BETONTOD - Vamos!

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VÖ: 31.08.2018
Bandinfo: BETONTOD
Genre: Punk Rock
Label: Arising Empire
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Lineup  |  Trackliste

Jaja, Deutschrock und so. In der Heavy Metal Szene nicht so gerne gesehen, obwohl kein Festivalbilling ohne eine oder zwei Vertreter dieser Spielart komplett ist. Mehr noch vor fünf oder sechs Jahren, als FREI.WILD, ob man sie mag oder nicht, ein richtiges Revival dieses Genres angezettelt hatten. Heutzutage fristen die "Großen" des Genres eher Einsamkeit auf selbst geschaffenen Thronen, denn so richtig will man in der (musikalischen) Mitte nicht mehr in Verbindung mit dieser Art Musik oder Bands aus diesem Genre gebracht werden. BETONTOD allerdings sehen und sahen sich keinerlei Kontroverse ausgesetzt und sind heute noch gern gesehener Gast auf Punk-Events aller Art, sowie auf den einschlägigen Metal Festivals. Und so stolpert auch der Verfasser dieser Zeilen, ansonsten mit dem Deutschrock heutiger Art total verfeindet, in schöner Regelmäßigkeit über die Rheinberger und erfreut sich an dem ein oder anderen eingängigen und feuchtfröhlichen Hit der Kapelle.


Musikalisch haben die Jungs eine Wandlung hin vom reinen Punk mit stellenweise Hardcore Elementen aus der Frühphase, hin zum straighteren, eingängigeren Punk Rock des Mainstreams hingelegt. Technisch griff man diesbezüglich hauptsächlich in die Trickkiste der TOTEN HOSEN, auch wenn sich die eine oder andere Idee, Melodie und Textzeile in abgewandelter Form bei den BÖHSEN ONKELZ wiederfinden lässt. Dabei sind in der Vergangenheit immer zugänglicher werdende Rock Alben entstanden, die anspruchsvollere Lyrik und Epik (z.b. bei "Alles" von "Entschuldigung für nichts") mit Haudrauf-Sauf-Hits für Jedermann ("Hömmasammawommanomma" oder, der Überhit, "Glück auf!") irgendwie flüssig miteinander zu kombinieren wussten. Auf "Vamos!" ist das im Großen und Ganzen nicht anders.


Wenn man auf die Tracklist schaut, dann könnte man tatsächlich meinen, es läge ein neues ONKELZ Album vor. "Para Toda La Vida", "Zusammen", "Vamos!", "La Familia". Pathos und spanische Wortspielchen sind eigentlich die Trademarks der "Tioz". Musikalisch geht man da allerdings wesentlich weitere Wege als die Frankfurter. Für uns Metaller interessant ist vor allem das Titelstück, welches mit einem schön schweren Uptempo Riffing ausgestattet ist und eine kleine IRON MAIDEN Huldigung in den Leadgitarren mitbringt. Textlich total ONKELZ entstammt die Struktur dennoch eher dem klassichen, flotten Punk, verstärkt durch vereinzelte Gang-Shouts. Kann man so machen. Besser aber klingt es, wenn man komplett eigenständig zu Werke geht, wie im späteren "Stück für Stück". Hier dominiert ein fettes, thrashiges Groove-Riff, während man melodisch und textlich die ausgetretenen Pfade verlässt. Ganz stark! "Bengalo" klaut in der Strophe bei "Hier kommt Alex", kann aber auch sonst mit einer schönen Hook und einem coolen Drive punkten. Bei "Boxer" kommen ein paar Reggae Einflüsse hinzu, bevor der Mega-Refrain wieder genau ins Schwarze trifft. "Es ist vorbei" ist eine der besseren Beziehungskisten und erinnert auch hier an die Überhits der TOTEN HOSEN wie "Niemals einer Meinung". Mit "Die Zeit" erwartet uns dann als Rausschmeißer auch der ganz große Hit des Albums, der Gute-Laune-Kracher mit dem wunderschönen emotionalen Text, der gepaart mit der geilen Melodie sicherlich dem einen anderen ein Tränchen ins Auge spielen wird. Fast so schön wie "Ich nehm dich mit" von "Revolution".


Aber leider gibt es auch  Gurken auf "Vamos!" zu verdauen. "Niemals untergehen" zu beschreiben ist einfach: Man nehme "Alles aus Liebe" und legt einen pathetischen Standard-ONKELZ Text drüber. Fertig. Mehr Kreativität gibt das Ding nicht her. Der Opener "Zusammen" ist dann inhaltlich wie musikalisch nicht mehr wie ein typischer FREI.WILD Song inklusive gleicher Akkordfolge im Refrain. Den Vogel ab schießt aber "Nie mehr Alkohol" ab. Ich habe nichts gegen "Glück auf!" oder "Hömmasammawommanomma". Einfache Sauf-Songs, aber mit schöner "In die Fresse"-Selbstverständlichkeit und guter Laune, sodass sie mich, so sehr ich mich wehre, zum Lächeln bringen. "Nie mehr Alkohol" allerdings nimmt altbekannte Gags ("Aufhörn, aufhörn"), schmeißt sie in einen Brei mit "neuen" lyrischen Großtaten wie "Alkohol - hol- hol ma noch ein Bier" und packt sie in ein musikalisches Gerüst mit Härtegrad "ZDF-Fernsehgarten". Der schlechteste Ballermann Song seit CHRIS MARLOW und "Holz vor der Hütt'n".


Fazit: BETONTOD machen auf "Vamos!" viel richtig, wenig falsch, aber vor allem nichts Neues oder Originelles. Wer die letzten Alben der Rheinberger mochte, der wird auch mit "Vamos!" seine Freude haben, auch neue Fans wird man gewinnen können. An "Laune der Natur" kommt derzeit in diesem Sektor aber lange nichts vorbei.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (27.08.2018)

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