EINHERJER - Norrøne Spor

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VÖ: 09.11.2018
Bandinfo: Einherjer
Genre: Viking Metal
Label: Indie Recordings
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Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Ich möchte diese Rezension gerne mit einer kleinen Beichte eröffnen: EINHERJERs "Av oss, for oss" würde ich heute nie und nimmer mit der vollen Punktzahl bewerten. Während der direkte Vorgänger "Norrøn" immer noch in regelmäßigen Abständen rotiert, war das letzte reguläre Studioalbum (die edle Jubiläumsneueinspielung von "Dragons Of The North" klammere ich bewusst aus) eines derer, die mich gelehrt haben, sorgsamer mit Wertungen umzugehen und nicht direkt den ersten übermotivierten Hördurchgängen zu erliegen oder gar zu vertrauen - vier Punkte hätten es also auch getan. Zwar spiegelt die am Ende stehende Ziffer ohnehin nur den nicht in Stein gemeißelten Status Quo wider, weswegen dieser zumindest für mich eine weitestgehend nichtige Rolle spielt und meinetwegen auch komplett aufgekündigt werden könnte, aber dagegen haben Lesefaule eher unberechtigterweise und Labels aus Promotionzwecken berechtigterweise ebenfalls nicht zu unterschätzende Einwände. Bevor ich nun aber vollends abschweife, schließe ich den Gedanken damit ab, dass sich EINHERJERs neuestes Werk "Norrøne spor" völlig gegensätzlich zu seinem Antezessor verhalten hat, da a) die erste Single "Spre vingene" ohne Kontext bieder wirkte, wodurch auch keine richtige Vorfreude entstehen konnte, und b) auch die Gesamtausarbeitung des siebten Studioalbums zunächst relativ sperrig anmutete.

EINHERJER selbst sagen zu "Norrøne spor" sinngemäß, dass sie es nicht mögen, wenn man als Band davon spräche, man würde zu den eigenen Wurzeln zurückkehren wollen. Weil das ein inflationär erwähntes Klischee sei, das meist zu nichts Gutem führe; stattdessen soll die klassische Formel in zehn neuen Songs (exkl. dem ordentlichen MOTÖRHEAD-Cover "Deaf Forever") Zukunft und Vergangenheit zugleich vereinen. Da "Dragons Of The North XX" als guter Vergleich dient, wie EINHERJER ihr Debütalbum und den damaligen Stil aktuell interpretieren würden (es ist ja keine stupide Neuvertonung nach vorgegebenen Noten), kann man das mit ein wenig Abstand auch auf "Norrøne spor" ummünzen: Man verzichtet auf ein Intro, reduziert die Experimentierbereitschaft des Vorgängers drastisch, setzt beim Keyboardeinsatz auf Minimalismus und lässt die Gitarren sowie Glesnes schroffen Gesang die nordmännisch-ehrliche Arbeit erledigen.

Das mag sich unspektakulär lesen, tut EINHERJER aber deshalb gut, weil sie dadurch auch ihren unkonventionellen, ungekünstelten Charme im Gitarrenspiel wieder etwas stärker betonen können. Rockige Referenzen hört man in manchen Songs deshalb immer noch (mit "The Spirit Of A Thousand Years" und "Kill The Flame" hat es ausgerechnet zwei der drei englischsprachigen Titel erwischt) und in den gewohnt schmissigen Soli sowieso schon seit Urzeiten, doch überwiegend schwebt ein rustikaler und schwarzmetallischer Tenor ("Døden tar ingen fangar" steht sinnbildlich dafür) über den zehn Stücken, der manchmal gar in Schwermut übergeht ("Tapt uskyld" und "Av djupare røtter"). Damit erschafft das Quartett ein Werk, das sich ohne größere Schnörkel ungemein stimmungsvoll artikuliert und dabei auch von den gewohnt hymnischen Momenten ("Mine våpen mine ord" und "Mot vest"), eigenwilligen Tempoverschleppungen ("Fra konge te narr") sowie den subtil durchschlingenden Melodien profitiert.

Um zum Abschluss noch mal zu "Av oss, for oss" zurückzukehren: es ist immer noch ein großartiges Album, das von seinem Ideenreichtum lebt und definitiv auch heute noch zu gefallen weiß; war bzw. ist an manchen Stellen aber auch eine Spur zu verkopft, zu abstrakt, um sämtliche Vorzüge von EINHERJER betonen zu können. Mit "Norrøne spor" und Leadgitarren-Neuzugang Ole Sønstabø gelingt ihnen ein Schnitt (von einer Zäsur würde ich nicht sprechen) hin zu einem erdigeren, entschlackten Klangbild, das nach einer gewissen Eingewöhnungszeit immer noch ungemein atmosphärisch ist und die musikalische Entwicklung der Künstler geschickt ausnutzt, um nicht als "Zurück zu den Wurzeln"-Mogelpackung durchzugehen. Es inszeniert ein funktionierendes Bandgefüge, das gleichzeitig seinem bzw. dem Ursprung der Band treu bleiben, die erfahrungsbedingten Fortschritte im Songwriting dienlich umsetzen und wohl auch die Ideen des jungen Sønstabø ohne altersbedingte Allüren aufnehmen kann. Zum nahenden Julfest kann man also bedenkenlos mit EINHERJER auf Beutezug gehen.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Pascal Staub (08.11.2018)

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