VITJA - Mistaken

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VÖ: 28.09.2018
Bandinfo: VITJA
Genre: Deathcore
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

"Mistaken" ist eine schöne Begrifflichkeit, eine schöne Zusammenfassung für all die Fragen, die ich an Century Media Records und auch an mich selbst habe: Handelt es sich etwa schlichtweg um eine Verwechslung, dass VITJA einen Vertrag von dem Qualitätslabel angeboten bekommen haben? Warum werde ich nicht misstrauisch, wenn gerade mal etwas mehr als ein Jahr seit dem letzten und ohnehin schon äußerst dürftigen Album verstrichen ist? War es schlicht ein Irrtum, dass ich mich überhaupt für dieses Album eintragen und es stattdessen nicht einfach in den ewigen Jagdgründen unseres Promocorners verrotten liess? Oder warum kümmere mich nicht einfach "versehentlich" um etwas, das weitaus mehr Aufmerksamkeit verdient hätte? Fragen über Fragen über Fragen über Fragen.

Die bittere Realität: Schon nach den ersten Sekunden des beginnenden Titeltracks winke ich mit einer in's Gesicht gemeiselten Mischung aus Lachen, Weinen und blankem Entsetzen ab - und zumindest die letzten beiden Fragen scheinen eindeutig beantwortet: ich habe es einfach nicht anders verdient. Wer mich kennt, wird wissen, dass ich der geborene Ruhepol bin. Manchmal sicherlich auch etwas breitspurig, aber nur in den allerwenigsten Fällen finde ich etwas komplett und ohne Ausnahme scheiße; höchstens mal nicht gut, nicht besonders gut oder einfach nur ziemlich schlecht. VITJA aber hebeln sämtliche Naturgesetze im Hause Staub aus, erschüttern den Mikrokosmos in seinen Grundfesten und bringen mich fast dazu, ihren musikalischen Wert unter dem des monetären Wertes ihres Vertragspapieres einzuordnen. 

Ihr wollt wissen, warum AS I LAY DYING trotz der horrenden Vorgeschichte von Tim Lambesis viele ihrer Tourstopps binnen weniger Tage ausverkauft haben und die neue Single "My Own Grave" überwiegend sehr positiv aufgenommen wurde? Ich sage es euch weltexklusiv. Sicherlich, wir Metalfans vergeben manchmal wohl etwas leicht, wenn es für uns darum geht, neue Musik geliefert zu bekommen oder eine Band wieder live sehen zu können. Ich glaube aber trotzdem, dass es noch geringe Überreste vernunftbegabter Menschen gibt, die es einfach leid sind, ungefiltert die immerselben Schema-F-Exkremente einzuatmen und die Bands dafür auch noch zu bauchpinseln. Was also soll ich über "Mistaken" schreiben? Das klingt wirklich haargenau so, wie CALIBAN oder die noch unfähigeren TO THE RATS AND WOLVES auf ihren letzten Alben schon geklungen haben: oberflächliches elektronisches Geklimper, komplett nichtssagendes Tiefton-Pseudo-Riffing, das man schon von unzähligen amerikanischen Abziehbildern kennt (immerhin sind manche Leadmelodien ganz brauchbar), Clean Vocals als vermeintlicher Melodiegeber - Repeat. Der einzige, allerdings nicht gerade positive Unterschied ist "Sänger" David Beule, der immer noch wie ein von fürchterlichen bewussteinserweiternden Substanzen Geplagter heiser durch die "Songs" jault und den Gesamteindruck nochmal merklich drückt. Das mag eine gemeine Äußerung sein, aber dagegen wirkt selbst so manch peinliches DSBM-Gefiepe noch passabel. Warum ich den Vorgänger "Digital Love" mit zwei Punkten etwas höher bewertet habe, will mir daher nicht so ganz einleuchten, aber das sei hiermit auch revidiert. Ist sowieso Erbsenzählerei. Soll ich euch etwas sagen? Daneben wirken ESKIMO CALLBOY wie waschechte Virtuosen (#nohate, deren Songwriting hat sich wirklich stark verbessert). 

Die eigentliche Brandrede bzw. den ausufernden Epilog, den ich hier ursprünglich noch anfügen wollte, verkneife ich mir daher einfach aus zeitlichen wie auch aus nervlichen Gründen (nur so viel: Bands wie ANY GIVEN DAY und ANNISOKAY sind von der Kritik ausdrücklich ausgenommen, da sie längst musikalischer agieren und auf ihre jeweilige Weise den eigenen Charakter etablieren), weswegen ich stattdessen lieber die aktuellen/neuen Alben von PARKWAY DRIVE, BLEEDING THROUGH, ERRA und ARCHITECTS empfehlen möchte. 



Bewertung: 1.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (19.09.2018)

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