URIAH HEEP - Living The Dream

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VÖ: 14.09.2018
Bandinfo: URIAH HEEP
Genre: Hard Rock
Label: Frontiers Records
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Lineup  |  Trackliste

Bei Frontiers Records sind derzeit Neuauflagen von vielen altbekannten und junggebliebenen Bands angesagt. Eine davon, die uns wieder mit einem neuen Album beglückt, ist die Altherrencombo von URIAH HEEP. Wobei die alten mit diesem rockigen Sound ganz schön flott und jung geblieben sind. Natürlich ist soundtechnisch alles beim Alten und man hört eindeutig die Wurzeln der 60er und 70er heraus. Da gibt es diese klassischen Riffs und natürlich die unerlässliche Orgel, die einen in die alte Zeit zurückversetzt. Insofern komme ich, als Anhängerin dieser Musikjahrzehnte, mit "Living The Dream" voll auf meine Kosten.

Wie gesagt, die Reise geht bei "Living The Dream" in die gleiche Richtung wie beim letzten Album. Song Nummer eins, „Grazed By Heaven“, ist ein schnittiger Rocksong, hat heavy Rhythmen, viel lässige Orgel und Gruppengesang. Also Material, wie wir es schon seit Jahren kennen. Die Band wird sich wahrscheinlich auch denken: warum etwas ändern, das gut ankommt und den Ursprüngen und Vorlieben entspricht?

Die folgende Nummer „Living The Dream“ erinnert ganz stark an die alte Zeit. Schwerpunkt im Song sind Keyboard und Gesang/Chorus. Die Gitarren kommen gezielt mit unterstützenden Hooks zum Einsatz. Nicht unbedingt ein nach typischer Weise aufgebautes Lied, es hinterlässt jedoch mit seinem leicht düsteren Stil einen starken Eindruck. Das fast sechs Minuten lange Werk lässt viel Raum für Gesang, Melodie und Instrumente. Der lange Ausklang mit Kirchenorgel tut ein Weiteres, um den Titeltrack in Erinnerung zu behalten.

Stilistisch sind viele Songs auf der Welle „rockig, melodisch, eingängig, mit auffälliger 70er-Orgel und Choreinlagen“. Sphärische Klänge und ein wenig psychedelic-Erinnerung gehören natürlich auch dazu. Höhen und Tiefen werden zumeist von der Orgel herausgearbeitet, welche Sequenzen übernimmt, für die sonst die Solo-Gitarre zuständig ist. Mal spielt das Tasteninstrument Rhythmus, dann gleicht es sich Bass und Schlagzeug an und beim nächsten Takt ersetzt es die Leadgitarre. Die Variabilität und das leichtfüßige Schwerpunktwechseln von Orgel zu Gitarre und retour verlangt schon eine ordentliche Portion Können. Dieses ist auch gefragt, wenn man die Spannung in einem Song über fünf bis sieben Minuten aufrechterhalten will. Zu diesen Songs gehören der schon besprochene Opener „Grazed By Heaven“, „Take Away My Soul“, das zwischen flott und nachdenklich-langsam pendelnde „Rocks In The Road“, das spritzige „Goodbye To Innocence“, das Rock’n’Roll-Ansätze zeigt, oder „Falling Under Your Spell“.

Einfachere Riffs und Rhythmen finden sich bei „Knocking At My Door“. Dafür liegt hier der Fokus mehr auf den Vocals, die mit Hingabe kommen und perfekt in der Abstimmung zu den anderen Musikern bzw. dem Gruppenchor sind. An dieser Stelle sei auch gesagt, dass Bernie Shaw für diese Musikart ein wahrlich begnadeter Sänger ist. Das klingt einfach gut, was er macht, es passt sehr gut zur 60er/70er-Musik. Er versucht nicht modern zu sein, sondern fängt die Stimmung von damals ein und intoniert das perfekt.

Softere Nummern haben es auch auf das Album geschafft. „Waters Flowin‘“ ist eine balladenartige Nummer, mit akustischer Gitarre, Percussions, Piano und natürlich dem unverwechselbaren mehrstimmigen Gesang. Dies zieht sich circa bis zur Mitte des Songs, dann wird es mit den E-Gitarren ein wenig beschwingter, zieht sich aber leider mit einem ewig dauernden „Na-na-na“-Chor dahin, den man zugunsten des schönen Piano-Endes hätte kürzen können. Unter "Power-Ballade auf der 70er-Welle" lässt sich „It’s All Been Said“ reihen, Piano und Streicher stehen für Ballade, flotte Beats und rasante Orgelklänge liefern die Power, dazu die gelegentlich eingeworfenen nachdenklichen Passagen von Sänger, Orgel und Bass, und man hat wieder eine interessante Mischung.

Das letzte Stück „Dreams Of Yesteryear“ klingt zuerst ein wenig moderner, schwingt dann aber auch wieder auf die typische URIAH HEEP-Linie ein. Der Song steckt voller Emotion und mischt bei den ruhigen, balladenartigen Nummern mit, obwohl er eher von einer getragenen Melodie beherrscht wird, die sich dann wieder – für meinen Geschmack – zu lange bis zum Ende der Nummer zieht. Der Ausklang als Marsch ist auch nicht unbedingt nach meinem Geschmack, aber bitte. Irgendwie erweckt dieses Ende ein Abgang-Feeling und stellt somit ein Fragezeichen in den Raum. Warum so eine Art Trauermarsch um das Album zu beenden? Soll damit etwas angedeutet werden? Hoffentlich nicht das Karriereende, weil "Living The Dream" ist ein recht gutes Album geworden und wenn noch mal so ein Werk folgen würde, wäre das für mich voll in Ordnung.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Lady Cat (18.10.2018)

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