DRAGONY - Masters Of The Multiverse

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VÖ: 12.10.2018
Bandinfo: DRAGONY
Genre: Power Metal
Label: Limb Music
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Lineup  |  Trackliste

In Wien werden wieder Drachen geschlachtet – DRAGONY erheben sich zu den „Masters Of The Multiverse“ und bringen uns elf neue, vor Glanz und Glorie nur so strotzende Hymnen hochmelodischen Powermetals. Abgesehen von neuem Songmaterial bleibt aber alles beim Alten bei den heimischen Kitschkleb-Freunden – das Bandgefüge ist stabil und die Zuckerwatte quillt weiterhin aus allen Ecken und Enden des exzellent produzierten Sounds. Wer den musikalischen Kleister scheut wie der Teufel das Weihwasser, der darf sich jetzt getrost aus diesem Review verabschieden, der Rest darf sich schon einmal auf dieses musikalische Knallbonbon vorfreuen.

Ich bin der Zuckerguss auf deiner Heavy-Metal-Torte!

Da es bereits auf dem Vorgänger „Shadowplay“ so gut funktioniert hat; ein bombastisches Intro brauchen DRAGONY gar nicht, es wird einfach mit einem der hartnäckigsten Ohrwürmer des Albums direkt losgaloppiert. Sieht man sich die Lyrics genauer an, macht das Nerd-Herz gleich einen Sprung – ist der Song doch inspiriert von Robert Jordans „Wheel Of Time“. Themen, die das Herz von Fantasy- und Gamingfreaks höher schlagen lassen, finden sich ohnehin zuhauf auf dem Album, wie nicht nur „If It Bleeds We Can Kill It“ mit seiner herrlichen Persiflage auf Filme und Videospiele im Musikvideo beweist. Nebst nerdigem Themenkreis punkten DRAGONY aber vor allem mit gnadenlosen Ohrwürmern, die das Potenzial haben, den Hörer wochenlang zu verfolgen.

Ich bin der Ohrwurm, der dich den ganzen Tag verfolgt!

Ja, wenn die Wiener rund um Ober-Drachenbereiter Siegfried Samer eines können, dann sind es augenzwinkernder, bewusst überzeichneter Kitsch und klebrige Refrains; nicht nur „Defenders“ wurmt sich gnadenlos ins Ohr, auch Pathos-Granaten wie das bombastisch intonierte „Evermore“ oder der Fanfarengeschwängerte Titeltrack „Eternia Eternal (The Masters Of The Multiverse)“ machen es unmöglich, die punktgenau eingängigen Refrains zu überhören. Um nicht ganz in endlose Singalongs abzudriften, lockern DRAGONY das Album mit einigen ziemlich starken Titeln ab; ganz weit vorne rangiert dabei „Grey Wardens“ das deutlich komplexer als die fluffigen Hymnen einher kommt und ein wenig an KAMELOT erinnert – selbst wenn Sänger Siegfried hier nicht immer ganz sattelfest agiert.

Ich bin das Gold am Ende des Regenbogens!

Als stilistisch am hervorstechendsten stellt sich aber „The Iron Price“ heraus, welches mit stampfendem Rhythmus und vergleichsweise kernigem Riffing ziemliche Durchschlagskraft entfaltet. Der kriegerische Sound bringt ein leichtes SABATON-Feeling mit sich, während der etwas tiefer gehaltene Gesang die Stimmung des Titels ansprechend zu transportieren weiß. Anfangs unspektakulär und sich von hinten anschleichend, entpuppt sich „Angels On Neon Wings“ nach einigen Durchläufen ebenfalls als eines der Highlights des Albums, das stilistisch stark von MEAT LOAF beeinflusst ist und im hinteren Drittel dann auch noch mit einem unverhohlenen Tribut an den großen Meister ums Eck kommt. Als Abschluss gibt es noch eine Powermetal-Frischzellenkur für STAN BUSHs „The Touch“, die dem alten Heuler gehörigen neuen Pep einzuhauchen vermag.

Ich bin die Supernova im Mittelpunkt des Metal-Universums!

Dass man die Mannen von DRAGONY nicht immer bierernst nehmen sollte, das dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. So kann der sympathischen Truppe auch niemand ernsthaft böse sein, wenn sie mit unbändiger Spielfreude bei der Kreation von Pathos und Glorie bisweilen ein wenig übers Ziel hinausschießen, ist doch die Überzeichnung gängiger Klischees längst ein anerkanntes Stilmittel. Und gerade diesen Grat der offensichtlichen Übertreibung, bei dem sich DRAGONY nur allzu oft auch selbst auf die Schaufel nehmen, ohne dabei aber in die Niederungen der Peinlichkeit abzudriften, beherrschen die Drachentöter aus dem Effeff. Klar, die Neuerfindung des melodischen Powermetal-Rades sehen wir hier nicht und Sänger Siegfried schafft es nicht immer ganz, das zu singen was er gerne möchte - doch es bleibt ein Haufen Ohrwürmer in stilsicherer musikalischer Umsetzung und mit bombastischen Chören, der einfach nur endlos SPASS macht!

 




Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Anthalerero (09.10.2018)

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