DARK SARAH - The Golden Moth

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VÖ: 21.09.2018
Bandinfo: DARK SARAH
Genre: Epic Metal
Label: Inner Wound Recordings
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Lineup  |  Trackliste

Hurra! Endlich der dritte Teil vom DARK SARAH Epos. Nachdem Heidi Parviainen und JP Leppäluoto beim zweiten Teil „The Puzzle“ diese hinreißenden Duette abgeliefert haben, bin ich nun natürlich super gespannt, was sie auf „The Golden Moth“ abliefern, will heißen, wie geht die Story weiter, wie wird das musikalisch umgesetzt und in welchem Ausmaß hören wir die beiden sich umgarnen und um die Wette singen?

Gleich vorweg: man wird nicht enttäuscht! „The Golden Moth“ ist eine erstklassige Weiterführung der Qualitätsarbeit, die das Team schon bei den Vorgängern geliefert hat. Für meinen Geschmack haben sie sogar noch eins draufgesetzt, sowohl bei der musikalischen Umsetzung, als auch bei den vielfältigen Vocals und vor allem den Duetten. Und ja, ich gebe es zu, dass ich inzwischen ein richtiger Fan vom Drachen bin (JPs Part). Die emotionalen Höhen und Tiefen, die dieses Sangespärchen auslotet und rüber bringt, egal ob geflüstert oder mit voller Inbrunst und lauthals gesungen, suchen ihresgleichen.

Aber nun zur Story. Nachdem die verbitterte verlassenen Braut (Dark Sarah) im zweiten Teil durch die Unterwelt wandert und Rätsel löst und Schlüssel erhält, um diese endlich verlassen zu können, hat sie es bei „The Golden Moth“ endlich geschafft. Mit Hilfe der „Iron Eagles“ kommt sie in die Oberwelt, eine verlassene Einöde, wo die Götter leben. Der Drache (JP) ist ihr natürlich gefolgt (gottseidank). Zuerst denkt Sarah, dass er ihr böses will, dann entdeckt sie aber, dass sie ihn braucht, er nicht ist, wie er zu sein scheint, und die beiden schließen sich zusammen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach den Göttern, die auf eine Insel über der Einöde leben.

Es sind wieder wunderbare Songs geworden, die DARK SARAH abliefern. Jedes der zwölf Stück widerspiegelt perfektes Songwriting, ausgeklügelte Arrangements, wunderschöne Vocals – von femininen Chören über gefühlvolle Solostücke von Heidi bis zu ausdrucksstarken Duetten mit dem Drachen (JP) – und perfektes musikalisches Klangerlebnis. Die Band ist hervorragend, die epischen beziehungsweise orchestralen Parts ein wahrlicher Leckerbissen.

Das leicht orientalisch angehauchte Intro „Desert Rose“ (wo die hübsche Sarah sicher die Wüstenblume ist) führt sehr rasch über zu „Trespasser“, wo Sarah entdeckt, dass ihr der Drache gefolgt ist, sie stellt ihn zur Rede, aber er will nicht zurück gehen, sondern finden, was ihm gehört. Im Zwiegespräch umschlingen sich die beiden in einem Duett, mal einzeln gesungen, dann zusammen. Die Musik dazu ist heavy, mit harten Riffs und Orchesterbegleitung, dominiert wird der Song aber eindeutig von den beiden Sängern, die sich von normal bis zu Opernarien die Seele aus dem Leib singen. Eine sehr gut arrangierte Nummer, wo man so richtig schön miterleben kann, wie sie sich zusammenfinden und welche Emotionen sie durchleben.

Bei „Wheel“ dominieren die rhythmischen Melodien und Gitarren, die beiden singen erneut zusammen und werden von den Riffs vorangetrieben. Zwischendurch gibt es getragenere Töne, wenn die Gitarre das Solo übernimmt. Und dann wird es auch noch ein wenig düster, der Drache singt über die Götter. Eine feine Mischung, die aus den Gegensätzen der zarten Stimme von Heidi und dem rauen Organ von JP lebt, die sich aber am Ende wieder in Harmonie finden. Daruntergemischt erneut eine zarte orientalische Klangwelt.

Cineastische Orchesterklänge finden sich in „My Beautiful Enemy“: Pauken, Streicher, Keyboad, Schlagzeug, Gitarre, Bass und natürlich wieder Heidi und JP. Es ist die musikalische Umsetzung einer filmreifen Szenerie, die man irgendwo zwischen Musical und Filmmusik ansiedeln kann. Im Song wechseln vorantreibende musikalische Einsätzen zu ruhigen, langsamen, nur von den Stimmen dominierten Takten. Sehr schön gesungen von den beiden. „Once I had wings“ muss nicht so harmonisch sein. Die Klage des Drachen ist fast im französischen Chanson Stil, mit Akkordeon-Begleitung, und erinnert mich ein wenig an „Dance With The Dragon“ vom letzten Album. Heidis Einsätze führen den Song in eine melodischere Richtung ohne Akkordeon, dafür wieder mit Orchester und Metalklängen, bevor sich beide in wilder Harmonie finden und der Song zu einem musikalischen Höhepunkt hinarbeitet.

Die Piraten kommen („Pirates“). Ein Stück, das mehr in Richtung Storytelling geht, als Song. Von Metal ist nun nichts zu hören, die begleitenden bombastischen Klänge zu den beiden Sängern kommen vor allem vom Orchester. Die Gegensätze von Pauken und Glockenspiel, hart und zart sowohl in Melodie, Gesang und musikalischer Umsetzung zeigen enormes Feingefühl beim Songwriting.

Absolut umwerfend die powervolle Hymne „Sky Sailing“. Die Band ist brillant, Heidi und JP sowieso wiederum genial im Duett. Clean und heavy die Umsetzung nicht nur im Song, sondern auch im Video. Wobei beim Ansehen für mich Parallelen zu Pirates of the Caribbian zu sehen sind, aber es passt zum Bild bzw. Film, den „The Golden Moth“ bei mir beim Durchhören entstehen lässt. In seiner Ausdrucksstärke ist dieser Song mein persönlicher Favorit auf dem Album.

Es ist nicht immer heavy. DARK SARAH klingen bei „Wish“ zum Beispiel wie ein Märchen-Musical, vor allem beim Zauberer von Oz, „Somewhere Over The Rainbow“, haben sie abgeschaut. Der Chor, das Glockenspiel, die Streicher, nein!, das gesamte Orchester und natürlich die Vocals bzw. Duette sind auch ohne Metal überzeugend. Einfach eine wahre Freude, dieses epische Werk zu genießen.

Wenn die Götter sprechen, wird es wieder knackiger im Sound. Die Riffs werden aber weiterhin vom großen Orchester unterstützt. Die Götter werden im konkreten Fall von Marco Hietala und Zuberoa Aznarez gesungen, zwei Gegenstimmen zu Heidi und JP, die eine andere Stimmlage einbringen und somit einen anderen Sound, der entsprechend zu einem neuen Höhepunkt der Geschichte führt.

„Promise“ ist dann doch wieder einfacher gestrickt, ein normaler Symphonic Metal Song sozusagen, wobei das „normal“ nur für DARK SARAH Maßstäbe zu verwenden ist, für viele andere Bands wäre das sicher schon ein TOP-Song, mit Choreinsätzen und schmeichelnden Metal-Orchester-Kombinationen.
Die „Golden Moth“ ist ein Balladen-Werk mit viel Orchester, das in die letzte Numme „The Gate Of Time“ überleitet. Hier erzählt JP kurz über das Wesen der „Golden Moth“, bevor das Stück sehr cineastisch ausklingt und auf jeden Fall ein paar Fragen hinterlässt. Geht das noch weiter? Wie? Wann? Was?

Diesmal wurde JP sehr viel Raum für seine Gesangskünste eingeräumt. Da er mir beim letzten Album bereits sehr positiv aufgefallen ist, bin ich natürlich davon begeistert. Die Stimmung, die die beiden mit ihren Duetten und Gesangskünsten einfangen, ist absolut überzeugend und nicht alltäglich. „The Golden Moth“ ist ein absoluter Leckerbissen für Epic / Cinematic Metal Fans, die vor Opernarien nicht zurückschrecken. Ich hoffe, dass DARK SARAH uns weiter mit derartig gutem Material versorgen, sowohl was Story, als auch musikalische Umsetzung betrifft.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Lady Cat (23.09.2018)

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