NAHTRAM - An Ominous Journey

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VÖ: 28.03.2018
Bandinfo: NAHTRAM
Genre: Melodic Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Warum vergisst jemand, der geniale Musik macht, einen Sänger einzuladen? Es gibt Instrumentalwerke, bei denen diese Frage schon mal aufkommen kann, wirkt die instrumentale Komposition doch teils mager, dünn, halb fertig. Bei NAHTRAM´s "An Ominous Journey" habe ich mich dies auch gefragt: Und zwar genau so lange, bis ich gehört habe, was Allrounder Lukas Grässlin auf seiner Scheibe an musikalischer Dichte und Abwechslung verbastelt. Herhören, hier kommt ein Instrumentalwerk, das gar niemals nie nicht durch Vocals diskreditiert werden darf! 

"An Ominous Journey" besteht - äußerlich gesehen - aus fünf Songs, die allerdings durch alles andere als eine angepasste Länge auffallen. Dies ist auch wohl kaum möglich, denn Komponist Lukas Grässlin verfrachtet mitnichten einfache Tonabfolgen in seine Werke. Episch dicht erzählt, teils symphonisch aufgearbeitet, teils in straightem Metal-Solo-Gewand, gehen die Parts fließend ineinander über. Unter einem stets dramatischen Deckmantel bleibt das Feeling von cineastischer Bandbreite einfach nicht aus. Allein der letzte und längste Track, und gleichzeitig der Titelgeber, erinnert mehr an den Soundtrack einer mystischen, abenteuerlichen Wanderung oder einer Reise zur See, denn an das, was man sonst so an instrumentalem Einheitsbrei vorgeworfen bekommt. Dabei wirkt keiner der Songs auch nur im geringsten wie nachgemachter Sound mit irgendeinem Zwillingsbruder, an dem er sich anlehnen könnte. Dennoch erscheinen unweigerlich Bilder, was mit Sicherheit der Absicht NAHTRAMs entspricht. Schlussendlich kommt man nicht umhin "An Ominous Journey" in die Kategorie "programmatische Musik" zu stecken, gleichgültig, wie alt dieser Begriff sein mag. Wer dreiminütige Strophe - Refrain - Strophe-Songs sucht, ist hier nicht ganz richtig. 

Im Einzelnen beschreiben lassen sich die fünf Songs nicht, zumal sich einzelne, verwobene Passagen teils mit bombastischer Dramatik oder sanft-keltisch anmutenden Tönen, mit stimmungsvollen Gitarrensoli oder der feinen Würze von choralen Mustern verweben, ohne dabei zu überlaufen zu klingen, oder - im Gegenzug dazu - zu dünnschichtig. Abgesehen von dem etwas überfüllten Rhythmus-Part im Chorus des Openers "Into Crow´s Woods", der nach einem genialen Intro im Speed-Teil einfach zu gut gemeint war, fällt es schwer, irgendeine Bemängelung zu finden. Daher fällt es mir hier umso leichter, eine überzeugte Empfehlung an alle auszusprechen: Wer sich gern cineastisch ausgeprägten Soundtracks, sauber durchkomponierten Instrumentalwerken und einem abwechslungsreichen, aber nicht sprunghaften Soundteppich ohne störende Vocals hingibt, der MUSS sich NAHTRAMs "An Ominous Journey" zu Gemüte führen! Punkt!


 



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (16.08.2018)

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