STONEMAN - Geil Und Elektrisch

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VÖ: 07.09.2018
Bandinfo: Stoneman
Genre: Industrial
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste

Industrial aus der Schweiz. Ein kleines Land mit vielen Bergen. STONEMAN bringen mit "Geil und elektrisch" ihr mittlerweile sechstes Album heraus. Ob es etwas taugt und ob die Band sich den Vorwurf, eine elektronischere Ausgabe von RAMMSTEIN zu sein, gefallen lassen muss, das soll nun näher betrachtet werden.

Militärisch-gehorsamst geht es los, wenn "Dein General" den Hörraum betritt. Was zunächst etwas nach DEATHSTARS klingt, ist ein mitreißendes Brett, das eine Tanzwelt bedeuten kann. Ein Song von Macht und Unterwürfigkeit, von Stiefelleckern und Ungehorsam gegenüber Befehlen. 

Der General schreitet voran und betritt das "Niemandsland". Energisch, im rhythmischen Schritt. Vorbeigegangen wird an einem Menschen, der unsichtbar ist. Ein verlorener, vergessener Mensch, der offenbar nicht zählt, allerdings mit völliger Selbstüberschätzung lebt. Doch diese Selbstüberschätzung kann in mehr als nur eine Richtung laufen. Entweder man wird übersehen und als wertlos angesehen oder die eigene Person wird als das einzige Thema der anderen wahrgenommen. Zwischen beat-starken Teilen und einprägsamen Gitarrenriffs wechselt das "Niemandsland".

"Fremd" gehen, weil der andere Mensch in einer Ehe als unerträglich erscheint. Der Ring als Zeichen des Ehebundes wird ignoriert. Weitere Gründe für das Handeln bleiben bis auf das Ich-Selbst-Bleiben-Wollen im Dunkeln. Mitsingen ist hier vorprogrammiert. Doch was macht es mit den Menschen, die mitsingen?

Was punktuell an "Von Oben" von MEGAHERZ erinnert, hört bei STONEMAN auf den Namen "Tiefschwarz". Reduzierter Beat, eine düstere Atmosphäre. Stimmungsvoll und, im Unterschied zu den Vorängern, eher langsam gehalten. Erinnert an einen nächtlichen Tanz im warmen Regen.

Wo wir schon beim Tanzen sind: STONEMAN liefern dazu die entsprechende "Tanzmusik". Zwar müssen alle Menschen, ob sie wollen oder nicht, irgendwann sterben, aber dennoch müssen "alle Menschen [...] tanzen". Wer genau die besungene "Musikfabrik" ist, darüber mag jeder tanzende Mensch ein eigenes Urteil bilden. Bis dahin wird getanzt, bis der Boden bricht und der Schweiß von der Decke tropft.

Wer keine Lust mehr auf das Tanzen hat, könnte sich "GeiL und Elektrisch" anhören. Beim ersten Hören klingt der Text nach einer Reduktion der Frau auf ein Sexobjekt. Aber vielleicht ist genau das die Pointe. Eine Beschreibung einer technologisierten Gesellschaft, in der die Frau dennoch nur für Sex da ist. Somit kann es hierbei auch um die Ablehnung einer solchen Reduktion durch ihre Beschreibung und ihr Vor-Die-Nase-Gehalten-Werden gehen.

Jemand ruft laut "Fass Mich Nicht An". Scheinbar wird hier das Thema aus "GeiL und Elektrisch" augegriffen und nun aus der Perspektive der reduzierten Frau geschildert, die aus ihrer Situation ausbricht und sich gegen ein solches Bild wehrt. Voller Aggression und Tempo. Dieser Erzählstrang klingt auch in "Alles Gute" an, wobei hier jemand zur Hölle gewünscht wird und eine negative Situation vollständig beendet wird. Nur durch ein solch radikales Ende ist ein Neuanfang nach solchen Erfahrungen offenbar möglich.

"Für Immer" gehören die besungenen Zwei zusammen. Sich gegenseitig ergänzend, ausgedrückt durch sich komplettierende Gegenstände oder anderes. Textlich eher langweilig, auch die Musik geht hier kaum über dieses Attribut hinaus.

Mit "Worte" als letztem Neusong dieses Albums wabert eine Ballade mit ein paar kleinen Streichereinheiten herbei. Ganz nett insgesamt.

Den Abschluss dieses Albums bieten Electro-Edits von "Dein General" und "Geil und Elektrisch".

 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Thomas Trüter (03.09.2018)

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