KARMA RASSA - Vesna...Snova Vesna

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VÖ: 21.09.2018
Bandinfo: KARMA RASSA
Genre: Progressive Metal
Label: Eigenproduktion
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Lineup  |  Trackliste

Die vier Jahreszeiten. Ein Thema, dem sich gut und gerne durch alle künstlerischen Bereiche Experten gewidmet haben. Das berühmteste Werk war da wohl Vivaldis "Vier Jahreszeiten", in welchem er sich sätzeweise um eine ihm adäquat erscheinende Vertonung von Frühlingserwachen, Sommergewitter, bunt gefärbtem Herbst und Winterruhe bemüht hatte . Und nun nehmen sich auch die Russen von KARMA RASSA dieses Konzeptes an und adaptieren unser aller Jahresrhythmus in ein ausladendes und dennoch nicht opulentes Prog Rock-Stück. 

KARMA RASSA, die schon mit ihrem Vorgänger "Talks To Innerself" für Begeisterung, zumindest bei meiner Wenigkeit, gesorgt hat, drehen ihr bisheriges Konzept wenigstens den Rahmenbedingungen nach nun auf Links. War das erste Werk textlich in Englisch gehalten, um die philosophisch angehauchten Lyrics und "Inneren Monologe" auch international verstehen zu können, drücken sich KARMA RASSA dieses Mal weitaus mehr durch die Musik und ihre Muttersprache Russisch aus. Dabei muss sogleich erwähnt werden: Die für das ungeübte europäische Ohr sonst recht eckige russische Sprache klingt aus den Stimmbändern von Sänger Nagual weitaus gedämpfter, samtiger, verspielter, als man es sonst (meist aus Filmen) kennt. 

Ebenso sanft und samtig legt sich allerdings auch eine genüsslich-lauschige Decke über das komplette Album. Nein, wir sprechen hier nicht von einer langweiligen Zurückhaltung, in welcher eine bestimmte Stärke im Ausdruck durch musikalisch-philosophische Klangteppiche ersetzt wird. Ja, dem zweiten Album "Vesna...Snova Vesna" ist eine beruhigtere Spielart nicht abzusprechen. Wagt man es, nebenbei und oberflächlich zu hören, werden sich die Songs ineinander vermischen und wie aus einem Guss, aber auch gleichzeitig in gleichbleibender Range anfühlen. Doch KARMA RASSA verstehen es meisterlich, die Feinheiten nicht nur ins Detail zu verbasteln, sondern auch einen Satz nach dem nächsten zu machen, von sanft und demütig zu kraftvoll und dramatisch zu springen, ohne dabei aber auch nur die kleinste Kante in den Hörfluss zu spielen. Und darin mag hier wohl auch die Kunst liegen, denn die einzelnen Songs lehnen sich aneinander an, führen von einem zum nächsten, ohne ihre Eigenheiten zu oberflächlich zu verraten. 

So besticht jeder der fünf Tracks auf "Vesna...Snova Vesna" durch eine eigene Charakteristik, die vielleicht mit viel Fantasie auch der jeweiligen Jahreszeit zugeordnet werden kann. Allerdings sind diese Eigenschaften nicht ausgeprägt genug, um einen Song vom anderen zu lösen. Sie bilden unmissverständlich eine Einheit mit ihren in Teilen vorkommenden feinen Dramatik, dem kraftvollen Aufbau, düsterer Sanftheit oder einer geradlinigen Auflösung der Spannungen im fünften Song "Snova Vesna", das einerseits die Scheibe abschließt und gleichzeitig einen Kreis zum Anfang flechtet, der großartig gelungen ist. Der gezielte Einsatz von Saxophon-Anteilen oder Flötenklängen an der ein oder anderen Stelle tut dabei noch sein Übriges. 

KARMA RASSAs Neuwerk "Vesna...Snova Vesna" entfaltet sich dem Hörer in seiner ganzen Pracht nicht beim ersten Durchgang, sondern blüht bei der zweiten und dritten Umdrehung erst so richtig auf und zeigt sich in voller Güte. Und an Qualität fehlt es diesem Mischwerk aus Dramatik, Spannung, Kraft und dennoch harmonischer Beruhigtheit keineswegs. Das man textlich nicht mithalten kann, es sei denn, man hätte fundierte Sprachkenntnisse im Russischen, stört über das gesamte Album hinweg überhaupt nicht. Die Sprache flechtet sich einheitlich stimmig in die angenehmen Klänge ein und arbeitet wider Erwarten keineswegs gegen die Stimmung, die erzeugt wird. So oder so, KARMA RASSA haben schon wieder etwas extrem Hörenswertes erschaffen, das man ohne Vorbehalte weiterempfehlen kann! 



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Lisi Ruetz (29.11.2018)

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