HELRUNAR - Vanitas Vanitatvm

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VÖ: 28.09.2018
Bandinfo: Helrunar
Genre: Black Metal
Label: Prophecy Productions
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Lineup  |  Trackliste

„Unser zynischstes und in überspitzter Form auch menschenfeindlichstes Werk bisher.“
-MD über „Vanitas Vanitatvm“.

Nach Elend, Tod und Pest folgt der Verfall und Trug des schönen Scheins. Auf ihrem letzten Album „Niederkunfft“, welches mittlerweile auch schon wieder unfassbare drei Jahre auf dem Buckel hat, thematisierten die Münsteraner Black Metaller die Ängste der Menschen in der frühen Neuzeit. Tod, Elend und Pest waren die Zutaten in dem teils sehr Death Metal-lastigen Klagesammelsurium. Auch das mittlerweile siebte Album des deutschen Schwarz-Klang-Urgesteins ist thematisch wieder in der frühen Neuzeit angesiedelt. Schon der Titel „Vanitas Vanitatvm“ geht auf einen der bekanntesten Dichter und Dramatiker des Barocks, Andreas Gryphius, zurück, dessen Ode „Vanitas! Vanitatvm Vanitas! („Eitelkeit! Alles ist Eitelkeit“) Mitte des 17. Jahrhunderts vielerorts für Empörung sorgte. Angesiedelt wie der Meister des Barocks thematisieren HELRUNAR Leiden, Vergänglichkeit, Verfall und Trug des Schönen. Wo Herr Gryphius jedoch damit Resümee zog, dass das Ziel des Menschen nur darin liegen kann, die Zuflucht zu Gott zu finden (was in Anbetracht der damaligen sehr religiösen Zeit auch nicht gerade verwundert), schärfen die Münsteraner die Black Metal-Klingen, fahren die Death Metal-Einflüsse gegen Null, orientieren sich wieder mehr am Band-Überalbum „Sol“ und überzeugen mit ihrer abweisenden Kälte und dem gifttriefenden Gesang.

Selbstredend liegt geneigter Hörer sofort der Vergleich mit der HELRUNAR-Blaupause „Sol“ am Herzen, doch das ist in Anbetracht des Kultstatus einer solch zeitlosen Langrille mehr als unfair und würde auch hier, wie bei 99% aller anderen Bands, eher zum Nachteil der neuen Platte ausgehen. Das verwundert jedoch auch nicht besonders, wenn man bedenkt, wie viel Zeit man dem Klassiker geschenkt hat bzw. wie viele Erinnerungen man selbst in die Platte eingenistet hat. Rein musikalisch und objektiv betrachtet sind HELRUNAR in Bestform und „Vanitas Vanitatvm“ wird für so manchen Ohrenschmaus bei Alteingesessenen sorgen und zugleich neue Scharen an Anhängern missionieren, soviel sei schon mal vorweg festgestellt.

Rein textlich hantiert man weiterhin in Altdeutsch. Komplexe, metaphorische Texte alter Mundart. Teils Lyrisch. Teils Geschichtenerzählend. Teils mit reinem Sprechgesang ausgeschmückt. Doch immer mehrdeutig. Gerade die Lyrik ist thematisch dem Barock angegliedert. Zumindest zwei der drei Barock-Säulen wirken bei HELRUNAR tragend. Gerade die zwei Leitmotive „Memento mori“ und „Vanitas“ sind sehr ausgeprägt. Vom quälenden Todesgedanken bis hin zum Vergänglich-ist-die-Welt-Aspekt. Man besinnt sich, wie schon erwähnt, auf alte Tugenden. Die Death Metal-Einflüsse sind komplett zurückgefahren worden. Nummern wie die nach vorne groovende Todesstahl-Nummer „Magdeburg brennt“ oder das rein englischsprachige „Devils, Devils Everywhere“ der letzten Platte sucht man vergebens. Dafür sind das Songwriting und die Songstrukturen wieder deutlich komplexer, schneller und kälter. Es wird wieder Black Metal zum Besten gegeben. So stellen das Null-Kelvin-kalte „Saturnus“ oder die Überschall-Nummer „Lotophagoi“ gleich nach dem gemächlichen, instrumentalen Klangkosmos-Intro „Es ist ein sterbend Licht“ zu Beginn fest, wo der Hammer hängt. Nummern wie das gut ins Ohr gehende „Blutmond“ oder das vielschichtige „Da brachen aus böse Blattern“, mit seinen Geschwindigkeitsspielerein und seinen reinen Sprechgesang-Passagen, halten die Messlatte deutlich hoch und können auf allen Längen überzeugen. Der monströse Damphammer „In Eis und Nebel“, mit seinen epischen Textpassagen, oder das aus allen Rohren knallende „Als die Welt zur Nacht sich wandt“, mit seiner misanthropischen Härte, ballern einem gehörig einen vor die Birne. Mit „Nachzehrer“ zeigen sich die Münsteraner dann auch noch von einer sehr ruhig gehaltenen, minimalistischen Seite, die trotz ihres menschenfeindlichen Klangumfelds nur so vor Sehnsucht trieft.

HELRUNAR ist mit „Vanitas Vanitatvm“ ein weiterer großartiger Wurf gelungen. Es war wahrlich die richtige Entscheidung, sich wieder mehr den Wurzeln und den alten Stärken zu widmen und wieder Black Metal der räudigen Art zu kreieren. „Vanitas Vanitatvm“ gibt es in verschiedenen Versionen. Dem Die-Hard-Fan sei die Deluxe-Edition ans Herz gelegt, welche mit drei zusätzlichen Songs um die Ecke poltert.

Lauschlappen-Orgasmusfaktor: „Blutmond“.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: inhonorus (05.10.2018)

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