VREID - Lifehunger

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VÖ: 28.09.2018
Bandinfo: VREID
Genre: Black Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Eine kalte Winternacht, Sterne und ein sichelförmiger Mond leuchten vor einem wolkenleeren Himmel. Im Mondlicht erscheinen die Konturen kahler Bäume. Ein einsamer, in seine Kutte gehüllter Reiter bahnt sich seinen Weg durch den Wald (worauf reitet der da eigentlich?). Im Hintergrund, fast unauffällig zwischen den blattlosen Ästen verschwindend, baumelt eine Person, die ihres Lebenshungers offenbar verlustig gegangen ist. Dieses in dunklen Farben gehaltene und wie ein Ölgemälde erscheinende Kunstwerk ziert die Front des achten Langspielers „Lifehunger“ der norwegischen Band VREID, die auch nach vierzehn Jahren und stolzen acht Studioalben (lebens-)hungrig wie eh und je erscheint.

Mit „Flowers & Blood“ eröffnet ein knapp zweiminütiges, melancholisch und nachdenklich wirkendes Akustikintro den neuen Langspieler. Man schließt die Augen und driftet im Geiste davon, verfällt in einen Zustand der Tiefenentspannung – bis plötzlich die eiskalten, schwermütigen Tremolos zum Beginn des ersten regulären Songs „One Hundred Years“ einsetzen und die Ruhe stören. Und spätestens die kurz danach loshämmernden Blastbeats und das fiese Krächzen von Sänger Sture katapultieren den Hörer schließlich zurück in die kalte und harte VREID’sche Klangwelt. Neben reinen Black-Metal-Passagen finden sich die typischen „Black & Roll-Riffs“, melodische Soli, Klargesang sowie dezente Orgelklänge und hin und wieder erklingt sogar die sogenannte „singende Gitarre“. Letzteres war ein markantes Stilelement WINDIRs, der Band, in der alle heutigen VREID-Mitglieder bis zu deren tragischen Ende spielten. Eine subtile und sehr ergreifende Erinnerung an die Vorgeschichte der Band, die mit ihrem sehr eigenständigen Stil seit jeher nur noch wenige Parallelen zu WINDIR aufweist. Zum Ende hin erklingt erneut eine ruhige, stimmungsvolle Akustikpassage, die fließend in die Blast-und-Tremolo-Passage vom Beginn des Songs übergeht und den Kreis schließt. Mit „One Hundred Years“ präsentieren uns die Jungs nicht nur einen starken Auftakt, sondern auch gleichzeitig einen waschechten Hit.

Der Titelsong „Lifehunger“ baut zunächst mit seinem stampfendem Eingangsriff Spannung auf und serviert anschließend VREID-typischen Black Metal, garniert mit einer gehörigen Portion Rock & Roll und eingängigen Soli. In eine ähnliche Kerbe schlagen auch die meisten anderen Stücke auf „Lifehunger“, bspw. auch das vorab veröffentlichte „Black Rites in the Black Nights“. Der aufmerksame Leser hat sicherlich bemerkt – „die meisten“ ... was bedeutet „die meisten“? Nun ja, mit „Hello Darkness“ bieten VREID überraschenderweise einen schwarz angepinselten Rocksong in gediegenem Tempo, wie man ihn dieser Tage eher von VREIDs Landsleuten SATYRICON erwarten würde. Und tatsächlich erinnert „Hello Darkness“, das übrigens von Sólstafirs Aðalbjörn 'Addi' Tryggvason vorgetragen wird, auch ein wenig an die Erschaffer von „Mother North“ und „Phoenix“. Kleiner Tipp: man höre sich mal „Hello Darkness“ und „Phoenix“ hintereinander an. Ein starkes Stück Song und Mut gleichermaßen, will ich behaupten.

Der Sound klingt natürlich wieder erkennbar nach VREID, wurde jedoch abermals aufpoliert und erscheint als Ganzes gesehen runder und ausbalancierter als auf älteren Veröffentlichungen. Der Gitarrensound bspw. erklimmt zwar nach wie vor unerreichte Höhen in Sachen Verzerrung, haut dabei aber nicht so gnadenlos mit dem Holzhammer rein wie einst auf „Milorg“. Und dennoch erhält der Sechssaiter wieder mehr Raum und Dominanz als auf dem direkten Vorgänger „Sólverv“.

Unterm Strich zeigen sich VREID auf „Lifehunger“ wieder um einiges eingängiger als auf dem etwas sperrigeren und mehr auf reinen Black Metal konzentrierten „Sólverv“. Stattdessen besinnen sich die Norweger ohrenscheinlich zurück auf ihre Stärken, lassen wieder ein großes Stück mehr Rock & Roll in ihre Musik einfließen und knüpfen damit mehr an den Vor-Vorgänger „Welcome Farewell“ an. Das neue Liedgut ist dabei sehr fokussiert, kommt auf den Punkt und zeigt keine offensichtlichen Schwächen. „Lifehunger“ scheint hell am VREID’schen Nachthimmel und die Zeit wird zeigen, ob wir nicht sogar das bis dato stärkste Album der Norweger in Händen halten. Darauf einen Dunder oder zumindest einen Met!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lord Seriousface (02.11.2018)

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