MESARTHIM - The Density Parameter

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VÖ: 11.06.2018
Bandinfo: MESARTHIM
Genre: Ambient Black Metal
Label: Avantgarde Music
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Lineup  |  Trackliste

Stellt euch vor, ihr steht allein auf einem Feld, irgendwo in der Nähe von dem Ort, den ihr euer Heim nennt. Langsam aber stetig und dann immer schneller und schneller beginnt sich alles von euch zu entfernen. Die Nachbarschaft, dann die Stadt oder das Dorf, in dem ihr lebt - alles wird kleiner. Ihr seht Staaten vor euren Augen verschwinden, Kontinente verwandeln sich in Sekunden zu kleinen Punkten, nicht lange, schon ist die Erde außerhalb eures Sichtfelds. Bald könnt ihr das Licht der Sonne nur mehr entfernt ausmachen, noch etwas weiter und die Milchstraße ist nur mehr ein schüchterner, blasser Fleck in der Ferne. Ihr fragt euch, wie weit ihr schon gewandert seid, bis ihr erkennt, dass das Alles, unser Kosmos, unser Universum, langsam anfängt, brüchig zu werden. Die Welt hat ihren Zenit erreicht, Materie und Energie können nicht mehr dichter werden und der Zeitpunkt ist gekommen, an dem, auch wissenschaftlich gesehen, alles enden muss.

Ein beklemmendes Gefühl, nicht wahr? Dass alles, was man kennt und noch so viel, so viel mehr, einfach endet und es nichts gibt, was man dagegen tun kann. Dieses oder ein ähnliches Konzept versuchen uns MESARTHIM (wahrscheinlich) näher zu bringen, zumindest liegt die Interpretation nahe. Wer sie sind? Ihre wahren Konzepte? Das alles ist ein Buch mit sieben Siegeln, hüllt sich die Band doch seit jeher in Schweigen gegenüber Labels und der Presse, nein, nicht einmal ihre Namen sind bekannt. Was wir jedoch spätestens seit ".- -... ... . -. -.-. ." wissen ist, dass sie es auch ohne Worte schaffen, mit ihren Kompositionen gewaltige Emotionen in uns auszulösen und ihre wissenschaftlichen Konzepte über das große Mysterium, das unser Universum auch nach Jahrzehnten der Forschung darstellt, den Menschen näher zu bringen. Was kann man also vom neuen Werk der mysteriösen Australier erwarten? Endzeitstimmung? Hoffnungslosigkeit? Physikalische Formeln? Lasst es mich erklären...

Am besten zu vergleichen ist die Musik von MESARTHIM wohl eher mit dem Soundtrack zu einem Dark Sci-Fi Epos als mit tatsächlichem Metal. Die zwei Individuen hinter dem Projekt verlassen sich in ihrer Musik neben typischen musikalischen Elementen des Black Metal zu einem großen Maß auch auf elektronische Kompositionen, die, verfolgt man die Veröffentlichungen der Band, nach und nach auch immer mehr in den Vordergrund treten. Wollte man es in einem Bild beschreiben, so wäre ihre Musik wohl mit der einer Weltraumschlacht zweier hoch entwickelter außerirdischer Imperien zu vergleichen, aus der keine der beiden Fraktionen als Sieger hervorgehen kann. Vorherrschend ist fast immer eine kalte, aber eindringliche Bombastik, die dem Hörer das Blut in den Adern gefrieren lässt, gleich dem eines sterbenden Astronauten, der verloren in einem Asteriodengürtel driftet und nur auf seinen unvermeidlichen Tod wartet.

Der Knackpunkt? Trotz all dieser depremierenden Bilder, die einem beim Hören von beispielsweise "Transparency" in dem Sinn kommen, ist die Musik von MESARTHIM in den seltensten Fällen wirklich negativ, im Gegenteil, in fast jedem der sechs Songs, die auf "The Density Parameter" zu hören sind, finden sich beinahe poppige Hauptmotive im Instrumental. Erst in der Kombination mit den markerschütternden Vocals kristallisiert sich die geheimnisumwobene, kalte Atmosphäre, die die beiden Musiker so grandios zu erschaffen wissen, tatsächlich heraus.

Ach ja, die Vocals von MESARTHIM, ein sehr schönes Thema, sind sie doch so schön...aussagekräftig und doch kryptisch. Was ich damit meine? Nun, einerseits ist das, was man auf "The Density Parameter" zu hören bekommt nichts Anderes, als sehr emotional vorgetragene, aber generische Screams, wie man sie eben kennt. Das Besondere allerdings ist, dass sie in ihrer Funktion eher einem zusätzlichen Instrument gleichen, als tatsächlichen Vocals. Ihr Sinn und Zweck ist es nicht, die Thematik des Albums durch Worte zu beschreiben, sondern viel eher, ganz in der Manier des Expressionismus, die Stimmung des behandelten Themas in Tonform zu bringen. Die verzweifelten Schreie des vorher erwähnten Astronauten, sein letztes Zeichen des Lebenswillens, das Letzte, was er mit einem schwindenden Sauerstoffvorrat von sich geben kann, ein Ausdruck der Verweiflung und der Trauer, aber auch das Tor zu Akzeptanz und Resignation, Dinge wie dieses sind es, die hier ausgedrückt werden. Keine großen Geschichten, alles, was hier zählt, ist der Ausdruck von Emotion und Stimmung. Einerseits sagen die Vocals nichts aus, andererseits aber alles, was für die Thematik relevant ist. Wirklich großartig.

Wer also (so wie ich) eine Schwäche für Musik hat, bei der man die Gedanken einfach nach und nach in die Ferne schweifen lassen kann, wird mit "The Density Parameter" als auch mit früheren Veröffentlichungen der Band hellste Freude haben. Tiefgreifende Stimmung steht hier im Vordergrund und doch ist ihre Musik sehr angenehm und unkompliziert zu hören, perfekt, um einen anstrengenden Tag ausklingen zu lassen und die Seele (irgendwo im fernen Weltall) etwas baumeln zu lassen!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Daniel Csencsics (11.10.2018)

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