CEVEO - Jordsand

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VÖ: 30.11.2018
Bandinfo: CEVEO
Genre: Post-Rock
Label: Eigenproduktion
Lineup  |  Trackliste

Die Post-Rock Band CEVEO aus Linz verfeinerte ihren Sound von Jahr zu Jahr seit ihrer ersten Demo-EP „… and it’s not just in my head“ (2010) über ihr Debüt-Album „Cocooning Days“ (2012) bis zu ihrem letzten hervorragenden Werk „Eunoia“ (2014). Durch eine Vielzahl von Live-Konzerten u.a. als Support von Genre-Größen wie AMENRA, ROSETTA oder THE SAMUEL JACKSON FIVE, wurden die Kompositionen vor Publikum erprobt, um die nächste Evolutionsstufe von CEVEO zu erklimmen. Live blieben vor allem Nummern wie „No 6“ (sic) oder „Mother Fog“ von der Vorgängerplatte „Eunoia“ hängen, der ich im Nachhinein eine Wertung von 4 Punkten attestieren würde. Dieser Wertung muss sich jetzt das neue Werk „Jordsand“ stellen.

Wir begeben uns auf die Reise nach „Jordsand“, eine kleine dänische Insel die 2001 in den Fluten der Nordsee versank. Das Natur-Konzept an sich begeistert schon und mit dem Opener „Moving To Jordsand“ wird die Reise äußerst ruhig und stimmig begonnen. Der Song wirkt wie Filmmusik zu wunderschönen Naturaufnahmen und irgendwie muss ich hier an SOLSTAFIRs „Svatir Sandar“ denken. Ganze Vier Minuten nimmt sich die Band Zeit und in der letzten Minute kippt die Stimmung von hoffnungsvoll-fröhlich in eine Besorgnis erweckende. Wie geht die Reise weiter?

CEVEO sind großartig im Aufbau von Spannungsbögen, der lange Aufbau und die meist kurze „Zerstörung“ durch heftige Riffs zum Schluss kann wohl schon als Trademark der Band bezeichnet werden. Der Übergang in den nächsten „härteren“ Song „Petrichor“ funktioniert wunderbar. Das Intro-Riff wird in der ersten Minute repetitiv präsentiert, bevor die Melodien „erlösen“ und die erste Verschnaufpause mit sphärischen Klängen eingeläutet wird. Im letzten Songdrittel geht es dann wieder mit verzerrten Riffs zur Sache, auf denen wunderbare Gitarrentappingleads gezaubert werden.

Experimentell beginnt der dritte Teil des Gesamtkunstwerks mit Xylophontönen bei „What’s The Time Crater“. Die Übergänge von Song zu Song gehen so fließend einher, dass wirklich von einer „Album-Reise“ gesprochen werden kann. Gefühlvolle Melodien treffen auf akzentuiert zurückhaltendes Schlagzeugspiel und sphärischen Basssound und ergänzen mit weiteren sechs Minuten Spielzeit das Album-Bild.

„Major Proton“ klingt dann mit den Echo-Gitarrenklängen wieder ganz anders. Diesmal lassen sich CEVEO einmal nicht bis ganz zum Schluss Zeit, sondern entfachen schon zwei Minuten vor Ende des Songs ein großes Rifffeuerwerk, das richtig zum Abgehen einlädt. Auf Vocals wird auf dem neuen Werk komplett verzichtet, da sie auch keine Notwendigkeit haben. Der Sound alleine reicht, um die Songs spannend werden zu lassen.

Bei „Sandwood Bay“ werden vermutlich die Fluten evoziert, die die dänische Insel in der Nordsee versinken ließ. Die erzählende Weise der Songs ließ mich auch an die russische Ambient-Band KAUAN denken. Immer wieder gelingt es CEVEO den Spannungsbogen auf ganzer Länge zu halten, ohne sich in ihren Ideen und Melodien zu wiederholen.

Der Album-Closer „Obsidian“ schließt das Album-Konzept mit wunderschönen Klängen, an denen man sich gar nicht satt hören kann. Und wieder mal ist es die Steigerung im Song selbst, angefangen vom Basssound über die Gitarrenriffs bis zu den ekstatischen Schlagzeugrhythmen, die begeistert. Da für mich persönlich die Referenzband im Post-Rock Genre LONG DISTANCE CALLING darstellt und diese mit ihrem letzten Opus Magnum „Boundless“ einen Meilenstein veröffentlichten, darf sich CEVEO mit „Jordsand“ gleich daneben einen Platz sichern. Das fantastisches Coverartwork von Sabine Éon.noir vervollständigt das neue Post-Rock-Meisterwerk. Großartig!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Florian Rosenberger (01.11.2018)

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