CHTHONIC - Battlefields Of Asura

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VÖ: 12.10.2018
Bandinfo: CHTHONIC
Genre: Melodic Black Metal
Label: Spinefarm Records
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Lineup  |  Trackliste

Als die Taiwaner CHTHONIC seinerzeit mit "Seediq Bale" die ersten zaghaften Annäherungsversuche zum europäischen Raum wagten, wurden sie von vielen Medien belächelt und gnadenlos unterschätzt. In den zwölf Jahren, die seither verstrichen sind, hat sich bei dem Quintett aber sehr viel gewandelt: Nach dem Plattendeal mit Spinefarm Records konnte man sich mit "Takasago Army" und "Bú-Tik" endlich auch permanent in vielen Gedächtnissen und Plattensammlungen Europas festsetzen, im Heimatland wird man teils wie Superstars gefeiert und erst kürzlich, genauer gesagt im Februar 2016, schaffte es Sänger Freddy Lim, zuvor schon durch rege Teilnahme bei friedlichen Demonstrationen aufgefallen, in die liberale Opposition des taiwanischen Parlaments, um die politische Zukunft des Landes mitzugestalten - eine Dokumentation namens "Metal Politics Taiwan" (Trailer) hat ihn dabei begleitet. Letzteres ist auch der Hauptgrund dafür, warum CHTHONIC erst jetzt, also fünf Jahre nach "Bú-Tik", mit ihrem neuen Album "Battlefields Of Asura" zurückkehren.

Einen größeren musikalischen Wandel hat das dennoch nicht zur Folge, was allerdings auch nicht nötig war, da CHTHONIC mittlerweile ihren eigenständigen Sound zwischen Melodic Death Metal, Black Metal, Orchestrierung und den traditionellen Klängen der Erhu gefunden haben, ohne sich dabei ständig zu wiederholen. Dazu erzählt man auf "Battlefields Of Asura" Geschichten über Gottheiten (wer sich Wissen darüber anlesen möchte: Mazu, Ne Zha, Xuantian Shangdi, Wangye, Guanshiyin) und ihre Werte, die man, wie man auch am Coverartwork um den dreiköpfigen Gott Asura erkennen kann, in die Moderne transportieren will. 

Untermalt wird das zunächst von einem mystisch-elektronischen Intro mit Fernostvibes und darauffolgend dann mit einer Fülle an gewohnt professionell komponierten Songs, die qualitativ längst mit den europäischen Größen mithalten können und durch die taiwanischen Harmonien (der Break in "The Silent One's Torch" ist ein gutes Beispiel dafür) sowie die Atmosphäre im Allgemeinen für sich sprechen können. Dabei sind CHTHONIC in der Umsetzung deutlich vielseitiger geworden und benötigen für die asiatische Komponente längst nicht mehr nur die Erhu, sondern können denselben Effekt auch mit der Orchestrierung ("Flames Upon The Weeping Winds" und "One Thousand Eyes") oder eben - ganz geradlinig - mit der Gitarre ("Souls Of The Revolution" und "A Crimson Sky's Command") erzielen. Oftmals verschmelzen sämtliche Melodiegeber aber gerne auch zu einer homogenen Einheit.

Dieses Einheitsgefühl spürt man allerdings auch im Bezug auf den Gesamtverbund. Viele, und das ist natürlich nicht explizit auf exotische Acts aus dem asiatischen Raum bezogen, vergessen dann gerne, dem weiteren Instrumentarium einen gleichwertigen Handlungsspielraum zuzugestehen, aber CHTHONIC haben auf "Battlefields Of Asura", wie auch schon auf den beiden sehr guten Vorgängern, definitiv ihre gewohnt live-taugliche Hymne "Carved In Bloodstone", vor allem aber auch die Härte und die Riffs, die nicht nur zum Headbanging animieren, sondern eben auch schnell im Gedächtnis haften - "Millennia's Faith Undone" und "Taste The Black Tears" verwirklichen das besonders gut. Manchmal geht das für mein persönliches Gusto aber zu sehr in der arg kompromiert klingenden Produktion von Rickard Bengtson (davon gehe ich einfach mal aus, da man genau diese Schwachstelle schon auf dem Vorgänger offenbarte) unter, was den Gesamteindruck leider ein wenig schmälert.

Dennoch, und das muss man ganz klar festhalten, haben CHTHONIC nichts an ihrem Charme eingebüßt, nein, man kann anhand ihrer bisherigen Diskografie bis hin zu "Battlefields Of Asura" sogar eine steile Verbesserungskurve zeichnen, die das Quintett als gereifte Songwriter darstellt und das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit ist. Aus den einst belächelten (und trotzdem fähigen) Künstlern aus Fernost sind großartige Künstler mit einer gefestigten eigenen Identität geworden, die den Exotenbonus seltener denn je brauchen werden, um auf sich aufmerksam zu machen. Wenn man jetzt noch bei der Produktion bzw. Mix und Mastering Fortschritte machen kann, wird man in Zukunft kaum noch Angriffsfläche bieten. Eine verlässliche Instanz sind CHTHONIC mittlerweile aber trotz dessen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Pascal Staub (12.10.2018)

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