MASS DISORDER - Conflagration

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VÖ: 25.06.2018
Bandinfo: MASS DISORDER
Genre: Thrash Metal
Label: Ethereal Sound Works
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Lineup  |  Trackliste

Wenn die Seismographen in Madrid plötzlich Alarm schlagen und scheinbar ein Erdbeben in Portugal lokalisieren, dann sind die Thrasher von MASS DISORDER wahrscheinlich gerade am Proben. Der 2013 gegründete Fünfer ist wütend, stinkewütend – und sie holzen dem Hörer mit ihrem ersten Studioalbum „Conflagration“ eine knappe Stunde lang gnadenlos ihren brachialen Thrash Metal mit politischen Texten um die Ohren.

Beim spontanen Reinhöhren klingen MASS DISORDER eigentlich wie eine Thrash-Metal-Version von VADER. Die Jungs geben sich in ihrer Musik ähnlich kompromisslos wie die Polen und besonders der Gesang von Bruno Evangelista erinnert stark an „Peter“ Wiwczarek. Musikalisch feuern MASS DISORDER hartes Thrash-Gewitter im oberen Tempobereich ab, das vereinzelt an die Kollegen von SLAYER oder KREATOR erinnert. Dieses würzen sie mit einer gewissen, nicht überzogenen Dosis an Melodie, Punk-Oktaven-Riffs und mit runden, unbrachialen Soli. Der vergleichsweise langsam vorgetragene Gesang bringt dazu etwas Kontrast. Die Produktion ist modern und zu 100% „Wall of Sound“, ist aber auch ein wenig steril geraten. Wenn MASS DISORDER allerdings richtig losröhren, bersten Fensterscheiben und das Gemüse in der Küche hackt sich selbst. [Anm. d. Lekt.: Der Küchenchef wird sich freuen!]

Das Erstwerk macht nach wenigen Durchgängen richtig Spaß, beginnend mit dem brachialen und von Blast-Attacken flankierten „Rats“, dem ersten Song nach dem Intro „Arson“. Auch die nicht weniger wütende Abrissbirne „Death Vow“, in der auch ein wenig Hardcore-Breakdown-Gestampfe vorkommt, bleibt im Gedächtnis. Auf „Vicious Circle“ zeigen MASS DISORDER, dass sie mehr können als stumpfes 08/15-Geholze. Hier gibt es eine durchdachte Komposition, die noch einmal sehr abwechslungsreich alle Finessen des bisherigen Albums vereint und mit Riffgestampfe im Stile von IMMORTALs „One by One“ überrascht.

Leider gibt es aber auch neben dem etwas klinischen Sound weitere Kritikpunkte, wobei insbesondere zu viele und zu lange Samples auffallen. So benötigt das ansonsten hitverdächtige „Vicious Circle“ geschlagene zwei Minuten bis zum eigentlichen Intro. Das Marschieren von Stiefeln, Panzerkettenrasseln, Bombenhagel und eine Deutschland-Heil-Ansprache ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album (und insbesondere Letztere hätte man nicht wirklich auf Platte verewigen müssen). Auch „Premonition“ ist zumindest durchwachsen, denn der Versuch einer nachdenklichen Atmosphäre im Refrain geht mehr oder weniger in die Hose. Immerhin klingt der Gesang auf „Conflagration“ so, als würde der Teufel höchstpersönlich seinen Praktikanten zusammenscheißen – und damit schaffst du nun mal keine solche Atmosphäre.

Aber das ist alles Jammern auf hohem Niveau. Das Sample-Füllmaterial hätten MASS DISORDER kaum notwendig, denn selbst mit einem Minimum an Samples kämen immer noch um die 40 Minuten zusammen, was einer guten Thrash-Scheibe angemessen ist. Die Portugiesen haben durchaus das Potenzial für Wertungen jenseits der 4,0, wären da nicht die besagten, zugegebenermaßen kleineren, Macken. Aber aufgrund des sonst sehr starken und urgewaltigen Liedguts darf es auch nicht weniger sein.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (02.11.2018)

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