ARTAS - Ora Et Gomorrha

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VÖ: 27.10.2018
Bandinfo: Artas
Genre: Thrash Metal
Label: Atmaah Records
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Lineup  |  Trackliste

Krieg im Nahen Osten. Menschen kämpfen um Leben und Tod. Ein Strom aus Flüchtlingen fließt nach Europa. Viele sterben bei dem Versuch einen Ort in Sicherheit zu finden. Europäische Länder sind mit dem Chaos überfordert. Mit der Monsterplatte „ORA ET GOMORRHA“ gewährt ARTAS einen Einblick, wie sie die jetzige Welt wahrnimmt. Zirka 67 Minuten lang bekommen die Zuhörer Schläge mit nachdenklichem Beigeschmack in die Fresse. Das Bizarre dabei ist, dass man von dieser Tracht Prügel nicht genug bekommt.

ARTAS neuste Kreation ist zum Bersten voll mit geschichtlichen Hintergründen. Je mehr man den Liedern lauscht, desto besser erkennt man die Liebe zum Detail. Für den Albumtitel „ORA ET GOMORRHA“ hat sich ARTAS ein kleines Wortspiel ausgedacht. Ora et labora (zu dt. Bete und arbeite; Motto des christlichen Ordens der Benediktiner) ist vielen ein Begriff. Gomorrha (Stadt, die im Judentum Christentum und Islam erwähnt wird) ist ein Symbol der Fremdenfeindlichkeit, das von den 6 Musikern bewusst gewählt wurde. Der Name ist Programm und wird sowohl in unschönen, als auch in ehrlichen Worten behandelt. Aus den vorherigen Alben „The Healing“ (2008) oder „Riotology“ (2011) ist den meisten bekannt, dass ARTAS einzigartige Sprachkünstler sind. Damit der Schmäh auch dieses Mal nicht ausgelutscht wirkt, haben die Ex-Metalchampgewinner ihren Sprachsatz erweitert. „Ne Boltai“ (russisch, zu dt. Lüge nicht) war ein Plakatspruch aus Zeiten der Sowjetunion, der es in sich hat und gleichzeitig ein Songtitel von ARTAS neue Schöpfung.

Instrumentalistisch haben die Wiener es faust dick hinter den Ohren. Ihre leidenschaftliche Wut über die Zustände in der Welt spiegeln sich in der Musik wider. Musikalisch lässt sich die Band in Thrash Metal einordnen, aber ehrlich gesagt gibt es keine Grenze, die sie nicht übertreten. Eine Mischung aus verschiedenen Subgenres Elementen des Metals (Metalcore, Thrash Metal, Death Metal, Melodic Death), die gut miteinander harmonieren. Manche Zungen behaupten auch, dass ARTAS Musikstil auch Elemente des Raps beinhaltet. Hannes Koller (Guitars & Vocals) und Obimahan Ismahil (Vocals) decken die meisten von Sprechgesang, melodisches Singen bis zu Growls, Shouts und Screams ab.

An Selbstironie fehlt es ARTAS auch nicht. Aber wie unterscheidet sich „ORA ET GOMORRHA“ von den bisherigen Alben? Bei „Nick und Brich“ haben Massimo Maltese (Guitars) und Siahid al Atmaah (Guitars) zu ihrem Repertoire auch noch funky Jazz Elemente etabliert. Die kurzen Interludes bringen Abwechslung und bereiten dich darauf vor, was als Nächstes kommt. Einer von meinen persönlichen Favoriten und auch weiterer Grund warum die neue Platte sich von den Älteren abhebt, ist „Fuck This Band“. Dieses selbstironische Lied nimmt jene Leute auf den Arm die gedacht haben, ARTAS existiert nicht mehr. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, gibt sie zu verstehen, dass die Band nie tot sein wird und sie es nicht interessiert, ob jemand etwas dagegen hat. Um es auf wienerisch auszudrücken: „Wir san nu do. Akzeptier´s oder geh scheißn!“.

ARTAS hat sich viel Zeit gelassen, um sicher zu gehen, dass sie keinen Fehler machen. Das Monstrum „ORA ET GOMORRHA“ ist kein Wegweiser, der Richtig von Falsch trennt, sondern es ist die Idee von einem Haufen wütender, talentierter Musiker, die genug hat von der Doppelmoral in der Welt. Genau dieses Gefühl drückt die Band in ihrem Album aus. Trotz allem gibt es einen Kritikpunkt der schon bei „Riotology“ (2011) in mehreren Reviews zu lesen war. Die Länge von „ORA ET GOMORRHA“ ist ungewöhnlich und es ist fraglich, ob ARTAS die Spannung so lange aufrechterhalten kann. Mit Interludes, Intro bzw. Outro sorgt sie jedenfalls sowohl für neuen Schwung, als auch Kontrast zu den Liedern.   
 



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Julian Dürnberger (29.10.2018)

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