DEICIDE - Overtures Of Blasphemy

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VÖ: 14.09.2018
Bandinfo: Deicide
Genre: Death Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Der liebe Herrgott und der noch viel herzigere Jesus von Nazaret haben es dieses Jahr wahrlich nicht einfach, werden sie doch innerhalb kürzester Zeitabfolge aus mehreren Himmelsrichtungen bearbeitet: von BEHEMOTH werden die beiden heiligen Erscheinungen im Oktober zu satanistischen Lobeshymnen ausgiebig bzw. wort- sowie gestenreich diskreditiert wie degradiert und durch BLOODBATH folgt nur wenig später, bevor diese sie am Ende in ihrem teilweise angeblich eigens erschaffenen Erdboden verscharren, humorloser Pfeilbeschuss mit anschließender Zerstückelung. Zuallererst aber, also noch im September, steigen die nicht minder berüchtigten Gotteslästerer DEICIDE aus der fünfjährigen Abstinenz empor, um dem Wanderprediger von dereinst noch weit vor der polnisch-schwedischen Weiterverarbeitung gewaltsam ein paar weitere Nägel durch Korpus und Extremitäten zu trümmern und ihn wie auch seinen vermeintlichen Erzeuger zu bespucken - mit "Overtures Of Blasphemy", dem Einstand von MONSTROSITY-Gitarrist Mark English, der fortan gemeinsam mit Kevin Quirion das blutige Szepter schwingen soll.

Um die essenziellste aller Fragen direkt aufzulösen: mit einem vielbeschworenen Duo wie den Hoffman-Brüdern, die von "Deicide" bis "Serpents Of The Light" ein maßgeblicher Klassiker-Garant waren, oder dem zumindest für mich nicht minder großartigen Gespann (ja, ich weiß, für einige Schmalstirner ist das sicherlich Blasphemie, aber wenn wir schon mal die amerikanischen Fachmänner dafür rezensieren...) aus Ralph Santolla (möge er in Frieden ruhen!) und Jack Owen, das wiederum mit seiner eigens losgebrochenen Flut an geilen Riffs und noch geileren Soli selbstverständlich einen immensen Anteil am modernen Death Metal-Klassiker "The Stench Of Redemption" hatte, können die beiden (noch) nicht mithalten.

Trotzdem ist "Overtures Of Blasphemy" ein richtig gutes Death Metal-Album mit einer knackigen Spielzeit von knapp 38 Minuten geworden, das mit seinen 12 Songs durchgängig auf sehr gutem Niveau unterhalten kann. Dabei bleibt man nicht nur dem mit "The Stench Of Redemption" eingeführten Stil um die mal mit Thrash, mal mit Melodien, aber immer mit stürmenden Soli versetzten Hochgeschwindigkeitsprojektile ("One With Satan", "Crawled From The Shadows", "Excommunicated" und "Flesh, Power, Dominion") treu, sondern variiert erneut auch im Tempo ("Destined To Blasphemy" und "Crucified Soul Of Salvation"), mischt komplett stumpfes Kampfgerät dazwischen ("All That Is Evil"), oder setzt gar komplett auf eine Kombination aus Midtempo und der durchaus achtenswerten Leadgitarren-Arbeit ("Seal The Tomb Below" und "Anointed In Blood"), die ebenfalls sehr charakteristisch für das aktuellere DEICIDE-Schaffen ist.

Da natürlich auch Glen Benton, der trotz seines vermeintlich eintönigen Vortrags (das wird ihm zumindest gerne mal vorgeworfen) immer noch enorm viel Ausstrahlung und diese bestimmte Stimmfarbe, die man sich stundenlang anhören könnte, besitzt, auch auf "Overtures Of Blasphemy" wieder kontinuierlich abliefert, kann man, sofern man sich nicht ausschließlich den drei bis vier Erstwerken verpflichtet hat und trotz der Entwicklung immer noch etwas mit DEICIDE anfangen kann, sozusagen ohne Zwiespalt zuschlagen. Größere stilistische Sprünge hat man seit "To Hell With God" und "In The Minds Of Evil" zwar ebenso wenig wie beim manchmal etwas arg im Plastik begrabenen Sound gemacht, doch dafür bewegt man sich mittlerweile auf einem äußerst zuverlässigen Level ohne größere Defizite. Auch nach fünf Jahren Abwesenheit züngelt hier immer noch das Fegefeuer nach dem Erlöser und seinem Schöpfer.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (10.09.2018)

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