WITHERFALL - A Prelude To Sorrow

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VÖ: 02.11.2018
Bandinfo: WITHERFALL
Genre: Progressive Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Natürlich war mein Album des letzten Jahres, WITHERFALLs "Nocturnes And Requiems", mit der Höchstnote deutlich überbewertet. Das soll jetzt nicht abwertend oder richtend klingen, aber mit etwas Abstand wäre ein knackiger Vierer ausreichend gewesen für den selbstredend hochklassigen ProgMetal/NeoClassic-Hammer. Der Grund für meine späte Einsicht ist ein offensichtlicher: Wohin soll es nach einer Höchstbewertung in der weiteren Karriere noch gehen?

Ein Jahr nach dem Debüt sind die Jungs um Zaubergitarrist Jake Dreyer und Gesangsdeität Joseph Dreyer wieder zurück, haben ihre Belegschaft um Gitarristen Fili Bibiano und Schlagzeuger Steve Bolognese aufgestockt und legen mit "A Prelude To Sorrow" nach. War das erste Album dem 2016 verstorbenen Drummer Adam Sagan gewidmet, geht man nun kathartisch mit dem Hinwegscheiden des Mitmenschen um. "A Prelude To Sorrow" ist nicht nur ein progressives, hartes und erratisches Album geworden, sondern auch ein tieftrauriges.

 

 

Nach der kurzen Einführung geht es gleich in das DREAM THEATER-artige "We Are Nothing", welches mich tatsächlich an "A Change Of Season" mit einer Prise "Awake" erinnert. Gnadenlose Härte, ein Refrain, der möglicherweise mit Benzobegleitung leichter zu konsumieren ist, eine riesige Anhäufung von Ideen und Riffs sowie eine Gesangsleistung, die an seelige Warrel Dane-Zeiten erinnert. Joseph Michaels Ausritt just nach Minute drei sollte für Gänsehaut en gros sorgen. Dieses elf-minütige Mutterschiff zeigt dann (aber) auch gleich deutlich, wohin die Reise geht. Hier wird dafür gesorgt, dass der/die HörerIn aufs massivste gefordert wird. Extrem harte, komprimierte Gitarren reisen erratisch auf donnernden Drums immer und immer wieder jenseits konventioneller Songstrukturen. Bei "We Are Nothing" bleibt der gesamte Song stehen und beginnt mit einer "Awake"-artigen Riffkannonade, die sich in ein Solonarrativ erweitert, nur um dann schließlich kathartisch in den tief kontemplativen Chorus zu münden. Ein heftiger Brocken Prog-Metal mit unzähligen Geschichten, die hier auf höchstem Niveau erzählt werden. Das nun folgende "aber" ist nicht abschwächend zu verstehen, aber man braucht mehr als ein wenig Geduld, um sich mit diesem und in weiterer Folge allen Songmonolithen auf diesem Album anzufreunden.

 

 

"Moment Of Silence" beginnt etwas eingängiger, das hält sich allerdings nicht lang und es beginnt ein schädelsprengender Blastbeat, der frei jazzend hin zu einem Refrain führt, der erneut diese schmerzliche Introspektion offenlegt, die uns über die gesamte Albumlänge begleitet. Der Song ist in seiner kaum stringenten Auslegung erneut typisch für die musikalische Vorgehensweise der beiden Hauptsongwriter Joseph Michael und Jake Dryer, die hier wieder Dinge aus ihren Gehirnen und Herzen hervorzaubern, auf die man unter normalen Umständen oder mit auch nur minimal geringerer Begabung wohl nie kommt. Auch hier wieder eine gesangliche Bergspitze, diesmal bei Minute 4:40. "Moment Of Silence" ist für WITHERFALL ein fast schon geradliniger Song, für alle anderen Bands dieser Welt aber noch immer ein Progmonster bar jeglicher Vergleichsmöglichkeit.

"Communion Of The Wicked" beginnt beschaulich und man muss hier tatsächlich konstatieren, dass der Song recht catchy ist. Was auch hier aufhält ist der deutlich gestiegene Härtegrad im Vergleich zu "Nocturnes And Requiems" und eine hier recht flächig angelegte Rhythmusarbeit. Auch ist der Hang zum freistehenden, neoklassischen Solo zwar noch immer wie auf dem Vorgänger vorhanden, aber bei weitem nicht mehr so präsent. Die Songs respektive der Sound derselben ist etwas gesamtumfassender was die Instrumentierung betrifft.

 

 

"Meridian's Visitation" ist eine kurze Ode an die Resignation, Niedergeschlagenheit, Angst, Panik und natürlich Trauer, bevor es mit "Shadows" wieder sieben Minuten lang deftig eine mitten in das Gesicht gibt. Knallharte Riffs, sich windendes, leicht an den Beginn der 90er erinnerndes Songwriting und eine erneut nicht von dieser Welt zu sein scheinende Gesangsleistung. Prog allerhöchster Güteklasse, wenn man sich die Zeit nimmt, die Geduld mitbringt und möglicherweise ein Flascherl Psychopax in Griffweite hat. 

Mit "Ode To Despair" haben wir quasi die Radiosingle des Albums. Offensichtlich nicht inhaltlich, wenn man sich die lyrische Grundlage ansieht, aber der Song ist kurz, einigermaßen auf den Punkt gebracht und lädt jeden dazu ein, sich dann endgültig in das Messer der jeweiligen Wahl zu stürzen.

"The Call" ist ein Interludium bevor WITHERFALL es mit "Vintage" leicht übertreiben. Hier ist nicht das Gesamte die Summe der Einzelteile, hier sind einfach viel zu viele Einzelteile auf elf Minuten verteilt. Natürlich auch hier allerhöchste Musikalität, aber, es tut mir leid, ich kann diesem musikalischen Sternenzerstörer nicht folgen. Es zeigen sich endgültig massive Erschöpfungserscheinungen, die Konzentration lässt nach und man sehnt sich nach ein wenig Sonnenschein, Kinderlachen, möglicherweise bunten Kaltgetränken mit kleinen Strohschirmchen als Dekoration.

 

 

Abgeschlossen wird all das, das zweite Werk, durch "Epilogue" und einen erneuten, letzten Gedenken an den verstorbenen Schlagzeuger Adam Sagan. 

"A Prelude To Sorrow" ist ein ungemein hartes, virtuos komponiertes und gespieltes Album geworden, welches möglicherweise durch die extreme Abwechslung und Vielfalt vieler auf diesem Album vorkommender Songs indes enorm schwierig zu hören, zu verstehen oder gar zu internalisieren ist. Darüber drückt noch diese greifbare, tiefschwarze Trauer dem Songwriting ihren Stempel auf. Das neue Werk der Kalifornier ist natürlich ein Muss für jeden Progger, für jeden NEVERMORE, DREAM THEATER-Freund und für Liebhaber extrem anspruchsvoller Metalmusik, aber auch für diese Herr- und Damenschaften wird sich "A Prelude To Sorrow" erst nach einigen Durchläufen erschließen.

WITHERFALL haben sich weiterentwickelt, der Sound ist grandios, wie auch die Musikalität es ist. Einfacher wird es dadurch aber nicht, sich diesem Monster zu nähern. "A Prelude To Sorrow" ist ein Werk, welches sich möglicherweise erst in der Zukunft öffnen wird, wenn man sich ihm geduldig nähert. Das soll jetzt nicht abschreckend klingen, aber dieses Album ist wirklich heftig...



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wiederwald (16.11.2018)

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