PRIMAL FEAR - Apocalypse

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VÖ: 10.08.2018
Bandinfo: PRIMAL FEAR
Genre: Power Metal
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

PRIMAL FEAR ist eine gestandene Größe im Heavy und Power Metal, Ralph Scheepers einer der besten Sänger auf dem Markt und Mat Sinner ein guter Songwriter. Nach so einem Satz kann es ja fast nur mit einem "Aber" weitergehen, und das möchte ich euch nicht vorenthalten: "Aber" sie schaffen es nicht, in die gleiche Liga wie ACCEPT, HELLOWEEN oder AVANTEDGUY und Co. aufzusteigen. Tatsächlich frage ich mich selbst oft, warum das so ist. Denn auch ich greife, wenn solche Musik gewünscht ist, eher zu oben genannten Mitbewerbern. Dabei verfügen auch die Badenser über eine inzwischen beeindruckend gewachsene Diskografie mit einigen richtig guten Hits wie "Nuclear Fire", "Six Times Dead" oder dem etwas platten "Metal Is Forever". Und auch einen charakteristischen Sound hat die Truppe inzwischen gefunden. "Apocalypse" ist daher auch kein großes Wagnis und liefert das, was man mit der Truppe in Verbindung bringt. Dennoch ist das neue Album vielleicht eine vorsichtige Erklärung dafür, warum der ganz große Sprung nach oben ausgeblieben ist.


Denn PRIMAL FEAR schöpfen ihr kompositorisches Potential nicht aus. Eine Truppe, die so übermäßig geniale "Song-Of-The-Year"-Kandidaten wie "New Rise" oder "The Ritual" schreiben kann, braucht sich nämlich nicht selbst zu zügeln. "New Rise" ist ein unglaublich genialer Speedkracher. Irgendwo zwischen speedigen ACCEPT, RAGE, ganz frühen HELLOWEEN und etwas späteren GAMMA RAY schraubt das Stück jedem Hörer die Matte ab! Wahnsinn! Und hört euch die Riffs an. Wo PRIMAL FEAR in der Vergangenheit mehr auf Nummer Sicher und Eingängigkeit gesetzt haben, wird jetzt messerscharfes Riffing mit Anleihen aus der Bay Area und BLIND GUARDIAN bis maximal 1996 präsentiert. Und dann noch dieser monströse Refrain! Besser kann man solch eine Musik nicht schreiben.


Aber damit nicht genug, denn "The Ritual" steigt auf zum Metal Olymp und klopft mal eben bei einem Song namens "Painkiller" an, um ihm in die Fresse zu schreien!! "Painkiller" hat zwar einen Bekanntheitsgrad und eine Reifezeit, die man nicht mal eben außer Acht lassen kann. Aber nimmt man "The Ritual" und seine offensichtlichen JUDAS PRIEST Verneigungen einfach mal unvoreingenommen in sich auf, so ist der Song nicht einen Mü schlechter oder von geringerem Wert als das Original! Wenn du jemandem zeigen willst, wie Metal zu klingen hat, dann machste diesen Song rein und jegliche Diskussion ist zu Ende.


Aber leider können die restlichen Songs auf "Apocalypse" mit diesem Level nicht mithalten. "King Of Madness" ist eine grundsolide Power Metal Nummer mit einer schön griffigen Gitarrenhook, ebenso wie "Blood Sweat And Fear". "Supernova" und "Hail To The Fear" sind epische Faustrecker mit tollen Gesangsmelodien, ähneln sich aber untereinander ein wenig zu arg. Am ehesten kann "Hounds Of Justice" mit seiner Kombination aus Rock'n'Roll und einem punkrockigen Refrain mit mächtig guter Laune noch einmal ein Ausrufezeichen setzen. Auch "Eye Of The Storm" gefällt mit seiner ausladenden Epik. Dennoch sind sämtliche Stücke nach dem furiosen Auftakt spürbar gezähmt. Das Riffing orientiert sich mehr an SINNER oder auch AXXIS, die Keyboards werden dominanter, das Tempo gedrosselt, die Strukturen griffiger. Scheepers liefert generell einer der besten Performances seiner Karriere ab. Alles zusammen erzeugt immer noch schönen hard rockigen Drive, der Fuß wippt mit, die Melodien gehen ins Ohr. Aber die Kinnlade bleibt nach der Standing Ovation im Auftakt wieder brav auf ihrem Platz sitzen.


Fazit: An sich liefert jeder Song auf "Apocalypse" das ab, was man sich als PRIMAL FEAR Fan erhofft. Aber durch diese beiden bärenstarken Stücke am Anfang des Albums wird eben deutlich, dass PRIMAL FEAR auf diesem Niveau locker mit den größten der Szene mithalten könnten. Die Band muss sich nur trauen, sich selbst von der Leine zu lassen! Deswegen fällt das Resultat zu "Apocalypse" auch "nur" gut aus. Beim nächsten Album knallt es dann aber hoffentlich richtig!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (20.08.2018)

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