Songs, die ersten Alben „Aquarius“ bzw. „Visions“ werden mit jeweils einem Track bedient, in einem Fall mit einem Medley (passenderweise „Aquamedley“ benannt) bzw. mit dem Titeltrack. Wird jetzt für jeden Fan natürlich Geschmackssache sein, „Visions“ war ohnehin nicht so das Hammeralbum, aber „Aquarius“ hätte sich vielleicht mehr Spielzeit verdient. Das Interessante am „Aquamedley“ ist dann die extreme Verdichtung der Songs, wodurch die Hitqualitäten der Briten nochmal stärker betont werden.

Aber auch sonst spielen HAKEN alle Stückeln, von knackigen Riffs über wahnsinnige Fudeleien, von beschwingtem 80er-Jahre-Synthprog bis hin zu schwerst emotionalen Momenten. Gerade live ist dieser Mix dann nochmal ein Eck beeindruckender als aus der Konserve. Klar sind auch alle Hits vertreten, von „Cockroach King“ über „Initiate“, aber bei „L-1VE“ wird man auch nochmal eindringlich an die Qualität vor allem der leiseren, unauffälligeren Tracks erinnert.

Da kommen einem fast die Tränen, wenn bei „Red Giant“ mit den schwermütigen Chören und Orgelsounds eine fast sakrale Stimmung aufkommt, die auch das Publikum ehrfürchtig verstummen lässt, oder auch beim emotionalen Höhepunkt „Atlas Stone“, wenn Ross Jennings nur von ganz spärlichen Klaviertönen begleitet wird. Das Publikum geht auch amtlich mit und singt auch brav mit, was z.B. beim anfänglichen Chorgesang von „Cockroach King“ sehr gut kommt.

Was live auch nochmal viel stärker als auf Platte rüberkommt, sind die musikalischen Qualitäten der Jungs. Muss man mal gesehen haben, wenn in einer Band mit sechs Mitgliedern alle (!) singen (und das auch können!), wenn die Instrumente getauscht werden wie Fußball-Sammelkarten, und wenn jeder einzelne Musiker das jeweilige Instrument perfekt beherrscht. Und Jennings ist auch ein hervorragender Frontman, gesanglich hat er es ja sowieso drauf. 

L-1VE funktioniert also ganz hervorragend und ist für alle, die irgendwo, irgendwann HAKEN auf ihrer Jubiläumstour gesehen haben, eine gute Art, die Erinnerung an den Abend wieder aufleben zu lassen, und für alle, die nicht dabei waren, ist es eine gute Gelegenheit, sich die Genialität der Band in komprimierter Form auf der Couch zu Gemüte zu führen.
 



Ohne Bewertung
Autor: Luka (27.07.2018)

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